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Referat: Indianer in der heutigen Zeit

Alles zu AllgemeinesIndianer nennen sich nicht Indianer, sie nennen sich entweder beim Namen ihres jeweiligen Stammes, reden von sich manchmal auch ganz einfach als "Menschen" oder sie sagen, sie seien "Native Americans", also "Eingeborene Amerikas". Manchmal reden sie von sich auch als "First Nation" und meinen damit, dass sie die ersten ("First") in Amerika waren, vor den weißen Siedlern. Sind Indianer Bürger zweiter Klasse? Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren so gut wie alle Indianer in die Reservationen getrieben worden. Sie hatten ihre Freiheit verloren und ihr Land dazu. Es machten sich Elend und Resignation breit. Die Situation der Indianer besserte sich nur langsam. 1924 wurden sie als amerikanische Staatsbürger anerkannt und 10 Jahre später durften sich die Stämme selbst verwalten. Bürger zweiter Klasse blieben die ersten Amerikaner aber nach wie vor. Vorübergehende Gleichberechtigung erfuhren einige Indianer erstmals im Ersten und noch stärker im Zweiten Weltkrieg. 25.000 junge Männer zogen für die Vereinigten Staaten in de Kampf. Einige wurden sogar zu Nationalhelden. Besonders wertvolle Dienste leisteten die Navajo. Sie dienten bei den Nachrichtentruppen und übermittelten in ihrer Muttersprache unverschlüsselt Befehle und Meldungen. Das sparte nicht nur viel Zeit, sondern brachte den japanischen Geheimdienst fast zur Verzweiflung. Wie sollte dieser auch auf die Idee kommen, dass die abgehörten Nachrichten nicht in einer genialen Geheimsprache durchgegeben wurden, sondern in einer den Japanern unbekannten Sprache eines Indianerstammes?
Nach dem Krieg kehrten die indianischen Soldaten gewöhnlich wieder zurück in ihren diskriminierenden Alltag. Sie fanden wie viele ihrer Stammesbrüder oft keine Arbeit und waren auf staatliche Hilfe angewiesen. Gegenwärtig leben in den USA fast zwei Millionen Indianer. Sie gehören 550 zumeist kleinen Völkern an. Lediglich der Stamm der Cherokee hat mehr als 300.000 Angehörige. In Kanada sind rund 495.000 Indianer "registriert". Nur jeder fünfte US-amerikanische Indianer gibt heute eine der 291 Reservationen als seine Adresse an. Viele andere sind in große Städte oder aufs Land gezogen. Die meisten Indianer leben in den Bundesstaaten Oklahoma (252.000), Kalifornien (242.000) und Arizona (204.000). Dort im Süden, zwischen New Mexiko, Utah und Arizona, liegt auch die größte Reservation der USA. Mit einer Fläche von von 56.000 Quadratkilometern ist die Reservation der Navajo fast doppelt so groß wie Belgien. Aber gerade in dieser Gegend Nordamerikas gibt es besonders viele Indianer, die außerhalb von Reservationen leben. In Arizona machen die Indianer 7% der Gesamtbevölkerung aus, in New Mexiko 9%. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung ist in Alaska mit 20% am höchsten - dort gibt es viele rein indianische Gemeinden, die jedoch keinen Reservationsstatus haben. Geldquelle Spielkasino Als einer der ärmsten Stämme galten lange Zeit die Fort-Mohave am Colorado River. Viele der kaum 1000 Stammesangehörigen lebten von Sozialhilfe und hausten in verfallenen Armee-Baracken. Das wurde dann anders. Seit kurzer Zeit lässt der Stamm auf seinem Gebiet das größte indianische Spielkasino-Zentrum westlich des Mississippi bauen. Elf Kasinos und Luxushotels entstehen dort. Das bedeutet gut bezahlte Arbeit für viele, vor allem auch in den stammeseigenen Hotels und Tankstellen. Die Mohave verteilen die Gewinne nicht auf die Familien, sondern schaffen damit