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Frauenporträts Renaissance Italien

Frage: Frauenporträts Renaissance Italien
(14 Antworten)


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Welche
Bedeutung/Aussage hat die Hintergrundmalerein in einem Frauenporträt in der italienischen Renaissance? Dunkle, zierlose, einfärbige Wand; Mauern und/oder Gewölbe; Landschaft mit Bergen, Fluss oder See?
Frage von Cecil562002 | am 16.06.2017 - 23:23


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Antwort von cleosulz | 17.06.2017 - 06:30
Meinst du ein bestimmtes Bild oder allgemein?
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Antwort von Kassandra8 | 17.06.2017 - 21:38
Hallo Cecil562002,

Als wesentliches Merkmal der Renaissance gilt die Wiederaufnahme antikischer Verdienste.
Die Künstler setzten sich intensiver mit der Natur auseinander und strebten eine detailgenaue Wiedergabe mit naturalistischer Wirkung an. Allerdings wurden die Motive (insbesondere Menschen) in den Gemälden idealisiert. Die Bebilderung der exakten Wirklichkeit war also nicht Ziel der Künstler. So hat auch die Landschaftsdarstellung, im Hintergrund in Leonardos "Mona Lisa", nicht die Funktion ihre wirkliche Umgebung oder allgemein eine reale Landschaft zu zeigen. Vielmehr geht es um das Aufzeigen der Schönheit italienischer Landschaften. (Viele Maler der Renaissance verwendeten für ihre Bilder Hintergründe mit italienischem Terrain. Italienreisen waren unter den Künstlern populär und wurden, für die Anfertigung von Landschaftsstudien, fast zur Pflicht. Die eigentlichen Gemälde entstanden in den Ateliers, Freilichtmalerei gab es noch nicht. Das weist also nochmal explizit darauf hin, dass die Hintergundlandschaften aus den angeferigten Studien zusammengestellt (komponiert) sind. )
Ebenso bedeutend für die Renaissance war die Wiederentdeckung der Zentralperspektive, wobei der Raum im Bild ,durch die Verbindung von Fluchtpunkten, mathematisch konstruiert wurde( ebenso eine Erkenntnis aus der Antike). Um eine Harmonie im Bild herzustellen war außerdem eine Anordnung der Elemente im Dreieck sehr beliebt. Auch diese kannst du im Bild der Mona Lisa erkennen. Der Kopf bildet über die Ellenbogen und durch die verschränkten Arme/Hände ebenfalls eine Dreieckskomposition.
Ziel der Künstler war es also auch, neben der Darstellung des idealisiert schönen Menschens, eine natürlich schöne Umgebung im Gemälde zu schaffen. Bedenke dabei immer, die Bildmotive haben sich nie wirklich in dieser Umgebung befunden! So werden vermutlich auch Mauern und Gewölbe ein komponierter Raum sein. Dunkle oder einfarbige Hintergründe kann ich mir nur so erklären, dass hierbei der Maler besonders die Schönheit der Frau hervorheben wollte und gegebenenfalls ,um einen Kontrast zur klaren Farbigkeit herzustellen (eher für barocke Gemälde typisch. Eine Einfarbigkeit sollte von daher in Werken aus der Renaissance eher selten vorkommen, da eben genau diese Raumkonstruktion eine entscheidende Rolle spielte).

Ich hoffe, ich konnte dir mit deiner Frage ein wenig helfen.
LG
Kassandra


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Antwort von Cecil562002 | 18.06.2017 - 15:32
Hallo Kassandra, vielen Dank für Deine Antwort! Was mich beschäftigt ist, ob die Entscheidung des Malers (Botticelli, Raffael, Tizian...) für die Hintergrundmalerei des Porträts im direkten Zusammenhang mit z.B. dem status der abgebildeten Frau stand, sei es Wohlstand/Reichtum, Fruchtbarkeit, Macht, Besitztum, Liaison, etc. Oder... war es reine Ästhetik, Zufall, "Mode", dem Wunsch des Auftraggebers entgegen zu kommen, etc.?


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Antwort von Kassandra8 | 18.06.2017 - 16:49
Hallo Cecil562002,
Bei Auftragsportraits aus der Zeit der Renaissance ,kannst du in der Regel davon ausgehen, dass die abgebildeten Personen einen gewissen höheren Stand in der Gesellschaft hatten. Das kannst du ebenso daran erkennen, dass die Person in Prunk gekleidet ist, der auch vom Künstler ,durch das Bemühen um die genaue Ausarbeitung der Stofflichkeiten, angestrebt wird darzustellen. Ich denke das andere ist teils Interpretationssache. Mir zumindest sind dahingehend keine derartig bedeutenden Aussagen bekannt.
Hier http://www.zeit.de/2011/35/Renaissance-Ausstellung-Berlin/seite-2 habe ich gelesen, dass sich allerdings viele Auftraggebende vor dem Fenster, im Sinne des Himmels, malen ließen, "(...)um sich in diesen hineinzuheben". Im selben Artikel ist außerdem angeschnitten, warum sich die Frauen im Profil darstellen ließen. Ein blauer (bevorzugt dunkler) Hintergrund könnte meines Erachtens auch darauf hinweisen, dass eventuell die Absicht bestand, die Jungfräulichkeit der Abgebildeten aufzuzeigen, denn Blau ist die Farbe der Jungfrau Maria. Das würde auch im Verhältnis zum Artikel stehen, in dem es heißt, dass die Gemälde ebenfalls oder hauptsächlich dazu dienten, eine Vermählung zu provozieren.
LG
Kassandra


