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Klausur: Entwicklung in der SBZ nach 1945

Alles zu Deutschland 1945-1949

Klausur Geschichte


Aufgaben:

  1. Schildern Sie, durch welche Maßnahmen schrittweise eine "Sowjetisierung" der SBZ bis 1949 vollzogen wurde!
  2. Interpretieren Sie die Quelle!
  3. Nehmen Sie kritisch Stellung zur Quelle!


Quelle:
Aus dem Beschluss des SED-Parteivorstandes von 1949 (Dokumente der SED, Bd.2, 1951):
Die gegenwärtige Phase der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung ist gekennzeichnet durch die Verschärfung des Kampfes um die nationale Einheit und Unabhängigkeit Deutschlands und den Friedensvertrag, die Festigung der demokratischen Ordnung, die Volkskongressbewegung und die Nationale Front. Der deutschen demokratischen Schule erwächst daraus die Aufgabe, in entscheidendem Maße die Jugend zu Kämpfern für die Einheit Deutschlands, einen gerechten Frieden und für ein friedliches und freundschaftliches Zusammenleben der Völker, insbesondere mit der Sowjetunion, zu erziehen. Angesichts der Verschärfung und der Unausweichlichkeit dieses Kampfes können diese Aufgaben nur erfüllt werden, wenn jeder Lehrer und Erzieher alle reaktionären und neofaschistischen, kriegshetzerischen, insbesondere antisowjetischen Einflüsse und Theorien, jeden Glaubens-, Völker- und Rassenhass bekämpft.[...]

Er ist nicht mehr der Diener einer herrschenden Minderheit, deren Interesse auf die Erhaltung der bestehenden gesellschaftlichen und kulturellen Zustände gerichtet ist, sondern er erhält seinen Auftrag von den fortschrittlichen Kräften des Volkes und dient als Volkslehrer in allen Stufen der Einheitsschule den werktätigen Schichten und allen Menschen, die sich gemeinsam für den Aufbau, das Wohl und die Befreiung unseres Volkes aktiv einsetzen. Seine pädagogische Arbeit muss der Lehrer mit dem Kampf um den Aufbau einer neuen demokratischen Gesellschaft verbinden. Für die Gesamtheit der Lehrer und Erzieher gilt der Grundsatz, dass ihre politische Bildung und gesellschaftliche Betätigung entsprechend ihrer beruflichen und politischen Vorbildung die unerlässliche Voraussetzung für ihre fachliche Qualifikation darstellt. Die neue demokratische Schule fordert den politisch bewussten und wissenschaftlich gebildeten Lehrer. Es ist deshalb notwendig, dass sich jeder Lehrer neben einer guten Allgemeinbildung eine objektive Kenntnis des Marxismus-Leninismus und gründliches Wissen in seinem Unterrichtsfach und in der Erziehungswissenschaft aneignet. Seine fachlich-theoretische Ausbildung muss in lebendiger Verbindung mit der Schulpraxis und der eigenen gesellschaftlichen Tätigkeit erfolgen.

1) Nach der Kapitulation Deutschlands am 8.Mai 1945 arbeiteten die Alliierten erst zusammen für ein einheitliches Deutschland, doch schon auf der Potsdamer Konferenz (17.Juli-2.August 1945) gab es Streit über die Art der Entnazifizierung und über die Deutung des Begriffs "Demokratie". Da laut dem Potsdamer Abkommen jede Siegermacht große Handlungsfreiheit in ihrer BZ besaß, konnte die SU Ostdeutschland nach ihrer Ideologie neu aufbauen. Schon im Juni 1945 war die Parteienbildung in der SBZ von der SMAD zugelassen worden, doch anstatt diesen Parteien Handlungsfreiheiten einzuräumen, wurden sie am 14.Juli 1945 zum "Block antifaschistisch-demokratischer Parteien" zusammengesetzt und die SPD mit der KPD zu SED am 21.April 1946 vereinigt. In der Landwirtschaft wurden ab September 1945 die Großgrundbesitzer enteignet unter dem Vorwand, dass sie Faschisten seien und ihr Besitz aufgeteilt. Die Kleinbetriebe waren allerdings so unrentabel, dass sie 1952 zu Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) zusammengeschlossen wurden. Auch Banken und Sparkassen wurden zu volkseigenen Betrieben (VEB) umgewandelt. Zusätzlich wurden bis 1948 viele Industrieanlagen demontiert und hohe Reparationsgelder aus laufenden Produktionen genommen. Dies hat der ostdeutschen Wirtschaft dreimal so viel geschadet wie die unmittelbaren Kriegsfolgen. Besonders ab 1948 wurde die SED zur "Partei neuen Typus" umgewandelt. Oppositionelle wurden ausgeschlossen und die Ordnung in der SBZ ganz nach dem "demokratischen Zentralismus" ausgerichtet. Die Führungsgremien durften zwar aus zuvor manipulierten Listen gewählt werden, doch ab dann galten alle Vorgaben und Gesetze dieser Gremien. Hohe Ämter wurden durch Kommunisten (Gruppe Ulbricht wurde im April 1945 aus dem Exil eingeflogen) besetzt und Richter entschieden nach Vorgaben der SED. Auch die Hilfe des 1946 gegründeten FDGB trug zur Ausrichtung nach dem Kommunismus bei. Nach der Gründung der BRD am 23.Mai 1949 verabschiedete am 7.Oktober die Regierung eine Verfassung für die DDR und besiegelte damit die Teilung Deutschlands.