Arbeitsplätze. Ermöglicht hat dies alles ein Sondergesetz der amerikanischen Regierung. Seit 1988 erlaubt es den Indianern, auf ihrem Land Spielkasinos zu betreiben. Außerhalb der Reservation, im Bereich des "normalen" US-Rechts also, gibt es diese Erlaubnis nicht immer. Das Sonderrecht ist eine Art "Entwicklungshilfe" für die Indianer. In fast 160 Reservationen sind inzwischen schon Spielkasinos und Bingo-Paläste aus dem Boden geschossen. Die Gewinne sind beträchtlich. Allein 1994 nahmen die rund 800 McDowell-Apachen mit ihrem Kasino "Fort" über 45 Millionen Dollar von den überwiegend weißen Besuchern ein. Auch in den Reservationen der Sioux und Cheyenne, der Ojibwa, Crow, Mohawk und der Blackfoot haben inzwischen Kasinos eröffnet. "Schlachtfelder der Armut" nannte man noch vor wenigen Jahren die in North und South Dakota, Minnesota udn Montana gelegenen Indianerterritorien. Doch schon jetzt, nach nur einigen Jahren, trägt diese Entwicklungshilfe erste Früchte. Die Stammesräte wissen allerdings, dass der Geldsegen schon bald versiegen kann. Deshalb stecken sie einen großen Teil der Einnahmen in andere, solidere Unternehmen. So ist es inzwischen auch gesetzlich geregelt. Als einzige Stämme haben sich die Navajos und die Hopi gegen die Kasinos entschieden. Sie befürchten, dass ihre Tradition und Kultur Schaden am Geschäft mit dem Geld nehmen könnten. Andere Stämme wie die Mescalero-Apachen sehen sich im Kasinogeschäft chancenlos. Ihre Reservation liegt zu weit weg von den Ballungszentren und damit von möglichen Kasinobesuchern entfernt. Dafür sind die Apachen bereit, für 40 Jahre Atommüll bei sich zu lagern. Das bringt dem Stamm sehr viel Geld und schafft 300 gut bezahlte Arbeitsplätze. Es birgt aber auch eine große Gefahr für die Gesundheit der Menschen. Die "Hochhaus-Indianer" Am anderen Ende der Vereinigten Staaten, hoch oben im Nordosten, leben die Irokesen. Sie haben eine ganz besondere Begabung: Sie sind schwindelfrei. Ein Zufall half dies herauszufinden. Vor vielen Jahren, noch vor dem zweiten Weltkrieg, wurde eine große Stahlbrücke über den Sankt-Lorenz-Strom gebaut. Eine Uferseite gehörte zum Reservationsgebiet der Mohawk, einem der ehemals sechs Irokesenvölker. Daher schlugen die Brückenbauer den Indianern vor, ihnen bei der Montage der Brücke zu helfen. Die Mohawk sagten zu. Schon bald kletterte eine Gruppe Männer geschickt wie Eichhörnchen an den gewaltigen Stahlteilen empor. Die Brückenbauer waren von den schwindelfreien Irokesen so beeindruckt, dass sie ihnen langjährige Arbeitsverträge anboten. Viele sagten zu, verließen die Reservation und gingen auf neue Baustellen. Seitdem gehören die Irokesen zu den besten amerikanischen Stahl-Hochbauern. Vor allem in New York, wo immer höhere Wolkenkratzer in den Himmel wachsen, sind sie gefragte Fachkräfte. Furchtlos und sicher balancieren sie hoch über den Straßen der Stadt. Damit sie sich in der ihnen fremden Großstadt heimisch fühlen, haben sie und ihre Familien sich im New Yorker Stadtteil Brooklyn mittlerweile ein eigenes Viertel geschaffen. Weniger gut geht es vielen anderen Stadt-Indianern. Sie sind in die Großstadt gezogen, weil sie sich dort ein besseres Leben erhofften. Aber ihre schlechte Schulbildung ließ den meisten von ihnen keine beruflichen Chancen. Die Umsiedlung in die großen Städte war in den fünfziger Jahren von der Regierung gefördert worden. Damals gab es in den Reservationen noch weniger Arbeit als heute. Weit über 100.000 Indianer wechselten innerhalb von nur 10 Jahren in die Städte. Besser als zuvor geht es aber nur wenigen.
