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Erörterung: Wir sind die am Besten informierte und gleichzeitig ahnungsloseste Gesellschaft

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Deutsch-LK: Eröterung "„Wir sind die am Besten informierte und gleichzeitig ahnungsloseste Gesellschaft, die es je gegeben hat“"


-Erörterung-

Auf jeden von uns strömen täglich tausende von Informationen ein: Die Ikea- Werbung verspricht uns Preise wie vor 30 Jahren, die nette Hintergrund Stimme bei der Sendung mit der Maus erklärt uns, wie die Löcher in den Käse kommen, während uns die Bundesagentur für Arbeit auf riesigen Plakaten mit den neuesten Arbeitsmarktreformen vertraut machen möchte.

So scheint also der inzwischen recht gängige Begriff „Informationsflut“ in der heutigen Gesellschaft angebracht. Trotzdem wird gerade heute vermehrt festgestellt, dass es vielen, besonders jungen Menschen, die bereits mit den modernsten Medien aufgewachsen sind, an grundsätzlichem Wissen und Basis-Verständnis mangelt. Im Folgenden möchte ich dieses Phänomen der bestens informierten aber trotzdem ahnungslosen Gesellschaft erörtern.

Versucht man die Begriffe „ (nicht) informiert“ und „ahnungslos“ zu definieren, wird ein Unterschied zwischen beiden klar. Informiert bedeutet, Zugang zu Informationsquellen zu haben und diesen auch zu nutzen, während man „ahnungslos“ als einen Zustand des etwas nicht Verstehens, Nicht Durchblickens bezeichnen könnte. Es muss also zwischen „nicht informiert“ und „ahnungslos“ sein differenziert werden. Ahnungslos kann man demnach auch sein, wenn man sich informiert hat, diese Informationen jedoch falsch einschätzt beziehungsweise nicht versteht.

Für den ersten Teil der These, die besagt, dass wir in einer der bestinformierten Gesellschaften, die es in der Geschichte der Welt je gegeben hat, leben, gibt es einige stützende Argumente.
Zunächst muss bemerkt werden, dass die Pressefreiheit, die es erst seit dem Ende des zweiten Weltkrieges in dieser sehr ausgeprägten Form gibt, viel zu unserer allgemeinen Information beigetragen hat. Heute ist es der Presse möglich unvoreingenommen, unabhängig und unzensiert auch über heikle Themen Bericht zu erstatten. Die Medien ermöglichen uns so durch aufwändige Recherchen und Enthüllungsaktionen den Zugang zu Informationen, beispielsweise in der Politik, die früher völlig unentdeckt blieben beziehungsweise durch Zensur nicht publiziert werden durften.

Jeder in unserem Land hat die Möglichkeit zu informieren- und dies in einem Rahmen, der früher völlig unvorstellbar gewesen wäre. Wir können unsere Leserbriefe in Zeitungen veröffentlichen, frei Flugblätter verteilen oder Internetseiten erstellen, auf denen wir über ein beliebiges Thema informieren.
Durch unsere liberale Gesellschaft, die Meinungen verschiedenster Art toleriert und Meinungs- und Pressefreiheit propagiert, ist ganz automatisch mehr Information im Umlauf als in Systemen, in denen jegliche öffentliche Information vom Staat beeinflusst wird und freie Berichtserstattung mit polizeilicher Verfolgung geahndet wird, wie es bei uns zu Zeiten des 3. Reichs oder im kommunistischen System der

Zieht man in Betracht, wie schnell es uns inzwischen möglich ist, an Informationen aller Art zu gelangen, scheint die Bezeichnung unserer Gesellschaft als „bestens informiert“ gerechtfertigt. Wo man sich auch befinden mag, durch neueste Technologien ist es fast immer möglich informiert zu bleiben. Selbst wenn weder Zeitung noch Radio zur Hand sind- Informationen von Sport über Wirtschaft zu Politik sind heutzutage bequem per Handy- SMS- Service, den alle gängigen Netzbetreiber anbieten, abzurufen: in sekundenschnelle erscheinen aktuelle Informationen auf dem Bildschirm.

Auch im Fernsehen muss man nicht mehr, wie früher, warten, bis die nächste Nachrichtensendung ausgestrahlt wird , per Videotext erfährt man alle Neuigkeiten auf einen Blick. In Berlin reicht es bereits, U- Bahn zu fahren, wo über Bildschirm die Meldungen des Tages, übertragen werden.

Vorreiter auf dem Gebiet der schnellsten Informationen ist jedoch sicherlich das Internet. So konnte man die Tageszeitung bereits gestern auf der entsprechenden Homepage im Netz finden und Internet- Anbieter wie freenet oder lycos stellen einen Newsticker zur Verfügung, der Wichtiges binnen Sekunden verbreiten kann.

