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Ist das sterilisieren von "minderwertigen" Menschen ethisch/

Frage: Ist das sterilisieren von "minderwertigen" Menschen ethisch/
(10 Antworten)


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Wie würde ein Utilitarist auf diese Frage antworten? Ist das sterilisieren von "minderwertigen" Menschen ethisch/ moralisch vertretbar? Mit einer Begründung.
Ich gehe davon das er mit Ja antworten würde, da wenn man einen gegen seinen Willen sterilisiert dann leidet nur die Person, aber am Ende profitiert die Gesellschaft da zum Beispiel die Verbreitung von erblichen Krankheiten, oder ähnliches gestoppt werden kann. Am Ende wäre glaube ich jeder Glücklicher und das entstandene Glück würde das Leid überwiegn. Liege ich damit richtig?
Frage von Tonnespam | am 02.07.2017 - 13:39


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Antwort von matata | 02.07.2017 - 13:55
Was sind denn in deinen Augen minderwertige Menschen? Menschen, die die falsche Religion haben? Menschen, die nicht so schön sind wie du? Menschen, die nicht so intelligent sind wie du? Menschen, die nicht deinen Vorstellungen entsprechen in Bezug auf irgendetwas?

Auf welchem Planeten lebst du denn?

https://de.wikipedia.org/wiki/Sterilisation_(Empf%C3%A4ngnisverh%C3%BCtung)
---> siehe Rechtsgrundlagen

https://de.wikipedia.org/wiki/Zwangssterilisation

http://www.bundesanzeiger-verlag.de/betreuung/wiki/Sterilisation

Und wer soll Entscheidungsinstanz sein?

Fragwürdig ist doch schon die Philosophie des Utilitarismus. Muss alles einen Nutzen haben? Muss alles eine Rendite abwerfen? Darf man alles bewerten in Euro? Kann man das überhaupt?

https://de.wikipedia.org/wiki/Utilitarismus

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/utilitarismus.html

http://www.wissen.de/fremdwort/utilitarismus
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Antwort von Tonnespam | 02.07.2017 - 14:11
@matata die Entscheidungsinstanz ist die Regierung. Man kann ja mit den Utilitarismus bestimmen ob die Handlung der Zwangssterilisation moralisch richtig ist. Aber ich weiß nicht ob ich das Problem richtig angegangen bin.


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Antwort von Tonnespam | 02.07.2017 - 14:27
@n8flug vielen dank für die ausführliche Antwort. Ich tat mir sehr schwer mit der beantwortung der Fragestellung wie ein Utilitarist antworten würde, darum war ich mir auch nicht sicher ob meine Argumentation richtig war. Wie würde Kant bei sowas entscheiden. Nach dem Kategorischen Imperativ werden ja die Folgen nicht beachtet sondern nur die Handlung wird moralisch als gut oder schlecht bewertet. Wäre die Maxime dann: Im Falle das ich "minderwertig" bin muss ich sterilisiert werden. Allg. Gesetz: Alle Menschen die "minderwertig" sind müssen Zwangssterilisiert werden. Folgerung: Wenn alle minderwertigen Menschen sterilisiert werden wird es irgendwann keine minderwertigen Menschen mehr geben um zu sterilisiern. Denkunmöglichkeit.Fazit: Ich darf minderwertige Menschen nicht sterilisieren.

Stimmt das so ?


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Antwort von cleosulz | 02.07.2017 - 15:00
Zunächst einmal vorausgeschickt:
Zwangssterilisation ist eine Körperverletzung und Körperverletzung ist strafbar.
Die Sterilisation von einwilligungsunfähiger Menschen ist in D nicht zulässig.
Und was nicht zulässig ist, darf nicht gemacht werden = ist verboten.

Was ist Sterilisation?
==> ein medizinischer Eingriff, der einen Menschen oder ein Tier unfruchtbar, also unfähig zur Fortpflanzung, macht.
Die Sterilisation des Mannes und der Frau sind zuverlässige Methoden der endgültigen Empfängnisverhütung.

Zu deiner Aufgabenstellung:
Wie würde ein Utilitarist auf diese Frage antworten?
Ist das sterilisieren von "minderwertigen" Menschen ethisch/moralisch vertretbar?

