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Referat: Die Rezeptionsgeschichte des Werkes "Faust"

Alles zu Johann Wolfgang von Goethe  - Faust IRerefat: Die Rezeptionsgeschichte des Werkes "Faust. Der Tragödie erster
Teil" von Johann Wolfgang von Goethe

Referentin: Kim Rische

Datum: 20.02.2004
Fach: Deutsch - LK
Note: 13 NP


Die Rezeptionsgeschichte des Werkes
"Faust. Der Tragödie erster Teil"
von
Johann Wolfgang von Goethe


Gliederung:

1. Einleitung
2. Die Geschichte des Georgius Faustus
3. Eine der vielen Sagen um die Person des Georgius Faustus
4. Das Faustbuch
5. Christopher Marlowes "The Tragical History of Doctor
Faustus"(1588/89)
6. Lessings Faust Fragment
7. Johann Wolfgang von Goethe "Faust Hintergrund
7.1 Marlowes "The Tragical History of Doctor Faustus" als Anregung
7.2 Der Kindsmordprozess gegen Susanna Margaretha Brandt: Frankfurt
1771 - 1772
8. Urfaust (1773-75)
9. Faust. "Ein Fragment" (Italien, 1786-88)
10. Faust. Der Tragödie erster Teil. (Weimar,1795-1806)
11. Faust. Der Tragödie zweiter Teil. (Weimar,1797-1800 und 1825-1831)
12. Heinrich Heine und Thomas Mann
12.1 Heinrich Heines "Der Doktor Faust. Ein Tanzpoem" (1846-1847)
12.2 Thomas Mann "Doctor Faustus" (1947)
13. Quellen


1.Einleitung

von 1540 bis 1580 entstanden viele Geschichten und Legenden über Fausts schwarze Kunst und seinem Pakt mit dem Teufel.
Diese Geschichten zeigen Faust meist in einem negativen Licht. Er ist hier Narr statt Philosoph und  Schurke statt Held. Seine schwarze Kunst basiert teils auf Illusion, teils auf echter Magie. Viele Anekdoten charakterisieren Faust als unverschämt, unmoralisch, blasphemisch, eitel, selbstherrlich, kirchenfeindlich und teuflisch und sein brutales Ende, der Teufel tötet ihn, als moralische Konsequenz. Einige Geschichten zeigen ihn aber auch als selbstbewussten und witzigen Schalk.

2. Die Geschichte des Georgius Faustus (1460-1539)

Faust ist eine historische Gestalt, dessen Existenz bereits zu Gerüchten und Legendenbildung Anlass gab, bevor sie schließlich in die Dichtung einging. Dokumenten zu Folge ist Faust zwischen 1460 und 1470 geboren und zwischen 1536 und 1539 gestorben. Aus den frühesten Überlieferungen kann man entnehmen, dass Faust aus Helmstadt bei Heidelberg stammt spätere Überlieferungen lassen jedoch darauf schließen, dass sein richtiger Heimatort Knittlingen bei Maulbronn war. In den zuverlässigsten Urkunden wird er Georgius Faustus genannt und später erst, so auch im Faustbuch von 1587, erhält er dann den Vornamen Johann. Faustus ist hier kein Familienname, sondern ein lateinischer Gelehrtenname, wie er im Zeitalter des Humanismus und der Reformation üblich war. Mit dem lateinischen Wort "faustus", das so viel wie "der Glückliche" bedeutet, wollte sich Georgius als humanistisch Gebildeter Mann darstellen und zugleich auch als "Glück bringend" ausweisen. Dies nützte ihm besonders für seine Tätigkeit als Astrologe. Er war Zeitgenosse von Luther (1483-1546) und Paracelsus (1493-1541) und galt als provokante Außenseiter-Erscheinung. Doch obgleich ein Brief des Abtes Trithemius an den Heidelberger Mathematiker und Hofastrologen Johann Virdung vom 20. August 1507 (gedruckt 1536) Faust des Betruges und eitler Scharlatanerie bezichtigt, wurde Faust weder von verfolgt noch durch weltliche Gerichte inhaftiert.
Faust erwarb im Laufe der Zeit immer neue Fähigkeiten. Er war nicht nur Astrologe, sondern zudem auch ein anerkannter Wissenschaftler und Theologe. Er war bekannt als Wahrsager und Handleser mit psychologischem Einfühlungsvermögen sowie als Magier für weiße und schwarze Magie. Von der Kirche wurde er als "Schwarzkünstler" bezeichnet und deshalb ausgestoßen. Faust eignete sich sein Wissen auch im Bereich der Alchimie an. Er erlernte, im Laboratorium, den Umgang mit den vier Elementen. Georgius Faustus hielt sich in Universitätsstädten wie Heidelberg, Wittenberg, Erfurt und Ingoldstadt auf, wo er die Modewissenschaften seiner Zeit, Medizin, Astrologie, Alchemie, bis zur Scharlatanerie betrieb. Dies soll um 1530 geschehen sein. Über seinen Tod sagt man, dass er vermutlich bei einem alchemistischen Explosionsunfall ums Leben gekommen sei. Dies soll um 1539 geschehen sein.

Nach ihm entstand, noch zu seinen Lebzeiten, die ursprüngliche Faust-Sage.
Das Ergebnis der Sagenbildung, wie es etwa in der  "Historia von D. Johann Fausten" 1587 vorliegt, lässt sich kurz so zusammenfassen:

Faust stammt aus dem Dorf Roda bei Weimar, studiert in Wittenberg Theologie und macht seinen Doktor. Dann geht er nach Krakau, um sich dort der Magie zu widmen. Erkenntnisdrang und Selbstüberschätzung führen zu einem Pakt mit dem teuflischen Diener Mephistopheles. Dieser will Faust 24 Jahre lang jeden Wunsch erfüllen. Danach soll ihm seine Seele gehören. Die ersten acht Jahre dieser Zeitspanne bleibt Faust in Wittenberg, teils studierend, teils sein Leben genießend. Heiraten darf er nicht, dafür wird ihm jede begehrte Buhlschaft vermittelt. Anfälle von Reue deckt der Teufel mit zauberischer Musik zu. Weitere acht Jahre verbringt Faust auf einer großen Reise, die ihn auch zum Sultan nach Konstantinopel, in den Vatikan und an den Kaiserhof bringt. Mit Zauberkunststücken setzt er die kleine und große Welt in Erstaunen. Die letzten acht Jahre verlebt Faust wieder in Wittenberg. Nach dem Bekehrungsversuch, den ein alter Mann mit ihm anstellt, muss er sich aufs Neue dem Teufel verschreiben. Vor Studenten lässt er die Gestalt Helenas erscheinen, verliebt sich in sie und verheiratet sich mit dem Gespenst. Aus der Ehe geht ein Sohn, Justus Faustus, hervor. Faust stirbt in Angst und Zittern, nachdem er sich von seinen Studenten in einer großen Klagerede verabschiedet hat. Sein Haus vermacht er seinem Famulus Wagner. Helena und ihr Sohn lösen sich bei seinem Tod in Nichts auf.

3. Eine der vielen Sagen um die Person des Georgius Faustus

Johannes Faust von Knüttlingen saß einmal zu Magdeburg im Wirtshaus und trank dort anderen zu, wie es in Sachsen und auch anderswo in Deutschland üblich ist. Als ihm nun der Junge des Wirts Kanne öder Becher zu voll schenkte, schalt er ihn und drohte, er werde ihn mit Haut und Haaren fressen, wenn er es noch einmal täte. Der spottete seiner und sprach: "Immer zu, freßt mich doch auf!' und schenkte ihm abermals zu voll.
Da sperrt Faust sein Maul auf und frißt den jungen ohne viel Federlesens. Hierauf schnappt er sich den Kübel mit dem Kühlwasser und spricht: "Auf einen guten Bissen gehört ein guter Trunk." Nicht lange, und auch der Inhalt des Kübels ist verschwunden.
Der erboste Wirt bestürmte nun den Gast ernstlich, er möge ihm seinen Diener wiederschaffen, andererseits wolle er sich schon zu helfen wissen. Faust aber hieß ihn, sich zu beruhigen und hinter den Ofen zu schauen. Da lag der junge und bebte vor Schrecken. Er war mit all dem Kübelwasser begossen und pudelnaß.
Das war das Werk des Teufels gewesen. Der hatte ihn dahin gestoßen, das Wasser auf ihn gestürzt und den Zuschauern die Augen verzaubert, so daß sie dachten, der junge wäre gefressen worden und Faust hätte das Wasser geschluckt.

4. Das Faustbuch

Das Faustbuch ist die erste Sammlung von Anekdoten und Geschichten über Faust. Es ist viel detaillierter als die früheren Texte und  zeigt uns Faust als Mensch. Er betreibt Alchemie und schwarze Magie und macht seinen Pakt mit dem Teufel. Er macht die katholische Kirche, den Papst und Mönche lächerlich. Er bekommt alles, was er haben will: Delikatessen, Wein, Frauen usw. Er macht Reisen in viele Teile der Welt. Er ist vorwitzig - er hat immer Fragen an den Teufel, ist immer neugierig und will immer etwas Neues lernen, egal was es ihn kostet. Er ist leichtfertig - er macht genau das, was er will und überlegt nie, welche Konsequenzen es vielleicht gibt. Faust verliebt sich in Helena und zeugt ein Kind mit ihr.
Er ist ein Held oder eine Projektionsfigur für die Menschen des Mittelalters - er macht, was sie machen wollen aber nicht können, und er nimmt sich Freiheit, die sie nicht haben. Sogar der Teufel muss mit Faust Kompromisse machen. Am Ende wird Faust aber bestraft; nach 24 Jahren tötet der Teufel Faust und nimmt ihn in die Hölle mit. Helena und ihr Sohn verschwinden.

Das 1. Faustbuch (1587) «Historia von Johann D. Fausten/ dem weitbeschreyten Zauberer und Schwarzkünstler/wie er sich gegen dem Teufel auf eine benannte Zeit verschrieben/ Was er hierzwischen für seltsame Abenteuer gesehen/ selbst angerichtet und getrieben/ bis er endlich seinen wohl verdienten Lohn empfangen. » wurde im Mai 1587 von dem Buchdrucker Johann Spies, in Frankfurt am Main abgedruckt.
Die Geschichten, Anekdoten und Schwänke um Fausts Person wurden um 1556 in Erfurt aufgezeichnet. Diese wurden dann um 1580 von einem Unbekannten zur «Historia vnd Geschicht Doctor Johannis Faustj» zusammengefügt und in der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel behutsam aufbewahrt, bis sie später von Wolfgang Peter ins moderne Deutsch übersetzt wurde. Teils wortgetreu, teils leicht verändert und um einige Anekdoten erweitert wurde die Geschichte des "Doktor Faustus dann durch Spies. Erstmals gedruckt wurde es unter den Namen «Historia von D. Johannes Fausten, dem weitbeschreyten Zauberer und Schwarzkünstler(...)».