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Antwort von Cecil562002 | 18.06.2017 - 21:57
Hallo Kassandra, Vielen Dank für Deine Antwort. Dennoch bleibt dann - im o.g. Zusammenhang - die Frage offen, weshalb z.B. Botticelli seine "junge Frau", Portrait of a Young Woman, c. 1475, Tempera on panel, 61 x 40 cm, Galleria Palatina (Palazzo Pitti), Florence.
http://www.wga.hu/support/viewer/z.html
auf so einem kahlen Hintergrund gemalt hat? Weder hat sie ein aufwändiges, kostbares Gewandt an, noch trägt sie Schmuck, (nur ein schwarzes Bändchen um den Hals), noch sind ihre Haare hübsch zusammengeflochten oder -gebunden. Hat das etwas mit ihrem vermeintlichen Stand zu tun? LG, Cecil


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Antwort von matata | 19.06.2017 - 14:20
Diese Frau galt als die schönste Frau von Florenz. Deshalb hat sie Boticelli ohne schmückenden Hintergrund und ohne Nebensächlichkeiten gemalt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Simonetta_Vespucci
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Antwort von Cecil562002 | 19.06.2017 - 16:13
Richtig! Simonetta... wusste ich. Aber, ich bezog mich auf die dritte, abgebildete Frau (von oben nach unten gesehen) auf folgendem link:
https://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/kultur/kunst/expo/botticelli/frauen.htm
Auf diesem link sieht man eindeutig, dass drei von den Frauen entweder vor einem vollkommen dunkelbraunem, oder, auf einem rechteckigen braun-blauem Hintergrund abgebildet sind. Die zweite (von oben nach unten gesehen) jedoch vor einer detaillierten tiefen Hintergrundmalerei steht.
Welches ist der Grund weshalb sich Boticelli, o.a. Maler der Zeit, für den einen oder anderen Hintergrund entschlossen hat/haben? Es muss doch einen zusätzlichen Auslöser als "nur" sozialer Stand und Reichtum
gegeben haben?


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Antwort von matata | 19.06.2017 - 17:04
http://www.wga.hu/frames-e.html?/html/b/botticel/7portrai/03youngw.html

Nach diesem Artikel weiss man nicht einmal genau, wen das Bild darstellt. Such nach den im obigen Link angegebenen Personen, informiere dich, in welcher Beziehung sie zu Boticelli oder den Medici stand, vielleicht wirst du dann schlauer...
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Antwort von Cecil562002 | 19.06.2017 - 17:24
Vielen Dank. Richtig. Nein, bin nicht schlauer geworden. Zurückommend auf das Städel-Museum Frankfurt link: drei dieser jungen Frauen sind auf fast gleichem monotonen Hintergrund gemalt, so auch beide dort abgebildeten Männerporträts:
https://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/kultur/kunst/expo/botticelli/maenner.htm
Die Medici waren bekanntermassen sehr wohlhabend, über Michael Marullus Tarchaniota sind die Informationen nicht ausreichend, was seine Finanzen anbelangt. Dennoch sind beide Männer auf eintönigem Hintergrund abgebildet. Gibt es dafür eine Erklärung?


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Antwort von Kassandra8 | 19.06.2017 - 22:30
Hallo Cecil562002,
Also, bezüglich des dritten Frauenbildes von oben, in deinem Link, muss ich dir Recht geben. Sie sieht nicht sehr ständisch hoch gestellt aus, stattdessen eher Bürgerlich. Da es für die Zeit der Renaissance aber eher unüblich ist, das Bürgertum als Auftragsgeber identifizieren zu können (das kam erst im Barock und als erstes in den Niederlanden auf), bleibt hierbei nur die Vermutung eines Gemäldes, welches nicht unter "Auftrag " entstand. Die Frauen sind ,im Fall der dritten und letzten, vor einem Fenster, wie oben erwähnt, gemalt worden. Bei der ersten wirkt der Hintergrund hingegen künstlich geschaffen. Die Lichtquelle im Bild befindet sich eindeutig rechts oben. Selbst wenn der sie umgebende Raum sehr dunkel gewesen sein sollte, wäre trotzdessen eine gewisse, wenn auch unregelmäßige, Lichtverteilung zu erkennen gewesen. Auch hier kann ich nur eine Vermutung anstellen, die aufgrund des Titels "Weibliches Idealbild" , darauf hinausläuft, dass es Botticellis Ziel war, das Ideal so herauszuheben, dass wohlmöglich ein ebenso "ideal" ausgearbeiteter Hintergrund in Konkurrenz ,über die Schönheit ( Leitbegriff) , mit dem eigentlichen Ideal gestanden hätte. Da aber die hohe Idealität der Frau die Aussage ist, musste der Hintergrund wohl weichen ,quasi "zurückstecken".
Letztendlich ist die zweite Frau eine Allegorie, also ein Sinnbild für etwas (wie auch beispielsweise Botticellis bekannte "Geburt der Venus"), das gleichzeitig auf die abgebildete Landschaft bezogen werden kann. Ich denke, sie steht höchstwahrscheinlich, wegen ihrer Barbusigkeit, für Fruchtbarkeit oder neues Leben. Inwiefern das in der Landschaft aufgegriffen wurde, ist wieder Sache der Interpretation.
LG
Kassandra


