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Suche expressionistische Gedichte

Frage: Suche expressionistische Gedichte
(2 Antworten)


Autor
Beiträge 73
1
Hey, was sind eurer Meinung nach die bekanntesten Gedichte des Expressionismus? Bzw, die berühmtest gewordenen? Werde ein Referat daüber halten.
Danke für eure Hilfe.
lg, M :)
Frage von Mrv_._ | am 11.01.2014 - 22:56


Autor
Beiträge 432
38
Antwort von haithabu | 12.01.2014 - 09:26
Der Krieg (1911) - Georg Heym
Home Lyrik Der Krieg
1. Aufgestanden ist er,
welcher lange schlief,
2. Aufgestanden unten aus Gewölben tief.
3. In der Dämmrung steht er, groß und unbekannt,
4. Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.

5. In den Abendlärm der Städte fällt es weit,
6. Frost und Schatten einer fremden Dunkelheit.
7. Und der Märkte runder Wirbel stockt zu Eis.
8. Es wird still. Sie sehn sich um. Und keiner weiß.

9. In den Gassen faßt es ihre Schulter leicht.
10. Eine Frage. Keine Antwort. Ein Gesicht erbleicht.
11. In der Ferne zittert ein Geläute dünn,
12. Und die Bärte zittern um ihr spitzes Kinn.

13. Auf den Bergen hebt er schon zu tanzen an,
14. Und er schreit: Ihr Krieger alle, auf und an!
15. Und es schallet, wenn das schwarze Haupt er schwenkt,
16. Drum von tausend Schädeln laute Kette hängt.

17. Einem Turm gleich tritt er aus die letzte Glut,
18. Wo der Tag flieht, sind die Ströme schon voll Blut.
19. Zahllos sind die Leichen schon im Schilf gestreckt,
20. Von des Todes starken Vögeln weiß bedeckt.

21. Über runder Mauern blauem Flammenschwall
22. Steht er, über schwarzer Gassen Waffenschall.
23. Über Toren, wo die Wächter liegen quer,
24. Über Brücken, die von Bergen Toter schwer.

25. In die Nacht er jagt das Feuer querfeldein,
26. Einen roten Hund mit wilder Mäuler Schrein.
27. Aus dem Dunkel springt der Nächte schwarze Welt,
28. Von Vulkanen furchtbar ist ihr Rand erhellt.

29. Und mit tausend hohen Zipfelmützen weit
30. Sind die finstren Ebnen flackend überstreut,
31. Und was unten auf den Straßen wimmelnd flieht,
32. Stößt er in die Feuerwälder, wo die Flamme brausend zieht.

33. Und die Flammen fressen brennend Wald um Wald,
34. Gelbe Fledermäuse, zackig in das Laub gekrallt,
35. Seine Stange haut er wie ein Köhlerknecht
36. In die Bäume, daß das Feuer brause recht.

37. Eine große Stadt versank in gelbem Rauch,
38. Warf sich lautlos in des Abgrunds Bauch.
39. Aber riesig über glühnden Trümmern steht,
40. Der in wilde Himmel dreimal seine Fackel dreht

41. Über sturmzerfetzter Wolken Widerschein,
42. In des toten Dunkels kalten Wüstenein,
43. Daß er mit dem Brande weit die Nacht verdorr,
44. Pech und Feuer träufet unten auf Gomorrh.


http://www.rhetoriksturm.de/der-krieg-heym.php


Gedichtinterpretation: Georg Trakl – Grodek (Expressionismus)
Interpretation verkaufen?
Weitere Informationen
Georg Trakl 1887-1914
1 Am Abend tönen die herbstlichen Wälder
2 Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen
3 Und blauen Seen, darüber die Sonne
4 Düstrer hinrollt; umfängt die Nacht
5 Sterbende Krieger, die wilde Klage
6 Ihrer zerbrochenen Münder.
7 Doch stille sammelt im Weidengrund
8 Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt
9 Das vergoßne Blut sich, mondne Kühle;
10 Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.
11 Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen
12 Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain1,
13 Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;
14 Und leise tönen im Rohr die dunklen Flöten des Herbstes.
15 O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre
16 Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,
17 Die ungebornen Enkel.
Anmerkungen:
1 Kleinerer Wald
http://www.antikoerperchen.de/material/18/gedichtinterpretation-georg-trakl-grodek-expressionismus.html

Gib bei Onkel Gugel doch einfach ein: "deutsch Lyrik Expressionismus"


Autor
Beiträge 227
6
Antwort von FeetFirst | 13.01.2014 - 12:24
für mich persönlich sind u.a. Paul Celan und Gottfried Benn wichtige Vertreter:

Paul Celan - Todesfuge

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland
dein goldenes Haar Margarete

er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne
er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland
dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith

wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr anderen spielt weiter zum Tanz auf

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen

Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus
Deutschland

dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith


Gottfried Benn - Nachtcafé

(http://www.schulaufwaerts.de/nachtcafe_gottfried_benn_interpretation.htm)

Edit: Der Text des Gedichtes musste aus urheberrechtlichen Gründen leider gelöscht werden. Man findet ihn aber unter dem oben angegebenen Link.

Bitte beachten:
Gedichte und andere Werke dürfen erst 70 Jahre nach dem Tode des Urhebers veröffentlicht werden, ausser sie wurden schon vorher gemeinfrei erklärt oder das Recht zur Veröffentlichung für bestimmte Zwecke erteilt.

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