Im Jahre 1599 überarbeitet der Schwabe Georg Rudolff Widmann den Text von Spies. Und nennt es «Erster Teil der Wahrhaftigen Historien ... von Doktor Johannes Faustus».
Er hat das Buch von 227 auf 800 Seiten gedehnt und fügte noch viele Abenteuer und moraltheologische Kommentare hinzu. Faust wurde durch dieses Schriftstück abgewertet. Widmann meint, dass er den Teufelspakt nicht aus Wissendrang sondern aus Genusssucht eingeht .Dieses so genannte zweite Volksbuch erlangte keinen all zu hohen Bekanntheitsgrad. Kaum jemand interessierte sich für das Werk.
Viele Jahre später im Jahre 1674 erscheint ein drittes Faustbuch « Das ärgerliche Leben und schreckliche Ende des vier-berüchtigten Ertz-Schwartzkünstlers Johannis Faustj», das von dem Nürnberger Arzt Nikolaus Pfitzner stammt. Er überarbeitete und kürzte das Widmann-Buch. Hier taucht als Nebenmotiv eine schöne arme Magd auf, die bei einem Krämer in der Nachbarschaft dient. Faust verliebt sich in sie. Pfitzner erweitert es, um die Episode von Fausts Liebe.
Im Jahre 1725 erscheint eine neue Fassung des Pfitzner-Buches durch einen Unbekannten, der sich als "Christlich-Meinenden" ausgibt, unter dem Titel «Des durch die ganze Welt berufenen Ertz-Schwartzkünstlers und Zauberers Doktor Johann Fausts, Mit dem Teufel aufgerichtetes Bündnis, Abenteuerlicher Lebens-Wandel und mit Schrecken genommenes Ende». Erstmals erhält der Teufel einen Namen, Mephistopheles. Die arme Magd bleibt erhalten, ist aber weiterhin Nebenmotiv. Vordergründig bleibt das Helena-Motiv, nicht mehr so gewichtig ist das Motiv des ruhelosen Wissenschaftlers und Suchers. Dieses Buch wurde in den folgenden Jahrzehnten immer wieder aufgelegt. Der Unbekannte reduziert die Darstellung auf den blanken Sagenstoff, er befreit von theologischem und moralischem Beiwerk, da er selber nicht an Hexerei glaubt. Das vierte Volksbuch war zugleich auch das Letzte.



5. Christopher Marlowes "The Tragical History of Doctor Faustus"(1588/89)

Marlowe starb bereits in jungen Jahren. Er lebte von 1564 bis 1593.Bei einem Wirtshausstreit wurde Marlowe schließlich am 30.05.1593 erstochen. Er hatte den Streit selbst angefangen. Am selben Tag sollte er des Atheismus angeklagt werden. Man bezeichnet ihn auch als erster großer und zugleich bedeutendster englischer Dramatiker vor William Shakespeare. Vor seiner Zeit waren hauptsächlich Komödien verfasst worden. Mit Marlowe etablierte sich die Tragödie als Dramenform. Sein Hauptwerk trägt den Titel "The Tragical History of Doctor Faustus"

"The Tragical History of Doctor Faustus" entstand zwischen 1588 und 1589 und greift sehr weitgehend auf das deutsche Faustbuch von 1587 zurück, genauer gesagt ist es eine englische Übersetzung des Buches mit einigen Abwandlungen. Marlowes dramatische Fassung des Faustbuches ist trotz einiger Clown-Partien ein Werk, das Faust erstmals als ernst zu nehmende Figur schildert, die dazu bereit ist alle Grenzen zu durchbrechen und einen Pakt mit dem Teufel zu schließen. Gedruckt, erschien Marlowes Drama jedoch erst im Jahre 1604. Kurze Zeit später wurde es in London zu einem großen Theatererfolg. Es wurde als Bühnenaufführung sowie als Puppenspiel aufgeführt. Im Jahre 1608, nachdem das Theaterstück in England so erfolgreich war, wurde es erstmals auch im deutschen Graz aufgeführt. Nun zogen auch hier die Wanderschauspieler und Puppenspieler durchs Land um die Leute mit dem Werk zu begeistern. Im 17. und 18. Jahrhundert folgten weitere zahlreiche Aufführungen. "The Tragical History of Doctor Faustus" wurde von Generation zu Generation weiter gegeben und im Laufe der Jahre immer mehr verändert. Es wurde vereinfacht, vergröbert und vor allem mit Sensationsnummern und unterhaltsamen lustigen Partien durchsetzt. Damit es auch vom einfachen Volk verstanden wurde. Auch Goethe sah sich dies Puppenspiel bereits als Kind an.
Von wem das Werk ursprünglich stammte, wusste man schon längst nicht mehr. Erst im 19. Jahrhundert entdeckte man Marlowe und sein originales Werk wieder.

6. Lessings Schauspielfragment "Dr. Faust"

Als man Marlowes originales Werk wieder fand, wusste Lessing nicht, dass dies das Original von Marlowe war. Trotzdem schrieb er in seinem 17. Literaturbrief aus dem Jahre 1759: "Doktor Faust hat eine Menge Scenen, die nur ein Shakespearesches Genie zu denken vermögend gewesen".
Lessing verfasste ein Schauspielfragment das er "Dr. Faust" nannte. Als Aufklärer befasst er sich in dem Stück mit dem Forschungs- und Wissensdrang.
Im 17. Literaturbrief veröffentlicht er ebenfalls eine Szene seines Schauspielfragments. In der Szene testet Faust sieben Geister der Hölle auf ihre Schnelligkeit, weil er vom schnellsten Geist bedient werden will. Jeder Geist behauptet, der schnellste zu sein, aber am Ende gewinnt der Geist, der so schnell ist wie der Übergang vom Guten zum Bösen. Die Szene ist zum Teil lustig, denn Faust ist charismatisch, sarkastisch und ironisch und zeigt keine Angst vor den Geistern. Er behandelt sie herablassend, wie Diener eben. Wie die Szene die Themen Wahrheit, Tugend, Lernen und Vernunft behandelt, ist stark von der Aufklärung geprägt. Sie mischt weltliche und metaphysische Anliegen. In der Einleitung zu der Szene argumentiert Lessing, dass die Faust-Legende für die Deutschen so wichtig ist wie Shakespeare für die Engländer. Erstmals in der Literatur wird Faust gerettet, weil im Sinne der Aufklärung Streben nach Wissen nicht Maßlosigkeit und Aufbegehren gegen Gott bedeutet. Faust ist bei Lessing eine zwar verirrte, aber im Grunde gute Gestalt.


7. Johann Wolfgang von Goethe "Faust" Hintergrund

Goethe kannte den Faust-Stoff mutmaßlich aus Groschen-Heften, wie dem des Christlich-Meynenden von 1725 und als Puppenspiel. Er kannte wohl auch Lessings Schauspielfragment "Dr.Faust" von 1759. 1770 gastierte die Illgnersche Theatertruppe mit einer deutschen Übersetzung des Marloweschen Faustus in Straßburg. Für seine eigene Arbeit griff er auf Johann Nicolaus Pfitzners Faustbuch von 1674 zurück, nicht jedoch auf Spies' Faustbuch. Goethes Arbeit am Faust zog sich in vier größeren Etappen über fast sechzig Jahre hin.