Zudem ist auch die gezielte Informationsrecherche durch das Internet stark vereinfacht worden. Wollte man sich früher auf bestimmten Gebieten weiterbilden, musste man meist in der nächsten Bibliothek Fachliteratur zum Thema ausleihen. Das Internet hingegen bietet sehr schnell kompakte und aktuelle Informationen zu allen erdenklichen Themen, die von Schwangerenberatung bis zu regionalen Kegelvereinen reichen. Diese zu nutzen ist wesentlich bequemer und weniger umständlich als der Weg zur Bibliothek.

Außerdem sprengt die eben beschriebene Informationsfülle des Internets den Rahmen einer Bibliothek in jeder Hinsicht, was verdeutlicht, wie sehr sich auch der Umfang unserer Informationsquellen verändert hat und zu somit prinzipiell zu einer gut informierten Gesellschaft beitragen könnte. Nicht nur im Medium Internet ist die Fülle der Informationen auffällig, ein sehr weites Spektrum an Fachgebieten deckt heute auch das Fernsehen ab. Allein durch die Existenz dieses Mediums ist weitaus mehr Information möglich als vorher. Hinzu kommt, dass sich das Fernsehen in Technik und Umfang immer weiter entwickelt hat. Gab es noch vor 30 Jahren nur 3 Sender, hat sich diese Zahl in den letzten Jahren verzehnfacht. Neben den öffentlichen und privaten Sendern gibt es mehrere Programme, die sich ausschließlich bestimmten Themengebieten wie Sport, Musik, Kultur oder Wirtschaft widmen oder Sender, die ununterbrochen Nachrichten ausstrahlen. Erwähnenswert ist zudem, dass früher für Fernsehübertragungen das lokale Wirtshaus besucht werden musste, während in der heutigen Zeit in fast jedem Haushalt mehr als ein Fernseher vorhanden ist.

Ebenso zugenommen hat die Fülle von Zeitschriften und Zeitungen. Neben der aktuellen Tagespresse gibt es unzählige Wochen- und Monatszeitungen, zugeschnitten auf verschiedene Zielgruppen und Fachgebiete. Von der Universität Augsburg werden allein 36 theologische Fachzeitschriften abonniert. Dass es neben diesen noch viel mehr allein auf dem Gebiet der Theologie gibt, unterstreicht, wie viele Informationen monatlich von Journalisten recherchiert und verbreitet werden. Zudem haben wir Zugriff zu den wichtigsten Periodika aller Länder der Welt. Nicht nur englisch- und französischsprachige Zeitungen finden sich im Bahnhofkiosk, sogar aktuelle asiatische und arabische Literatur ist verfügbar.

Betrachtet man diese Fakten, wird schnell deutlich, dass bisher keiner Gesellschaft so vielfältige Möglichkeiten zur Information zur Verfügung standen, was den ersten Teil des Zitats „Wir sind die am Besten informierte und gleichzeitig ahnungsloseste Gesellschaft, die es je gegeben hat“ rechtfertigt.
Der zweite Teil der These impliziert die Frage, wie unsere Gesellschaft mit dieser Fülle an unterschiedlichsten Informationen umzugehen vermag. Der Mensch, der diesen Satz aussprach, ist offenbar der Meinung, allein der möglichst simple Zugang zu möglichst vielen Informationen reiche nicht aus, dass der Mensch versteht was um ihn vor
geht. Deshalb möchte ich im anschließenden Teil ausführen, weshalb unsere Gesellschaft, trotz dem eben beschriebenen umfangreichen Einfluss von Informationen auch als ahnungslos gelten kann.

Zum Einen muss zugegeben werden, dass es heutzutage weitaus schwieriger ist, zu verstehen, was um uns herum passiert, ist unsere Lebenswelt doch im letzten Jahrhundert um ein Vielfaches komplizierter und komplexer geworden. Früher war es einfacher, die begrenzte Umgebung, mit der man zu tun hatte, aufzuschlüsseln. Viele Dinge, die uns heute zwar tag täglich beeinflussen, sei es Atomkraft oder die Organisation der Europäischen Union, sind für einen etwas einfacheren Bürger nicht zu verstehen. Sicherlich gäbe es, wie im ersten Teil der Erörterung analysiert, theoretisch genügend Möglichkeiten, Informationen hierüber zu bekommen, kein Mensch kann jedoch eine Herzoperation verstehen, dazu handwerklich versiert sein und gleichzeitig die Kultur der Sioux explizit erklären. So muss der moderne Mensch akzeptieren, dass um ihn herum sehr viele Phänomene passieren, die er niemals alle wahrnehmen oder verstehen kann und somit auch ahnungslos gegenüber deren Risiken oder Chancen sein wird.