Widerstand und Hoffnung n den Elendsvierteln der amerikanischen Großstädte entstand 1968 eine bemerkenswerte indianische Organisation. Sie heißt »American Indian Movement« (AIM), das bedeutet »Bewegung der amerikanischen Indianer«. Gegründet wurde sie von jungen, unzufriedenen Dakota und Ojibwa. Mit Aufsehen erregenden Aktionen wollten sie die amerikanische Öffentlichkeit auf indianische Probleme aufmerksam machen. 1969 besetzten Stadtindianer und indianische Studenten die vor San Francisco liegende Gefängnisinsel Alcatraz. Die Behörden hatten beschlossen das Zuchthaus aufzulösen und die Insel ihrem Schicksal zu überlassen. Da erinnerten sich die Indianer an einen Vertrag, der 1868 zwischen den Sioux und der Bundesregierung abgeschlossen worden war. Er sah vor, ungenutztes Land den Ureinwohnern zurückzugeben. Also besiedelten die Indianer Alcatraz von neuem. Sie wollten die Insel zu einem kulturellen und sozialen Zentrum für alle Indianer umgestalten. Zunächst eröffneten sie einen Kindergarten und eine Schule - die erste rein indianische Amerikas. Auch eine Radiostation entstand. Deren Sendungen machten die Idee der Besetzer von der »Wiedergeburt des indianischen Amerika« bundesweit bekannt. Fast zwei Jahre lebten die Rebellen auf der Felseninsel. Dann wurden sie vertrieben.
1972 begaben sich 1500 Indianer in Washington auf den »Pfad der gebrochenen Verträge«. Weltbekannt wurde das AIM ein Jahr später, als 300 Siouxindianer Wounded Knee, den Ort des letzten Indianermassakers 1890, besetzten. Sie forderten, die 361 von der amerikanischen Regierung mit den Indianern geschlossenen Verträge zu überprüfen. Auch sollte untersucht werden, wie das »Amt für Indianerangelegenheiten« Indianer wirklich behandelt. Erst nach 37 Tagen wurde die Besetzung beendet. Panzerwagen der Polizei hatten die Ortschaft umstellt. Es gab ein Todesopfer und mehrere Verletzte. Aber diese und die vorangegangenen Aktionen erreichten ihr Ziel. 1975 verabschiedete der amerikanische Kongress ein Gesetz über das Selbstbestimmungs- und Erziehungsrecht der Indianer, drei Jahre später musste er ihnen die freie Religionsausübung gewähren.
Fortan war den Indianern wieder der ungehinderte Zugang zu den heiligen Stätten ihrer Vorfahren garantiert. Diese Erfolge lösten unter den Indianern eine Rückbesinnung auf die eigenen kulturellen Werte und Traditionen aus. Immer mehr Stämme begannen die Skelette ihrer Ahnen zurückzufordern - etwa 600.000 lagern in den Museen der USA -, und sie verlangen auch die Grabbeigaben und religiösen Gegenstände zurück, die ihnen von den Weißen geraubt wurden. Häufig genug werden die Forderungen der Indianer zurückgewiesen. Aber gelegentlich ist ihr Kampf gegen die Museen erfolgreich. 1990 wurde in den USA ein Gesetz über die Rückgabe von Relikten und zum Schutz indianischer Gräber erlassen.