7.1 Marlowes "The Tragical History of Doctor Faustus" als Anregung

Goethe wurde bereits als kleines Kind von einem Puppenspiel über "Dr. Faust", dessen Ursprung aus der Feder Christopher Marlowes stammt, stark beeindruckt. In seinem Werk "Dichtung und Wahrheit" schreibt er: " Die bedeutende Puppenspielfabel [...] klang und summte gar vieltönig in mir wider. Auch ich hatte mich in allem Wissen umhergetrieben und war früh genug auf die Eitelkeit desselben hingewiesen worden". Von dem Eingangsmonolog, der in die Puppenspielerfassung mit übernommen wurde, war Goethe beeindruckt.


7.2 Der Kindsmordprozess gegen Susanna Margaretha Brandt: Frankfurt 1771 - 1772

Vom Spätsommer 1771 bis Januar 1772 fand in Frankfurt, ein Prozess gegen die Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt statt. Die 24jährige Dienstmagd des Gasthauses "Zum Einhorn", wurde von einem durchreisenden holländischen Kaufmann verführt. Die beiden zeugten ein Kind. Susanna Margaretha brachte das Kind heimlich zur Welt und tötete es aus Angst von der Gesellschaft verstoßen zu werden. Der Mord an ihrem Kind, kam jedoch bald zum Vorschein und sie wurde zum Tode verurteilt. Der Onkel Goethes, Johann Jost Textor, wirkte bei den Verhören der Angeklagten mit. Goethe hat den Prozess mit großem Interesse vom Anfang bis zum Ende verfolgt. Es ist anzunehmen, dass er einen Teil dieses Geschehens in die Gretchenhandlung des Faust I, miteinfließen ließ, womit sich erklären lässt warum man in Goethes Haus Abschriften aus den Prozessakten fand.

8. Urfaust "Goethes Faust in ursprünglicher Gestalt"( 1773-1775)

Den "Urfaust" schrieb Goethe als junger Mann. Er hat ihn nie veröffentlicht. Die frühesten Dokumente des Faust, die man bis heute kennt, ist die von der Hand des Weimarer Hoffräuleins Luise von Göchhausen. Erich Schmidt hatte den Text 1887 in deren Nachlass entdeckt und unter dem Titel "Goethes Faust in ursprünglicher Gestalt nach der Göchhausenschen Abschrift" herausgegeben. Lange Zeit war nicht klar woher diese Abschriften stammten. Vom Sommer 1773 an bezeugen Briefe von Zeitgenossen mehrfach, dass Goethe sie mit Passagen aus einem "Doktor Faust" bekannt gemacht hat. Goethe selbst erwähnt seine Arbeit an dem Stück erstmals am 17. September 1775. In Weimer las er dann der Hofgesellschaft, wie berichtet wird, mehrmals aus seinem Stück vor. Man kann davon ausgehen, dass sich unter dieser Gesellschaft auch das Hoffräulein Göchhausen befand, die den "Urfaust" später abschrieb. Diese frühe Fassung des "Faust" ist ein Werk der Literaturepoche "Sturm und Drang" und ist zum Teil in Prosa geschrieben. Bis dahin Bestand der "Urfaust" aus 17 Szenen.

9. Faust "Ein Fragment"(Italien, 1786-1788)

,,Faust. Ein Fragment" ist eine Umarbeitung des "Urfaust", manche Szenen wurden überarbeitet, eingeschoben, weggelassen oder blieben bestehen.
Zum Beispiel hat die Schülerszene bereits ihre endgültige Form, die Gretchenszenen wurden kaum geändert, in ,,Auerbachs Keller" führt nicht mehr Faust, sondern Mephistopheles das Zauberkunststück vor.Die Szene in ,,Wald und Höhle" wurde eingeschoben und es gibt schon Gespräche zwischen Faust und Mephisto vor der ,,kleinen" Weltfahrt.
Goethe überarbeitete das Werk im Sinne der Klassik in Italien. Er ersetzte alle Prosateile durch Verse. Da Goethe glaubte, dass er das Werk nie zu einem befriedigenden Ende bringen würde, veröffentlichte er es 1790 als Fragment. Schiller motivierte Goethe zur Vollendung des Stücks.

Das Fragment von 1790 wurde von den einen gefeiert, von den anderen verständnislos betrachtet. Friedrich Schlegel fand es sei ein Werk eines großen Mannes aus dem aber bald ein kleiner Höfling geworden sei, weshalb seine anderen Werke nur aus eigenem Nutzen geschrieben worden seien. Andere wiederum nahmen es Goethe übel, weil er zwar schöne Stellen schrieb, andere Stellen aber zu speziefisch seien. Die Gretchenfigur war für die meisten neuartig und sie hielten sie für eine Art Zeichen der Literaturepoch des "Sturm und Drang", aufgrund ihrer Unschuld und ihrer Naivität. Man war der Meinung gerade dies würde die Natur, der sich die Epoche verpflichtet hatte, erkennbar machen.


10. "Faust. Der Tragödie erster Teil" (Weimar, 1795-1806)

Unter Schillers Drängen geht Goethe im Juni 1797 wieder an den "Faust". Zunächst entwirft er ein ausführliches Schema, um sich Klarheit über den Handlungsverlauf zu verschaffen und um die bisher geschriebenen Teile des Fausts zu ordnen. Nun konnte er strukturiert weiterarbeiten und die Lücken schließen. Die endgültige Ausführung der Wette zwischen Faust und Mephisto verbindet die Faust -und Gretchenhandlung. Außerdem entstand die dreiteilige Eröffnung des Fausts mit der Zuneigung, dem Vorspiel auf dem Theater und dem Prolog im Himmel. Die Szenen mit Valentins Tod und der Walpurgisnacht sowie der Abschluss der Gretchenhandlung wurden neu geschrieben bzw. überarbeitet, wenn sie bereits im Urfaust vorhanden waren.
Von 1798-1801 scheint es die schwierigste Arbeitsphase am Faust zu sein. Schiller befürchtet mehrmals Goethe würde sein Werk endgültig niederlegen. Doch 1800 ist der erste Teil konzeptionell durchgebildet, aber noch nicht vollendet. Als Schiller im Jahre 1805 stirbt, ist dies ein großer Verlust für Goethe und er zieht sich in sein Haus zurück. Im Frühjahr 1806 wird Faust I dann vollendet, aber erst zwei Jahre später veröffentlicht.