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Antwort von Cecil562002 | 20.06.2017 - 20:03
Hallo Kassandra, kann schon sein, dass sich Botticelli bei der zweiten Frau (von oben nach unten) wegen des Allegorischen... einen anderen Hintergrund ausgedacht hat. Wie erklären wir dann aber z.B. Raffaels Maddalena Strozzi Doni und Tizians 2. Isabella von Portugal (9 Jahre nach ihrem Tod gemalt, mit rosa, nicht schwarzem Kleid), die beide vor einem landschaftlichen Hintergrund abgebidet sind? (Isabella allerdings vor einem Fenster). Und da Vincis Gioconda? Alle vier Frauen sind/waren keine Allegorien.
Des weiteren, warum sind dann beide Männer auf dem monotonen Hintergrund gemalt?
https://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/kultur/kunst/expo/botticelli/maenner.htm
(Städel-Museum Frankfurt)
Waren die etwa männliche Schönheitsideale?
Es MUSS doch irgend einen stichhaltigen Grund für diese so unterschiedlichen Hintergründe geben.... oder nicht?


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Antwort von matata | 20.06.2017 - 21:04
Das könnte sein, dass es einen Grund gibt dafür. Es könnte aber genau so gut sein, dass der Künstler nach Lust und Laune gemalt hat und keine Gedanken daran verschwendet hat, wie seine Nachwelt seine Bilder / Hintergründe interpretiert.
Man kann auch zu weit suchen. Und das tust du nach meiner Ansicht.
Und fang nicht dauernd neue Threads an mit dem alten Thema. Das wird so unübersichtlich, dass am Schluss niemand mehr weiss, welche Antworten du überhaupt bekommen hast auf deine Frage...
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Antwort von Kassandra8 | 21.06.2017 - 09:45
Hallo Cecil562002,
Die Landschaft in Bild zwei: nicht wegen der Allegorie der Figur, sondern die Landschaft steht im Bezug zur Figur, sie untermalt den Inhalt der Aussage dieser. Zum Thema komponierte italienische Landschaft und Fenster, habe ich in einem der anderen Beiträge schon Auskunft gegeben.
Rosa anstatt Schwarz: nun ja, man sollte wirklich in die Kleidung, insbesondere Farbe dieser Motive, nicht so viel hineindenken. Wie schon oben genannt, war es den Künstlern sehr wichtig, die Stoffe auszuarbeiten, sodass Unterschiede der Stofflichkeiten sichtbar werden. Rosa hatte in der Renaissance keine heraustretende Bedeutung, war aber allgemein bis in die 1950er Männer Farbe. Schwarz kann Trauer und Würde bedeuten, wurde aber zu dieser Zeit auch sehr mit negativen Eigenschaften und dem Teufel in Verbindung gebracht. Des weiteren können namenhafte Personen keine Allegorien sein, denn Allegorie bedeutet einen abstrakten Sachverhalt , wie in etwa "Fruchtbarkeit" durch etwas Konkretes darzustellen. Personen verkörpern aber ihre eigene Konkretheit und können als diese somit keinen Zustand konkretisieren.
Ich muss auch hierbei matata Recht geben, unsere Dozenten würden das auch "zu Tode interpretieren "nennen. In der Portraitmalerei, insbesondere in der Renaissance gibt es nun einmal die drei Varianten: Hintergrund als komponierte Landschaft, Fenster oder realer Raum (quasi Holz usw.)
Ich finde es aber sehr bemerkenswert, dass du so interessiert an der Kunst und ihrer Geschichte bist. Ich empfehle dir ein Studium in Kunstgeschichte, vielleicht findest du dort einmal die Antworten auf alle deine Fragen.
LG
Kassandra


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Antwort von Cecil562002 | 21.06.2017 - 14:04
Einverstanden. Ich bin dabei, meinen 2. Magister zu machen. Ich lebe in Chile, der Magister heisst hier "Estudios de la Imagen" und ist ein Mittelding zwischen Bildwissenschaft und visual studies (USA).
OK. Beenden wir das Thema, es ist wohl "zu Tode interpretiert" worden. Ich mache mir allerdings immer noch Gedanken über den Grund der Entscheidung der Renaissance Maler: warum den einen, nicht den anderen Hintergrund?
Vielen Dank für Deinen guten Willen und Deine ausführlichen Erklärungen.

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