Hinzu kommt, dass der Mensch von heute mit dem Problem konfrontiert wird, aus einer Fülle von Informationen das Richtige auswählen zu müssen. Das reichhaltige Angebot beinhaltet nicht immer nur wertvolle Informationen, oft vermitteln gerade die Quellen, die weniger Gebildete nutzen ein gefährliches Teilwissen. Gezielt werden Bruchstücke von Informationen gestreut, die Erklärung dieser bleibt jedoch aus. So war in einer der letzten Ausgaben des Magazins „Spiegel“ zu lesen, dass einfachere Menschen, die sich an den Demonstrationen gegen die Arbeitsmarktreform „Hartz IV“ aktiv beteiligten, gefragt wurden, was genau sie an dieser Reform störe, beziehungsweise welchen Inhalt die Reformen haben werden. Diese Menschen, die sich laut Spiegel vornehmlich über die populistische Bild Zeitung informierten, hatten teilweise keine Ahnung um was es sich bei Hartz IV handeln wird. Dadurch, dass beispielsweise die Tatsache, dass Ersparnisse nur noch bis zu einem bestimmten Betrag zulässig sind, diesen Menschen durch die von ihnen konsumierten Medien nicht näher erklärt wird, werden teilweise völlig falsche Ansichten provoziert: Die Menschen kommen zu dem Schluss, man wolle ihre Existenz bedrohen. Es wird deutlich, dass solche bruchstückhaften Meldungen die bei den Leuten, die meinen sie könnten sich hierdurch informieren, Gegenteiliges bewirken und verwirren.

Noch verheerender sind die Möglichkeiten, die neue Medien wie das Internet für verfassungswidrige Strömungen bietet. In dieser Fülle von Informationen gehen gefährliche Publikationen unter und können nur noch schwer kontrolliert werden. So verbreitet sich die rechtsextreme Szene fast ausschließlich über das Netz.
Es besteht also heutzutage eine ganz immense Gefahr, dass Menschen durch solche einseitigen, fremdenfeindlichen Informationen beeinflusst und fehlgeleitet werden.

Das größte Problem, das gerade Jugendliche beschäftigt, ist jedoch aus einer Fülle von unwichtigen Informationen Essentielles herauszufiltern. Jugendsender wie MTV oder zahlreiche Jugendzeitschriften suggerieren den Jugendlichen, informiert sein bedeute, die neuesten Schminktipps zu kennen, das neue Album der Pop- Band zu kaufen oder die Biographie eines besonders angesagten Schauspielers auswendig zu wissen. Die Jugendlichen werden so regelrecht zu einer ahnungslosen Generation herangezogen. Zwar sind sie was Prominente und Stars betrifft bestens informiert, wie PISA zeigte mangelt es ihnen dafür an grundsätzlichen Fertigkeiten wie Lesen oder Prozentrechnen. Die Fernsehsendung „TV Total“ führte vor der letzten Bundestagswahl einen so genannten „Erstwählercheck“ durch. Hier wurden jene jungen Menschen auf ihr Basis- Wissen bezüglich Politik untersucht, die kurz darauf zum ersten Mal wählen gehen sollten. Ein Großteil von ihnen konnte nicht sagen, was die Abkürzung „CDU“ bedeutet, jeder von ihnen hingegen wusste sofort, dass die Buchstaben „GZSZ“ für die Seifenoper „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ stehen.

Alles in Allem muss also gesagt werde, dass uns heutzutage zwar sehr vielfältige und auch unterschiedliche Informationsquellen zur Verfügung stehen, dass wir sogar regelrecht von Informationen überschüttet werden. Dies birgt jedoch, wie im zweiten Teil erörtert, auch Gefahren mit sich. Es wird deutlich, dass wir den Umgang mit dem uns offen stehenden Informationsangebot besser lernen müssen.

Dies bedeutet auf der einen Seite, dass wir uns eingestehen müssen, von den meisten Dingen zunächst nicht mehr als Grundkenntnisse zu haben, was uns noch nicht befugt, über diese Sachverhalte ein kompetentes Urteil zu fällen. Wer dies tun möchte, beispielsweise Politiker kritisieren will, hat zunächst die Aufgabe, die ihm zur Verfügung stehenden Quellen zur Information zu nützen um sich ein Gesamtbild der Situation zu erstellen.

Zum anderen muss ein kluger Umgang mit den Medien gelehrt werden und vor der Gefährlichkeit mancher Informationen gewarnt werden. Hierzu gehört sicherlich, gerade für die Gesellschaft von morgen, die Jugendlichen, relevante Informationen attraktiver zu machen. Wenn sich Musiksender zunehmend politischen Themen widmen und die Jugendlichen schrittweise erkennen, dass Ahnung haben wichtig ist, um mitreden zu können, selbstständig zu sein und eigene Entscheidungen fällen zu können, wird unsere Gesellschaft übermorgen möglicherweise weniger ahnungslos erscheinen.
Inhalt
Sehr ausführliche und gelungene Erörterung zum Thema "Wir sind die am Besten informierte und gleichzeitig ahnungsloseste Gesellschaft, die es jemals gegeben hat", die vor einigen Jahren im Grundkurs/LEISTUNGSKURS Abitur gestellt war. Es ist ein Diskurs über die heutige, von Medien und Informationen überflutete Gesellschaft. Die Arbeit befasst sich zusätzlich mit der Frage, warum trotzdem oder gerade so viele Jugendliche ahnungslos sind (PISA Debakel, Politikverdrossenheit, etc.). (1740 Wörter)
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16.09.2004 von unbekannt
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