Die meisten Leser empfanden damals begeisterung für das Werk. Viele von ihnen stellten es als einzigartiges Werk dar. Es war ein Werk, das seine Wuzeln in der Sturm und Drang Zeit hat. Sie fande begeisterung an dem Werk, da Goethe viele verschiedene Elemente mit einfließen ließ. Wie z.B den Forschungs- und Wissensdrang sowie das Streben nach der Natur. Christoph Martin Wieland, Aufklärer und Freund Goethes, war so beeindruckt, das er es als "barock-genialische Tragödie" bezeichnete.

11. "Faust. Der Tragödie zweiter Teil" (Weimar,1797-1800 und 1825-1831)
Das offene Ende von Faust I weist auf die Fortsetzung Faust II hin.Schon 1797 bis 1800 verfasste Goethe den fünften und letzten Akt von Faust II. Doch dann ruhte die Arbeit rund 20 Jahre lang. Johann Peter Eckermann, ein vertrauter und enger mitarbeiter Goethes, gelang es 1825 durch mehrmaliges Drängen, Goethe zur Weiterarbeit zu bewegen. Bis 1831 arbeitete er regelmäßig an dem Werk. Nach der Vollendung versiegelte er es und bestimmte, dass es erst nach seinem Tod veröffentlich werden sollte. So geschah es dann auch 1832.




12. Heinrich Heine und Thomas Mann
12.1 Heinrich Heines "Der Doktor Faust. Ein Tanzpoem" (1846-1847)
Heinrich Heines Ballett " Der Doktor Faust. Ein Tanzpoem"wurde1851 veröffentlicht. Heine hatte es bereits 1846/47 geschrieben. Mephistopheles ist hier Mephistophela und erscheint zuerst als Balletttänzerin. Heine baut viele Tanzarten, u.a.  pas de deux , Quadrillen, Reigen und Ronden, Polkas, Menuette, griechische Kampftänze und Bachantentänze, eine antike Humoreske und einen Großvatertanz ein.
12.2 Thomas Mann "Doctor Faustus" (1947)
Thomas Manns Roman Doctor Faustus-Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freund" erscheint im Jahre 1947. Mann überträgt Motive des Faustbuches auf die Biographie des Tonsetzers Adrian Leverkühn, die zum Spiegel der gesellschaftlich-politischen und geistigen Krise in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts wird.Das Werk ist mit einer zeitgenössischen Handlung versehen worden, ist aber trotzdem noch immer stark an den Pakt mit dem Teufel gebunden sowie es auch in Faust I ist. Die eigentliche Unterzeichnung des Paktes mit dem Teufel erfolgt, als Adrian sich mit einer Prostituierten einlässt, obwohl sie ihn vor ihrer Krankheit gewarnt hatte. Hier beginnt auch die Frist bis zum Tod. Seine geistige Umnachtung im Verlauf der Krankheit soll ein Vergleich zum nationalistischen Deutschland sein. Vor dem Teufelsgespräch spricht er aber nur selten von der Kriegslage, nach dem Gespräch aber immer häufiger. Eine komplette Verknüpfung erfolgt aber erst im letzten Satz des Buches: "Ein einsamer alter Mann faltet seine Hände und spricht: Gott sei eurer armen Seele gnädig, mein Freund, mein Vaterland. Die Biographie des Komponisten Leverkühn, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht und aus dieser dämonischen Inspiration heraus Meisterwerke avantgardistischer Musik schafft, stellt eine facettenreiche Reflexion über Deutschland, faschistische Ideologie und ihre bürgerlichen Vorformen sowie den Zweiten Weltkrieg und die - so Thomas Mann - "kollektive Schmach" der Deutschen dar.Der Roman war von anfang an heftig umstritten und gibt auch heute noch einen Anstoß zum Denken.


13. Quellen:

Internet:

http://mitglied.lycos.de/ralph_mennicke/Diverse_Abhandlungen/Informationen_ueber_die_Entstehung_von_Goethes_Faust.html
http://www.goethe-museum.com
http://lettersfromthedustbowl.com/faustus.html
http://www.cdrnet.net/kb/data/DE_Goethe.asp


Literatur:

"Goethes Faust- Erster und Zweiter Teil: Grundlagen-Werk-Dichtung", Jochen Schmidt, C.H.Beck Verlag München
"Faust. Der Tragödie erter Treil",Johann Wolfgang Goethe, Ernst Klett Verlag Stuttgart
"Goethes Faust-Werkgeschichte und Textannalyse", Heinz Hamm, Volk und Wissen Verlag GmbH
"Königs Erläuterungen. Faust I", Rüdiger Bernhardt, C.Bange Verlag Hollfeld
"Durchblick. Johann Wolfgang Goethe", Andrea Komp, Mentor Verlag München



Anhang

-Handout-





Die Rezeptionsgeschichte des Werkes "Faust. Der Tragödie erster Teil"
von
Johann Wolfgang von Goethe

Klasse:
Leitung:
Referentin: Kim Rische
Datum:

Gliederung:

1. Die Geschichte des Georgius Faustus
2. Das Faustbuch
3. Christopher Marlowes "The Tragical History of Doctor Faustus"(1588/89)
4. Lessings Faust Fragment
5. Johann Wolfgang von Goethe "Faust Hintergrund
5.1 Urfaust (1773-75)
5.2 Faust. "Ein Fragment" (Italien, 1786-88)
5.3 Faust. Der Tragödie erster Teil. (Weimar,1795-1806)
5.4 Faust.Der Tragödie zweiter Teil.
6. Heinrich Heine und Thomas Mann
8. Quellen


