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Bertolt Brecht - Weise am Weisen ist die Haltung (Analyse)

Frage: Bertolt Brecht - Weise am Weisen ist die Haltung (Analyse)
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Ich habe diesmal eine Analyse zu der Parabel "Weise am Weisen ist die Haltung" von Bertolt Brecht verfasst. Hier ist die Parabel:


"Weise am Weisen ist die Haltung

Zu Herrn K. kam ein Philosophieprofessor und erzählte ihm von seiner Weisheit. Nach einer Weile sagte Herr K. zu ihm:"Du sitzt unbequem, du redest unbequem, du denkst unbequem." Der Philosophieprofessor wurde zornig und sagte:"Nicht über mich wollte ich etwas wissen, sondern über den Inhalt dessen , was ich sagte." "Es hat keinen Inhalt", sagte Herr K. "Ich sehe dich läppisch gehen, und es ist kein Ziel, das dur , während ich dich gehen sehe, erreichst. Du redest dunkel, und es ist keine Helle, die du während des Redens schaffst. Sehend deine Haltung, interessiert mich dein Ziel nicht."

und meine Analyse:

In der Parabel "Weise am Weisen ist die Haltung" von Bertolt Brecht, die 1930 veröffentlicht wurde, wird die Kritik von Herrn K. an einen Philosophieprofessor über seine Weisheit dargestellt. Der Philosophieprofessor erläutert Herrn K. über seine eigene Weisheit. Herr K. unterbricht seine Worte und sagt, dass er das Reden,Denken und Sitzen des Philosophieprofessors unbequem finde. Der Professor ärgert sich und will, dass Herr K. nicht über ihn, sondern über den Inhalt seiner Worte spreche. Herr K behauptet, dass die Worte des Professors keinen Inhalt hätten und hebt hervor, dass er kein Ziel erreichen könne, während er ihn gehen sehe. Weiterhin erklärt er, dass der Professor dunkel rede und sein Ziel ihn nicht interessiere.

Diese Parabel ist durch Metaphern geprägt, die dem Leser ermöglichen, die in der Bildebene abgeschränkten Aussagen in eine weitere Ebene zu übertragen und dadurch einen noch allgemeineren, endgültigen Deutungsansatz zu finden. Die Parabel beginnt mit der Erzählung des Professors über seine Weisheit. Durch sein Job und seine Weisheit wird der Professor dem Leser als überlegener Charakter vorgestellt. Die weisen Menschen haben im Allgemeinen eine führende Rolle. In diesem Sinne verknüpft man die Überlegenheit und die Weisheit miteinander, wodurch die Lage der Charaktere zueinander bedeutsam wird. Herr K endet mit seinen Worten in Zeile 3-5 die Überlegenheit von dem Professor, in dem er dem Professor mit "du" anspricht und seine Kritik an ihn über die Art und Weise seines Denkens und Redens deutlich darstellt. Durch die Verwendung des Adverbs "unbequem" (Z.4) verweist Herr K darauf, dass der Professor sich während des Redens, Sitzens und Denkens nicht so wohl fühlt, wodurch Herr K hervorhebt, dass der Professor sich nicht wie ein Weiser verhält und die Weisheit ihm lastet. Als angeblicher Weiser will der Professor die Überlegenheit zurückgewinnen. Aus diesem Grund erklärt er, dass er nicht über sich, sondern über den Inhalt seiner Worte etwas erfahren wolle. Mit diesen Worten unterstreicht er indirekt, dass seine Weisheit mit sich selbst nichts zu tun hat, sondern mit seinen Worten, durch welche er sein gedankliches Reichtum zu den anderen überträgt. An dieser Stelle bemerkt man den Widerspruch zwischen seinem Verhalten und seinen Worten. Der Professor spricht vom Anfang an über seine Weisheit, bzw. über sich selbst und will jetzt nicht mehr von sich selbst reden erzählen, sondern über seine Weisheit. Herr K bemerkt diesen Widerspruch und hebt hervor, dass die Worte vom Professor seine Weisheit nicht reflektieren und sich nur von dem Professor handeln, indem er sagt: Es hat keinen Inhalt.(Z.8) Durch die Metapher "täppisch gehen"(Z.9) stellt er dem Leser noch einmal seine Kritik an den Professor über seine Haltung vor. Er meint damit, dass der Professor versucht, sich als ein weiser mann vorzustellen, indem er von seiner Weisheit erzählt. Aber, der Professor kann mit einer solchen Haltung sein Ziel(Z.10) nicht erreichen, dass er ein wahrer Weiser wird. Die Art und Weise des Redens des Professors bewertet Herr K als "dunkel"(Z.11), wodurch er betont, dass die Worte des Professors andere Leute nicht aufklären, bzw. "keine Helle"(Z.12) schaffen. Die Parabel endet mit den Worten von Herrn K, dass er sich für das Ziel des Professors unter Berücksichtigung auf sein Verhalten nicht interessiere. Diese Worte von ihm sind wie eine Zusammenfassung des ganzen Textes. Das große Bestreben des Professors, ein Weiser zu werden, verhindert, dass er sieht, dass die wahre Weisheit nicht an den Worten liegt, sondern an der Haltung.

