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Gedichtsanalyse: Abendlich schon rauscht der Wald Korrektur

Frage: Gedichtsanalyse: Abendlich schon rauscht der Wald Korrektur
(3 Antworten)


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Beiträge 2
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Hallo, könnt ihr mal schauen ob das richtig ist? Verbesserungsvorschläge, Kritik, etc.?
Danke!



Gedicht:

http://gutenberg.spiegel.de/buch/joseph-von-eichendorff-gedichte-4294/91
//Bitte in Zukunft nur den Link zum Gedicht posten, da keine Texte ohne Quelle übernommen werden dürfen -> Urheberrechtsverletzung 

Das romantische Gedicht ,,Abendlich schon rauscht der Wald‘‘ wurde von Joseph von Eichendorff verfasst und thematisiert die Natur und die Sehnsucht nach Ruhe, Geborgenheit und einem Zuhause.

Das Gedicht besteht aus zwei Sextetten. Das Metrum ist durchgängig der Trochäus, was dem Gedicht eine schwere und träge Stimmung verleiht. Das Reimschema ist ababba. 
Das lyrische Ich befindet sich während der gesamten Handlung in einem Wald. Es ist außerdem Abend. In der ersten Strophe wird der Wald beschrieben. Er gibt leise Rauschgeräusche von sich. Bald werden Sterne am Himmel zu sehen sein. In der zweiten Strophe wird ein Wanderer erwähnt, der den abendlichen Geräuschen etwas verängstigt zuhört. Wald und Welt scheinen um ihn herum zu verschwinden und Heimweh kommt im Wanderer auf. Das lyrische Ich befiehlt seinem Herzen, endlich zur Ruhe zu kommen.

In der ersten Strophe ist der Modus der Indikativ und der Tempus das Präsens. Dies deutet daraufhin, dass die Realität beschrieben wird. Die Metapher in den Versen 3 und 4 geben der Strophe etwas kindliches, naives: Das naturwissenschaftliche Phänomen der Sterne wird religiös verbildlicht: Gott zündet an den Sternen, als wären sie Kerzen. Weiterhin findet sich in Vers 5 ein Vergleich: ,,Wie so stille…‘‘. Dieser verdeutlicht nochmal den ruhigen Charakter des Waldes am Abend. Eine sehr wichtige Auffälligkeit ist die Wiederholung des ersten Verses am Ende der Strophe, mit einem einzigen Unterschied: Statt ,,schon‘‘ sagt das lyrische Ich ,,nur.‘‘ Im ersten Vers wird also gezeigt, dass es schon Abend ist und im letzten Vers wird verdeutlicht, dass der Wald sehr ruhig ist, und ,,nur‘‘ abendlich rauscht. Diese beiden Verse werden als Rahmenverse bezeichnet, sie bilden quasi eine Klammer um das Geschehen. Durch Wörter wie abendlich, tiefsten und stille wird ein harmonisches, friedliches, aber auch geheimnisvolles Bild der Natur illustriert.

In der zweiten Strophe wird ebenfalls durchgehend der Indikativ im Präsens verwendet. Im ersten Vers wird ,,alles‘‘ personifiziert, als wären die Natur und die Welt Menschen, die zu ihrer Ruhe gehen. Dies führt zu einer übertragenen Belebung der Natur. Durch die Alliteration ,,Wald und Welt‘‘ wird gezeigt, dass diese beiden Wörter zusammengehören. Der erste Vers der zweiten Strophe steht in Kontrast mit dem ersten Vers der ersten Strophe. Denn es wird alles ruhig, während im ersten Vers der ersten Strophe beschrieben wird, dass der Wald anfängt zu rauschen. Dass Wald und Welt aufhören zu sausen, deutet daraufhin, dass es mittlerweile Nacht geworden ist. Auch hier bilden der erste und der zweite Vers eine Klammer um das Geschehen, allerdings unter ganz anderen Vorzeichen. Während im ersten Vers die Natur beschrieben wird, die zur Ruhe kommt, befiehlt das lyrische Ich nun seinem Herzen, zur Ruhe zu kommen. 

Durch dieses Gedicht will Eichendorff verdeutlichen, dass man in der Natur seine innere Ruhe und Einheit finden kann. Das romantische Denken entwickelte sich in einer Zeit politischer Krisen, Kriege und Umbrüche; politische Ungewissheit und die Erfahrung der Zersplitterung Deutschlands nach 1806 und 1815 waren vorherrschend, weshalb solche idealistischen Harmonieentwürfe für viele junge Intellektuelle dieser Zeit attraktiv wurden. Auch der Bezug zu Gott (in Vers 3) ist typisch vor allem für die Spätromantik. Die romantischen Dichter lehnten sich gegen das rationale Gedankengut der Aufklärung, die Gott durch den Menschenverstand ersetzt, auf. Auch das romantische Gedicht ,,Mondnacht‘‘ von Eichendorff thematisiert die Natur sowie die Sehnsucht nach einem Zuhause. In Mondnacht entfaltet sich die Seele allerdings und fliegt metaphorisch in höher gestellte Ebenen, während die Seele in ,,Abendlich schon rauscht der Wald‘‘ eher zur Ruhe kommt. Motive wie Haus, Herz, Sternlein, Ruhe und Wald sind typisch für die Romantik. Alles in allem kann man sagen, dass ,,Abendlich schon rauscht der Wald‘‘ ein typisch romantisches Gedicht ist, dass die Natur mit der Sehnsucht nach Ruhe verbindet.
Frage von Hanna169 | am 25.11.2014 - 15:45


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Antwort von Banchy-Bayern14champ | 25.11.2014 - 17:40
Ich
finde das so gut! Fast sehr gut! Du hast viel geschrieben und deutlich analysiert! Das kommt schon bei deinem Lehrer gut an!


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Antwort von LsD | 15.10.2017 - 20:04
Über das Support-Formular hat uns heute folgender Verbesserungsvorschlag von Hans-Jürg S. aus der Schweiz erreicht:

Korrektur in der Gedichtanalyse »Abendlich schon rauscht der Wald«:
Alinea 3, Zeile 6: "Gott zündet an die Sterne" oder "Gott zündet die Sterne an"
Akkusativ!
(Im 1. Sextett Zeile 4 hebt Eichendorff das Wörtchen "An" durch Voranstellung hervor, belässt jedoch korrekterweise "die Sterne" im Akkusativ)
________________________
 e-Hausaufgaben.de - Team


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Antwort von Ritchy (ehem. Mitglied) | 16.10.2017 - 12:03
Also ich finde die Gedichtanalyse echt sehr gut. Ich habe das Gedicht nicht gelesen, kann mir nun aber etwas darunter vorstellen. Es zeugt von hohem Fachwissen und gutem Einfühlungsvermögen. Vielleicht solltest Du keinen Satz mit "Dass" anfangen, sondern besser mit "Weil", ist aber eher auch nur Geschmacksache nach der liberalen Rechtschreibereform.
Also weiterhin viel Erfolg und viel Spass beim Sammeln der Einser.
Gedichte kannste echt gut interpretieren, deshalb solltest Du auch mal welche schreiben. Ein Beruf, der zu Dir passen würde, könnte ja Theaterregiesseurin sein.

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