1. Die Geschichte des Georgius Faustus (1460-1539)

Dokumenten zu Folge ist Faust zwischen 1460 und 1470 geboren und zwischen 1536 und 1539 gestorben. Aus den Überlieferungen kann man entnehmen, dass Faust aus Knittlingen bei Maulbronn stammt. In den zuverlässigsten Urkunden wird er Georgius Faustus genannt und später erst, so auch im Faustbuch von 1587, erhält er dann den Vornamen Johann. Faustus ist hier kein Familienname, sondern ein lateinischer Gelehrtenname, wie er im Zeitalter des Humanismus und der Reformation üblich war. Mit dem lateinischen Wort "faustus", das so viel wie "der Glückliche" bedeutet, wollte sich Georgius als humanistisch Gebildeter Mann darstellen und zugleich auch als "Glück bringend" ausweisen. Dies nützte ihm besonders für seine Tätigkeit als Astrologe. Er galt als provokante Außenseiter-Erscheinung. Doch obgleich ein Brief eines Abtes an einen Mathematiker und Hofastrologen Faust des Betruges und eitler Scharlatanerie bezichtigt, wurde Faust weder von verfolgt noch durch weltliche Gerichte inhaftiert.
Faust erwarb im Laufe der Zeit immer neue Fähigkeiten. Er war nicht nur Astrologe, sondern zudem auch ein anerkannter Wissenschaftler. Er war bekannt als Wahrsager und Handleser mit psychologischem Einfühlungsvermögen sowie als Magier für weiße und schwarze Magie. Von der Kirche wurde er als "Schwarzkünstler" bezeichnet und deshalb ausgestoßen. Das störte ihn jedoch nicht, da er die Kirche verabscheute. Faust eignete sich sein Wissen auch im Bereich der Alchimie an. Georgius Faustus hielt sich in Universitätsstädten wie Heidelberg, Wittenberg, Erfurt und Ingoldstadt auf, wo er die Modewissenschaften seiner Zeit, Medizin, Astrologie, Alchemie, bis zur Scharlatanerie betrieb. Dies soll um 1530 geschehen sein. Über seinen Tod sagt man, dass er vermutlich bei einem alchemistischen Explosionsunfall ums Leben gekommen sei. Dies soll um 1539 geschehen sein. Die Meisten glaubten jedoch an die Sage in der es um Faust ging. Faust soll einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben und bei Ablauf der Zeit mit in die Hölle genommen worden sein.

2. Das Faustbuch

Das 1. Faustbuch (1587) «Historia von Johann D. Fausten/ dem weitbeschreyten Zauberer und Schwarzkünstle[...] wurde im Mai 1587 von dem Buchdrucker Johann Spies, in Frankfurt am Main abgedruckt.
Die Geschichten, Anekdoten und Schwänke um Fausts Person wurden um 1556 in Erfurt aufgezeichnet. Diese wurden dann um 1580 von einem Unbekannten zur «Historia vnd Geschicht Doctor Johannis Faustj» zusammengefügt. Teils wortgetreu, teils leicht verändert und um einige Anekdoten erweitert wurde die Geschichte des "Doktor Faustus dann durch Spies. Erstmals gedruckt wurde es unter den Namen «Historia von D. Johannes Fausten, dem weitbeschreyten Zauberer und Schwarzkünstler(...)».
Im Jahre 1599 überarbeitet der Schwabe Georg Rudolff Widmann den Text von Spies. Und nennt es «Erster Teil der Wahrhaftigen Historien ... von Doktor Johannes Faustus».Er hat das Buch von 227 auf 800 Seiten gedehnt und fügte noch viele Abenteuer und moraltheologische Kommentare hinzu. Faust wurde durch dieses Schriftstück abgewertet. Widmann meint, dass er den Teufelspakt nicht aus Wissendrang sondern aus Genusssucht eingeht .Dieses so genannte zweite Volksbuch erlangte keinen all zu hohen Bekanntheitsgrad. Kaum jemand interessierte sich für das Werk.
Viele Jahre später im Jahre 1674 erscheint ein drittes Faustbuch « Das ärgerliche Leben und schreckliche Ende des vier-berüchtigten Ertz-Schwartzkünstlers Johannis Faustj», das von dem Nürnberger Arzt Nikolaus Pfitzner stammt. Er überarbeitete und kürzte das Widmann-Buch. Hier taucht als Nebenmotiv eine schöne arme Magd auf, die bei einem Krämer in der Nachbarschaft dient. Faust verliebt sich in sie. Pfitzner
Im Jahre 1725 erscheint eine neue Fassung des Pfitzner-Buches durch einen Unbekannten, der sich als "Christlich-Meinenden" ausgibt, unter dem Titel «Des durch die ganze Welt berufenen Ertz-Schwartzkünstlers und Zauberers Doktor Johann Fausts, Mit dem Teufel aufgerichtetes Bündnis, Abenteuerlicher Lebens-Wandel und mit Schrecken genommenes Ende». Erstmals erhält der Teufel einen Namen, Mephistopheles. Die arme Magd bleibt erhalten, ist aber weiterhin Nebenmotiv. Vordergründig bleibt das Helena-Motiv, nicht mehr so gewichtig ist das Motiv des ruhelosen Wissenschaftlers und Suchers. Dieses Buch wurde in den folgenden Jahrzehnten immer wieder aufgelegt. Der Unbekannte reduziert die Darstellung auf den blanken Sagenstoff, er befreit von theologischem und moralischem Beiwerk, da er selber nicht an Hexerei glaubt. Das vierte Volksbuch war zugleich auch das Letzte.
3. Christopher Marlowes "The Tragical History of Doctor Faustus"(1588/89)
"The Tragical History of Doctor Faustus" entstand zwischen 1588 und 1589 und greift sehr weitgehend auf das deutsche Faustbuch von 1587 zurück, genauer gesagt ist es eine englische Übersetzung des Buches mit einigen Abwandlungen. Marlowes dramatische Fassung des Faustbuches ist trotz einiger Clown-Partien ein Werk, das Faust erstmals als ernst zu nehmende Figur schildert, die dazu bereit ist alle Grenzen zu durchbrechen und einen Pakt mit dem Teufel zu schließen. Gedruckt, erschien Marlowes Drama jedoch erst im Jahre 1604. Kurze Zeit später wurde es in London zu einem großen Theatererfolg. Es wurde als Bühnenaufführung sowie als Puppenspiel aufgeführt. Im Jahre 1608, nachdem das Theaterstück in England so erfolgreich war, wurde es erstmals auch im deutschen Graz aufgeführt. Nun zogen auch hier die Wanderschauspieler und Puppenspieler durchs Land um die Leute mit dem Werk zu begeistern. Im 17. und 18. Jahrhundert folgten weitere zahlreiche Aufführungen. "The Tragical History of Doctor Faustus" wurde von Generation zu Generation weiter gegeben und im Laufe der Jahre immer mehr verändert. Es wurde vereinfacht, vergröbert und vor allem mit Sensationsnummern und unterhaltsamen lustigen Partien durchsetzt. Damit es auch vom einfachen Volk verstanden wurde. Auch Goethe sah sich dies Puppenspiel bereits als Kind an.
Von wem das Werk ursprünglich stammte, wusste man schon längst nicht mehr. Erst im 19. Jahrhundert entdeckte man Marlowe und sein originales Werk wieder.