Vereinfacht ist das die Frage, ob man es als vertretbar ansehen kann/darf, dass manche Menschen, die als "minderwertig" angesehen werden (=> nach welchen Vorgaben, wer setzt die Meßlatte und wer entscheidet?) die Möglichkeit genommen wird, sich fortzupflanzen und zwar auf Dauer. (Also nicht die Verabreichung von Medikamenten zur Empfängsnisverhütung wie z.B. einer 3-Monatsspritze usw.)
Und wenn ja, warum und mit welcher Begründung?
Und wie würde ein Itilitarist diese Frage beantworten?

Wenn ich es richtig gelesen habe, gilt in dieser Form der Ethik die Vorstellung, dass etwas zulässig ist, wenn es für das Wohlergehen der Mehrheit von Nutzen ist. Es gilt die Meinung, dass der Mensch und die Natur Ziele und Zwecke verfolgt. Es gibt für alles Tun einen Beweggrund. Inwieweit Recht und Moral hier in einem Verhältnis stehen, sehe ich nicht. Utilitarische Ethik vertritt die Meinung, dass man nur das herbeigeführte Ziel (das Ergebnis) bewerten darf. Dass etwas moralisch in Ordnung ist, solange die Handlung aggregierten Gesamtnutzen, d.h. die Summe des Wohlergehens aller Betroffenen, maximiert.

Zitat:
„Mit dem Prinzip des Nutzens ist jenes Prinzip gemeint, das jede beliebige Handlung gutheißt oder missbilligt entsprechend ihrer Tendenz, das Glück derjenigen Gruppe zu vermehren oder zu vermindern, um deren Interessen es geht […]
Mit ‚Nutzen‘ ist diejenige Eigenschaft an einem Objekt gemeint, wodurch es dazu neigt, Wohlergehen, Vorteil, Freude, Gutes oder Glück zu schaffen.“

Quelle:
https://anthrowiki.at/Utilitarismus

Ziel ist also das höchstmöglichste Glück für die Mehrheit der Menschen.
Meine Frage ist, wie würde dein Utilitarist das "Glücklichsein" begründen?
Das höchstmöglichste Glück wird in diesem Zusammenhang möglichst viele gesunde Menschen gesehen - oder verstehe ich das falsch?
Das bedeutet, dass das Ziel => möglichst nur gesunde Menschen zu gebären anzustreben ist. Dies wird angestrebt mit der Einschränkung, dass nur gesunde Menschen sich fortpflanzen dürfen. Da kranke Menschen der Gemeinschaft schaden (?)
Sei es als Kostenfaktor (sie können der Allgemeinheit nicht dienen, ihre Behandlung kostet Geld, bindet Arbeitskräfte, die anderweitig - z.B. in der Produktion besser eingesetzt werden könnten ......)
Menschen, die krank sind bzw. die an vererbbaren Krankheiten leiden, sollten das Recht auf Fortpflanzung entzogen werden, ja noch weitgreifender: Sie sollten sterilisiert (=> der Möglichkeit sich fortzupflanzen beraubt) werden.
(=> Unabhängig jetzt mal, ob mit Einwilligung oder auch zwangsweise gegen ihre Zustimmung.)

Das waren jetzt ein paar Überlegungen zur Diskussion und zum Gedankenaustausch.
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Antwort von cleosulz | 02.07.2017 - 15:10
Die Rot-Grün-Blindheit zählt übrigens auch zu den Erbkrankheiten.
Zählen dann evtl. auch die Krankheiten dazu, die eine genetische Veranlagung haben?
Ich tue mir schwer bei dem "Ergebnis", das moralisch vertretbar sein soll.
Sind alle (oder der Großteil der Meinschheit) glücklicher, wenn die Vermehrung "minderwertigen Lebens" verhindert wird?
Worin liegt dieses "Glück" oder was ist genau der "Profit der Allgemeinheit"?
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Antwort von cleosulz | 02.07.2017 - 16:15
Noch ein paar Fragen/Denkanstöße:
Sind erbkranken Menschen (alle) minderwertig?
Darf eine Mehrheit zur Durchführung ihres "Glückgefühls" sich über die Menschenwürde einzelner hinwegsetzen? Ist diese weitgehende (und in der Regel unumkehrbare) Maßnahme sittlich gerechtfertigt?
Oder sind wir als Menschen nicht uns selbst gegenüber gehalten? Ist z.B. ein Sterbender in erster Linie bis zu seinem letzten Atemzug ein Mensch oder bereits ab dem Zeitpunkt der Unumkehrbarkeit des Sterbens nur noch ein möglicher "Spender von Organen"?
Spielt nicht letztendlich die Würde des Menschen eine wesentlich höhere Rolle, als dass wir sie zugestehen?
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