Max Frisch - Andorra: Abschiedsbrief des Vaters an seine Frau nach Andris Tod | Max Frisch - Andorra
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Max Frisch - Andorra: Abschiedsbrief des Vaters an seine Frau nach Andris Tod

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Abschiedsbrief des Vaters an seine Frau Anna (nach Andris Tod)


Can kommt verzweifelt in seine Stube, setzt sich an den Tisch, er hat sich entschieden und schreibt seiner Frau einen Abschiedsbrief.

Liebe Anna,
ich möchte dir vieles erzählen, also ich fange mal ganz von vorne an.

Ich kann nicht verstehen, warum ich damals etwas mit der Senora anfing, doch ich liebte sie. Jedoch war mir bewusst, dass es nicht klappen könnte, weil ich ein Andorraner bin und sie eine Schwarze. Ein Jahr später kam Andri zur Welt und wir beredeten was wir machen sollten. Also beschlossen wir die Geschichte des geretteten Judenkindes zu erfinden. In diesem Jahr lernte ich dich kennen und wir heirateten. Ein Teil der Wahrheit ist, damals liebte ich dich nicht, ich heiratete nur aus Angst, ja aus Furcht vor meinen eigenen Leuten. Doch über die ganzen Jahre unserer Ehe lernte ich dich lieben. Ich liebe dich so sehr und es tut mir Leid, dass ich nicht mal dir die Wahrheit sagte!

Ich habe lange überlegt, ob ich mit der Wahrheit herausrücken soll, aber ihr die Andorraner habt mich alle als Helden angesehen. Es war mein Sohn den sie streichelten und mich lobten. Diese Lüge machte mich so fertig! Es wäre beinahe aus mir heraus gesprudelt, dass er kein Jude ist, doch ich genoss es so sehr. Ich konnte nicht wissen, dass es alles so endet! Dann kam unsere wunderschöne Tochter Barblin zur Welt, wir wurden eine starke Familie, uns konnte nichts mehr auseinander bringen, es half trotzdem nichts. Da war noch diese Lüge, die mich so quälte, so griff ich zum Alkohol. Ich hätte Andri vieles ersparen können, sie zogen ihn alle damit auf ein Jude zu sein. Andri war ein netter Junge, er war gar nicht anders, aber ich habe ihn aus Angst so verändert damit er ein glaubwürdiger Jude sei. Ich brachte ihm alles bei so zu gehen und zu handeln und so zu denken. Es tut mir so Leid, ich bin so verzweifelt. Deshalb bin ich Trinker geworden

Ich bin am Ende. Dem Tischler gab ich einen hohen Geldbetrag, damit er Andri seinen Traumberuf lernen konnte. Ich wusste doch nicht, dass es so schlimm endete. Und ahnen konnte ich es auch nicht, dass der Tischler ihn so misshandelte. Wäre ich gleich mit der Wahrheit herausgerückt, hätte er ein wirklich schönes Leben haben können und hätte sich niemals in Barblin verliebt, es hat mir so Leid getan, als ich ihm verbot sie zu heiraten. Es machte ihn fertig. Ich bin verzweifelt. Ich liebe dich und Barblin! Den einzigen Ausweg, en ich fand, war der Alkohol. Eines Nachts versuchte ich verzweifelt Andri die Wahrheit zu sagen, doch er wollte sie nicht hören und nahm mich nicht mal mehr als Vater an. Das quälte mich noch mehr!

Als die Senora kam musste ich sie anflehen, damit sie die Wahrheit nicht sagte. Es fiel ihr schwer, doch sie tat es für mich. Neunzehn Jahre interessierte sie sich nicht für Andri und jetzt auf einmal, dass konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Als sie erschlagen wurde, tat es mir sehr Leid. Andri wurde gequält und getreten, es machte mich so fertig dies mit anzusehen. Doch eingreifen wollte ich auch nicht, hatte Angst vor allen.

Als ihn die Soldaten abführten und sein Schrei zuhören war, ertrank ich fast in meiner Schuld, er war mein Sohn Anna! Das alles hinterließ eine schwere Narbe in mir, die immer wieder aufreißt und von neuem eine Welle von Schuld und Schmerzen auf mich zukommen lässt. Als Vater hätte ich mich für ihn einsetzten müssen, doch ich war feig, ja dass bin ich immer noch. Ich bin das, was ein Andorraner niemals hätte sein dürfen. Im Grunde sind wir Menschen doch alle gleich und denken nur ans Geld und spüren die Angst. Ich laufe immer vor meinen Problemen davon. Ich habe Andris Träume und euer Leben zerstört, ich habe allen Leid angetan. Ich liebe dich so sehr. Doch ich habe schlimmes getan. Ich hoffe, euch allen geht es wieder besser und Barblin wird wieder normal. Ich werde euch nicht weiter anlügen können, denn für mich ist das alles hier vorbei. Ich laufe wieder einmal vor meinen Problemen davon!

Ich liebe euch über alles! Es tut mir Leid!

In Liebe euer
Can

Can hinterlässt den Brief seiner Frau, verschwindet mit dem Gewehr im Wald und beendet dort sein schreckliches Schicksal.
Inhalt
Sehr ausführliche und überzeugende Auseinandersetzung mit dem Thema
"Abschiedsbrief des Vaters Can an seine Frau Anna nach Andris Tod".
Im Buch: Max Frisch - Andorra (727 Wörter)
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13.11.2005 von unbekannt
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