Auch in Kanada ist das Selbstbewusstsein der Indianer wieder erwacht. Als 1990 bekannt wurde, dass der Golfplatz der Stadt Oka auf dem geweihten Boden der Mohawk erweitert werden sollte, besetzten die Indianer den Hain. Ihr Widerstand hielt wochenlang an. Er gipfelte in der Besetzung einer wichtigen Brücke. Erst als mit Panzern und schwerem Geschütz die Armee anrückte, gaben die Mohawk auf. Durch die Verhandlungen mit den Politikern hatten sie aber erreicht, dass ihren heiligen Boden niemals ein Golfplatz entweihen wird. Seit diesem - leider gewaltsamen - Erfolg melden selbstbewusste Indianer überall im Land ihre Ansprüche an. Die Inuit im hohen Norden Kanadas haben sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass sie 1999 ein eigenes Territorium erhielten: Nunavut, das heißt »unser Land«. Mit l.994.000 Quadratkilometern ist es größer als jede kanadische Provinz. In diesem riesigen Gebiet verwalten sich die Inuit selbst und hier, auf knapp einem Fünftel der Fläche Kanadas, gelten nun die angestammten Jagd- und Fischereirechte der Inuit. Doch die Gründung dieses Landes wurde in Kanada nicht von allen Indianern begrüßt. Einige Stämme betrachten Nunavut sogar als einen für die Ureinwohner schlechten Kompromiss. Sie fürchten, dass dadurch ihre eigene jeweilige Verhandlungsposition gegenüber der kanadischen Regierung geschwächt werden könnte. Denn eigenes Land, nicht irgendwo, sondern in ihrem angestammten Gebiet, Selbstverwaltung und eigene Gesetze - das wollen viele Stämme. Es ist unübersehbar: Die Welt der Indianer, die jahrzehntelang von Armut, Sucht und Apathie bestimmt war, ist endlich in Bewegung geraten. Die Ureinwohner Amerikas wehren sich jetzt gegen Benachteiligung, sie suchen wieder nach ihren Wurzeln und pflegen die traditionellen Feste. Und doch wird ihr politisches und kulturelles Überleben alles andere als einfach. Denn die Indianer sind oft in kleine, zu kleine Gruppen zersplittert. Sie sind eine Minderheit, aber vereint sind sie nicht. Russell Means, ein Oglala-Ihanktonwan-Sioux (geb. 1940), gehört zu jener militanten Indianergeneration, die in den 60er Jahren berühmt wurde. Er versuchte aufzuzeigen, dass die Indianer ein wichtiger Teil der nordamerikanischen Gesellschaft des späten 20. Jahrhunderts sind. Seine Kindheitserfahrungen in Kalifornien, wo er als Indianer verhöhnt wurde, prägten seinen Lebenslauf. Er schlitterte ins Drogenmilieu und in die Kriminalität, bevor er 1968 Dennis Banks, dem Mitbegründer des »American Indian Movement« (AIM) begegnete. Means wurde zu einer internationalen Persönlichkeit, führte viele AIM-Proteste an, vor allem die Besetzung von Wounded Knee 1973. Er war Anwalt für Rechtsfragen und wurde als US-Vizepräsident nominiert. Means trat in Filmen wie "Der letzte Mohikaner" (1992) auf und lieh Powhatan in Disneys Pocahontas (1995) seine Stimme. Means ist nach wie vor einer der ersten Wortführer der Indianer, obwohl er längst kein AIM-Mitglied mehr ist
Inhalt
Indianer nennen sich nicht Indianer, sie nennen sich entweder beim Namen ihres jeweiligen Stammes, reden von sich manchmal auch ganz einfach als "Menschen" oder sie sagen, sie seien "Native Americans", also "Eingeborene Amerikas". Manchmal reden sie von sich auch als "First Nation" und meinen damit, dass sie die ersten ("First") in Amerika waren, vor den weißen Siedlern.
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