4. Lessings Schauspielfragment "Dr. Faust"

Lessing verfasste ein Schauspielfragment das er "Dr. Faust" nannte. Als Aufklärer befasst er sich in dem Stück mit dem Forschungs- und Wissensdrang.
Im 17. Literaturbrief veröffentlicht er ebenfalls eine Szene seines Schauspielfragments. In der Szene testet Faust sieben Geister der Hölle auf ihre Schnelligkeit, weil er vom schnellsten Geist bedient werden will. Jeder Geist behauptet, der schnellste zu sein, aber am Ende gewinnt der Geist, der so schnell ist wie der Übergang vom Guten zum Bösen. Die Szene ist zum Teil lustig, denn Faust ist charismatisch, sarkastisch und ironisch und zeigt keine Angst vor den Geistern. Er behandelt sie herablassend, wie Diener eben. Wie die Szene die Themen Wahrheit, Tugend, Lernen und Vernunft behandelt, ist stark von der Aufklärung geprägt. Sie mischt weltliche und metaphysische Anliegen. In der Einleitung zu der Szene argumentiert Lessing, dass die Faust-Legende für die Deutschen so wichtig ist wie Shakespeare für die Engländer. Erstmals in der Literatur wird Faust gerettet, weil im Sinne der Aufklärung Streben nach Wissen nicht Maßlosigkeit und Aufbegehren gegen Gott bedeutet. Faust ist bei Lessing eine zwar verirrte, aber im Grunde gute Gestalt.

5. Johann Wolfgang von Goethe "Faust" Hintergrund

Marlowes "The Tragical History of Doctor Faustus" als Anregung

Goethe wurde bereits als kleines Kind von einem Puppenspiel über "Dr. Faust", dessen Ursprung aus der Feder Christopher Marlowes stammt, stark beeindruckt. In seinem Werk "Dichtung und Wahrheit" schreibt er: " Die bedeutende Puppenspielfabel [...] klang und summte gar vieltönig in mir wider. Auch ich hatte mich in allem Wissen umhergetrieben und war früh genug auf die Eitelkeit desselben hingewiesen worden". Von dem Eingangsmonolog, der in die Puppenspielerfassung mit übernommen wurde, war Goethe beeindruckt.

Der Kindsmordprozess gegen Susanna Margaretha Brandt: Frankfurt 1771 - 1772

Vom Spätsommer 1771 bis Januar 1772 fand in Frankfurt, ein Prozess gegen die Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt statt. Die 24jährige Dienstmagd des Gasthauses "Zum Einhorn", wurde von einem durchreisenden holländischen Kaufmann verführt. Die beiden zeugten ein Kind. Susanna Margaretha brachte das Kind heimlich zur Welt und tötete es aus Angst von der Gesellschaft verstoßen zu werden. Der Mord an ihrem Kind, kam jedoch bald zum Vorschein und sie wurde zum Tode verurteilt. Der Onkel Goethes, Johann Jost Textor, wirkte bei den Verhören der Angeklagten mit. Goethe hat den Prozess mit großem Interesse vom Anfang bis zum Ende verfolgt. Es ist anzunehmen, dass er einen Teil dieses Geschehens in die Gretchenhandlung des Faust I, miteinfließen ließ, womit sich erklären lässt warum man in Goethes Haus Abschriften aus den Prozessakten fand.

5.1 Urfaust "Goethes Faust in ursprünglicher Gestalt"( 1773-1775)

Den "Urfaust" schrieb Goethe als junger Mann. Er hat ihn nie veröffentlicht. Die frühesten Dokumente des Faust, die man bis heute kennt, ist die von der Hand des Weimarer Hoffräuleins Luise von Göchhausen. Erich Schmidt hatte den Text 1887 in deren Nachlass entdeckt und unter dem Titel "Goethes Faust in ursprünglicher Gestalt nach der Göchhausenschen Abschrift" herausgegeben. Lange Zeit war nicht klar woher diese Abschriften stammten. Vom Sommer 1773 an bezeugen Briefe von Zeitgenossen mehrfach, dass Goethe sie mit Passagen aus einem "Doktor Faust" bekannt gemacht hat. Goethe selbst erwähnt seine Arbeit an dem Stück erstmals am 17. September 1775. In Weimer las er dann der Hofgesellschaft, wie berichtet wird, mehrmals aus seinem Stück vor. Man kann davon ausgehen, dass sich unter dieser Gesellschaft auch das Hoffräulein Göchhausen befand, die den "Urfaust" später abschrieb. Diese frühe Fassung des "Faust" ist ein Werk der Literaturepoche "Sturm und Drang" und ist zum Teil in Prosa geschrieben. Bis dahin Bestand der "Urfaust" aus 17 Szenen.