2) Die zu behandelnde Quelle ist ein Dokument der SED und ist 1949 vom SED-Parteivorstand verfasst worden. Aufgenommen wurde dieser Text 1951 in "Dokumente der SED" (Bd.2), doch da der Text zwar nicht vollständig (s. Z.19), aber in der Formulierung unverändert aufgenommen worden ist, handelt es sich um einen Primärtext. Bei dem Dokument scheint es sich um ein öffentliches Dokument zu handeln, welches die ostdeutsche Bevölkerung und besonders die ostdeutschen Lehrer ansprechen soll. Dies ist dadurch zu begründen, dass die Verfasser vermehrt Euphemismen gebrauchen, um ihre Intention zu vermitteln: "[...] Verschärfung des Kampfes um die nationale Einheit und Unabhängigkeit Deutschlands und den Friedensvertrag, die Festigung der demokratischen Ordnung [...] und die nationale Front." (Z.3-7). Gleichzeitig beschuldigen sie jeden Lehrer, der antikommunistisch eingestellt ist, "neofaschistisch, militaristisch, kriegshetzerisch" (Z.16f.) zu sein und fordern, gegen solche "antisowjetische Einflüsse" (Z.18) vorzugehen. Nach Aussage des SED-Parteivorstandes ist es besonders wichtig, die "Jugend zu Kämpfern für die Freiheit Deutschlands, einen gerechten Frieden und für ein friedliches und freundschaftliches Zusammenleben der Völker, insbesondere mit der Sowjetunion" (Z.9-12) zu erziehen. Dies könne nur durch den Kampf der Lehrer und Erzieher gegen alle nationalsozialistischen Einflüsse (vgl. Z.16-19) und "um den Aufbau einer neuen demokratischen Gesellschaft" (Z.30) geschehen. Der Lehrer wird hierzu als "Volkslehrer" (Z.25) bezeichnet, gleichzeitig werden aber als "unerlässliche Voraussetzung für ihre fachliche Qualifikation" (Z.35f.), d.h. für ihre Chancen auf eine Einstellung, ihre politische Bildung (vgl. Z.32f.) und Überzeugung im Sinne des "Marxismus-Leninismus" (Z.40f.) gefordert. Seine Ausbildung "muss in lebendiger Verbindung mit der Schulpraxis und der eigenen gesellschaftlichen Tätigkeit" (Z.44-46) stehen. Interpretierend bedeutet das also, dass nur Lehrer eingestellt werden, die selbst parteitreu sind und die Kinder aus voller Überzeugung heraus zu ebenfalls parteitreuen, vom Kommunismus überzeugten Personen erziehen. 1949 wurde die DDR gegründet und seit 1948 hatte die SED bereits alle Fäden in der Hand. Diese Quelle ist nur ein weiteres Indiz für die Besetzung hoher Ämter durch Kommunisten.

3) In der Quelle befinden sich große Widersprüche. Allein die Formulierung "Kampf um die nationale Einheit" (Z.3) und für den Friedensvertrag finde ich sehr aussagekräftig bezüglich der Intention der Verfasser. Schon aus diesem Satz lässt sich erlesen, dass die SED nicht wirklich hinter einer Zusammenarbeit mit den Westmächten, sondern höchstens hinter einem kommunistischen Gesamtstaat standen. Laut der Verfasser sollte der Kommunismus "Glaubens-, Völker- und Rassenhass" (Z.19) unterbinden. Doch schon in dieser Quelle wird deutlich, dass noch nicht einmal Lehrkräfte zugelassen wurden, die eine andere politische Überzeugung als den Kommunismus besaßen (vgl. Z.35f.). Auch ein zeitgenössischer Leser hätte aus diesen Informationen entnehmen können, dass der Kommunismus und, als ihr Vertreter, die SED keineswegs tolerant waren. Aus der Quelle geht für mich eindeutig hervor, dass jeder Lehrer in der SBZ bzw. in der späteren DDR in der Partei sein musste (vgl. Z.33) und seine Treue und Überzeugung seinen Schülern zu vermitteln hatte. Fachlich besser ausgebildete Lehrer hatten keine Chance auf eine Anstellung und andere Fächer, als für den Kommunismus bedeutsame, traten in den Hintergrund. So sind für mich die Schaffung von menschlichen ,Maschinen' und zugleich Probleme in der Schulbildung absehbar.
Inhalt
In dieser Geschichts-Klausur geht es um die Festigung des Kommunismus nach Vorbild der SU in der SBZ und in der späteren DDR. Die Quelle behandelt hierzu die 1949 erneuerten und unerlässlichen Voraussetzungen eines Lehrers/Erziehers in Ostdeutschland für eine, dem Kommunismus sowjetischer Prägung entsprechende, fachliche Qualifikation. (1121 Wörter)
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07.01.2005 von unbekannt
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