Diese Parabel von Bertolt Brecht lässt sich deutlich erkennen, dass die wahre Weisheit eines Weisen an seiner weisen Haltung liegt. Diejenigen, die die wahre Bedeutung der Weisheit nicht kennen, wie der Philosophieprofessor können kein Weiser werden. Sie können den anderen Menschen nichts übertragen. Was sie machen, ist zu sich selbst gerichtet. Aber, ein Weiser redet und denkt für sich selbst und die anderen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein wahrer Weiser nicht durch seine Worte erkennbar ist, sondern durch seine Haltung.
Frage von umut92 (ehem. Mitglied) | am 31.01.2011 - 14:35


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Antwort von umut92 (ehem. Mitglied) | 31.01.2011 - 19:36
hey,
ist meine analyse wirklich so schlecht?

 
Antwort von GAST | 01.02.2011 - 13:46
Zitat:
Diese Parabel von Bertolt Brecht lässt sich deutlich erkennen, dass die wahre Weisheit eines Weisen an seiner weisen Haltung liegt. Diejenigen, die die wahre Bedeutung der Weisheit nicht kennen, wie der Philosophieprofessor können kein Weiser werden.


Ich sehe das so: Der Text ist nicht vom Himmel gefallen. Du analysierst ihn, als wäre er von Gott gegeben und immerwährend wahr.

Aber diese Parabel hat nur ein Mensch geschrieben: Berthold Brecht, in seiner Zeit und in seinem Denken verhaftet.

Man könnte frei mit ihm herumspielen. Etwa so:

Zitat:
Zu Herrn K. kam ein Philosophieprofessor und erzählte ihm von seiner Weisheit. Nach einer Weile sagte Herr K. zu ihm: "Du sitzt unbequem, du redest unbequem, du denkst unbequem." Der Philosophieprofessor wurde zornig und sagte: "Eine angepasste Wissenschaft ist nichts als hohles Geplapper. Wer wirklich weise sein will, muss unbequem sein!"



Zitat:
Zu Herrn K. kam ein Philosophieprofessor und erzählte ihm von seiner Weisheit. Nach einer Weile sagte Herr K. zu ihm: "Du sitzt unbequem, du redest unbequem, du denkst unbequem." Der Philosophieprofessor wurde zornig und sagte: "Nicht über mich wollte ich etwas wissen, sondern über den Inhalt dessen, was ich sagte. Der Weise selbst ist ohne Bedeutung, wichtig ist allein die Sache!"



Klingt alles gut, oder?

Du hast zu viel Respekt vor dem Text, so als ob er einen biblichen Charakter hätte. Die Frage aber sollte sein: Was versteht Brecht unter Weisheit? Was will er mit der Parabel bezwecken? Wogegen wendet er sich? etc. Diese Parabel sagt nichts über die wahre Weisheit eines Weisen aus, sondern über Brechts Verständnis von Philosophie.


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Antwort von umut92 (ehem. Mitglied) | 01.02.2011 - 19:44
Ja, du hast volkommen recht, der Text ist nicht vom Himmel gefallen. Aber, ich hab` nie gesagt, dass ich damit einverstanden bin. Ich habe nur den Deutungsansatz geschrieben. Meine persönliche Meinung ist nich drin. Ich hab` keine Wertung gemacht. Ich würde mich sehr freuen, wenn du auch zu dem Hauptteil, bzw. zu der Analyse der sprachlichen und inhaltlichen Gestaltung sagen könntest.

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