5.2 Faust "Ein Fragment"(Italien, 1786-1788)

,,Faust. Ein Fragment" ist eine Umarbeitung des "Urfaust", manche Szenen wurden überarbeitet, eingeschoben, weggelassen oder blieben bestehen.
Zum Beispiel hat die Schülerszene bereits ihre endgültige Form, die Gretchenszenen wurden kaum geändert, in ,,Auerbachs Keller" führt nicht mehr Faust, sondern Mephistopheles das Zauberkunststück vor.Die Szene in ,,Wald und Höhle" wurde eingeschoben und es gibt schon Gespräche zwischen Faust und Mephisto vor der ,,kleinen" Weltfahrt.
Goethe überarbeitete das Werk im Sinne der Klassik in Italien. Er ersetzte alle Prosateile durch Verse. Da Goethe glaubte, dass er das Werk nie zu einem befriedigenden Ende bringen würde, veröffentlichte er es 1790 als Fragment. Schiller motivierte Goethe zur Vollendung des Stücks.

5.3 Faust. Der Tragödie erster Teil (Weimar, 1795-1806)

Unter Schillers Drängen geht Goethe im Juni 1797 wieder an den "Faust". Zunächst entwirft er ein ausführliches Schema, um sich Klarheit über den Handlungsverlauf zu verschaffen und um die bisher geschriebenen Teile des Fausts zu ordnen. Nun konnte er strukturiert weiterarbeiten und die Lücken schließen. Die endgültige Ausführung der Wette zwischen Faust und Mephisto verbindet die Faust -und Gretchenhandlung. Außerdem entstand die dreiteilige Eröffnung des Fausts mit der Zuneigung, dem Vorspiel auf dem Theater und dem Prolog im Himmel. Die Szenen mit Valentins Tod und der Walpurgisnacht sowie der Abschluss der Gretchenhandlung wurden neu geschrieben bzw. überarbeitet, wenn sie bereits im Urfaust vorhanden waren.
Von 1798-1801 scheint es die schwierigste Arbeitsphase am Faust zu sein. Schiller befürchtet mehrmals Goethe würde sein Werk endgültig niederlegen. Doch 1800 ist der erste Teil konzeptionell durchgebildet, aber noch nicht vollendet. Als Schiller im Jahre 1805 stirbt, ist dies ein großer Verlust für Goethe und er zieht sich in sein Haus zurück. Im Frühjahr 1806 wird Faust I dann vollendet, aber erst zwei Jahre später veröffentlicht.
5.4 Faust. Der Tragödie zweiter Teil (Weimar,1797-1800 und 1825-1831)
Das offene Ende von Faust I weist auf die Fortsetzung Faust II hin.Schon 1797 bis 1800 verfasste Goethe den fünften und letzten Akt von Faust II. Doch dann ruhte die Arbeit rund 20 Jahre lang. Johann Peter Eckermann, ein vertrauter und enger mitarbeiter Goethes, gelang es 1825 durch mehrmaliges Drängen, Goethe zur Weiterarbeit zu bewegen. Bis 1831 arbeitete er regelmäßig an dem Werk. Nach der Vollendung versiegelte er es und bestimmte, dass es erst nach seinem Tod veröffentlich werden sollte. So geschah es dann auch 1832.
6. Heinrich Heine und Thomas Mann
Heinrich Heines "Der Doktor Faust. Ein Tanzpoem" (1846-1847)
Heinrich Heines Ballett " Der Doktor Faust. Ein Tanzpoem"wurde1851 veröffentlicht. Heine hatte es bereits 1846/47 geschrieben. Mephistopheles ist hier Mephistophela und erscheint zuerst als Balletttänzerin. Heine baut viele Tanzarten, u.a.  pas de deux , Quadrillen, Reigen und Ronden, Polkas, Menuette, griechische Kampftänze und Bachantentänze, eine antike Humoreske und einen Großvatertanz ein.
Thomas Mann "Doctor Faustus" (1947)
Thomas Manns Roman Doctor Faustus-Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freund" erscheint im Jahre 1947. Mann überträgt Motive des Faustbuches auf die Biographie des Tonsetzers Adrian Leverkühn, die zum Spiegel der gesellschaftlich-politischen und geistigen Krise in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts wird. Das Werk ist mit einer zeitgenössischen Handlung versehen worden, ist aber trotzdem noch immer stark an den Pakt mit dem Teufel gebunden sowie es auch in Faust I ist. Die eigentliche Unterzeichnung des Paktes mit dem Teufel erfolgt, als Adrian sich mit einer Prostituierten einlässt, obwohl sie ihn vor ihrer Krankheit gewarnt hatte. Hier beginnt auch die Frist bis zum Tod. Seine geistige Umnachtung im Verlauf der Krankheit soll ein Vergleich zum nationalistischen Deutschland sein. Vor dem Teufelsgespräch spricht er aber nur selten von der Kriegslage, nach dem Gespräch aber immer häufiger. Eine komplette Verknüpfung erfolgt aber erst im letzten Satz des Buches: "Ein einsamer alter Mann faltet seine Hände und spricht: Gott sei eurer armen Seele gnädig, mein Freund, mein Vaterland.
Quellen:

Internet: http://www.goethe-museum.com , http://lettersfromthedustbowl.com/faustus.html

Literatur: "Goethes Faust- Erster und Zweiter Teil: Grundlagen-Werk-Dichtung", Jochen Schmidt, C.H.Beck Verlag München

"Goethes Faust-Werkgeschichte und Textannalyse",

"Durchblick. Johann Wolfgang Goethe", Andrea Komp, Mentor Verlag München
Oldenburg,20.2.2004
Inhalt
Die Datei handelt von der Rezeptionsgeschichte des Werkes "Faust- Der Tragödie erstern Teil" von Johann Wolfgang von Goethe.

Ich behandel in dem Referat Gebiete wie z.B. das Faustbuch, den realen Dr. Faust, wer er war und was über ihn gesagt wurde, das Theaterstück "The tragical history of doctor Faustus" von Christopher Marlowe. Darüberhinaus werden Ereignisse genannt , die in Goethes Faust mit eingeflossen sind, wie z.B der Kindsmordprozess von Susanna Margaretha Brandt, es wird etwas über den Urfaust, Faust I und Faust II erzählt und natürlich wie das Werk aufgenommen wurde. (5796 Wörter)
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30.11.2004 von unbekannt
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