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Lehrbuchseite über John Rawls Gerechtigkeitstheorie

Alles zu Recht und Gerechtigkeit

John Rawls


Der US-amerikanische Philosoph John Borden Rawls wurde am 21. Februar 1921 in Baltimore geboren. Bevor er 1964 als Professor für Politische Philosophie an der Harvard University arbeitete, wo er fast vierzig Jahre blieb, besuchte er Hiroshima nach dem Abwurf der Atombombe. Die Folge dieses Besuches war, dass er eine Offizierskarriere ablehnte, und die Armee im untersten Dienstgrad eines Privates 1946 verließ. Seine bedeutendsten Werke waren „A Theory of Justice“ (1971), mit dem er den egalitären Liberalismus begründete, „Political Liberalism“ und „The Law of Peoples“, worin er seine wesentlichen Standpunkte zum Völkerrecht als Inhalt gebrauchte. Rawls gilt als wesentlicher Vertreter der liberalen politischen Philosophie. Er bestimmte die Rolle der Gerechtigkeit als erste Tugend sozialer Intuitionen. Er war der Überzeugung, dass die Aufgabe der Gerechtigkeitsgrundsätzen darin besteht die Grundstruktur der Gesellschaft festzulegen, das heißt die Zuweisung von Rechten, Pflichten und die Verteilung der Güter. Am 24. November 2002 starb er in Lexington (Massachusetts).
Die Voraussetzungen für seine Gerechtigkeitstheorie
Rawls geht davon aus, dass Gerechtigkeit die wichtigste Tugend sozialer Institutionen ist. Er stellt die Frage, welches politische Arrangement wir wählen würden, wenn wir uns frei und ohne Parteilichkeiten entscheiden könnten.

Als Voraussetzung für eine wirklich unbeeinflusste Entscheidung entwirft Rawls das Szenario einer Versammlung, in der die einzelnen durch einen ,Schleier des Nichtwissens“ von ihren Eigeninteressen getrennt werden. Genauer: Niemand weiß um seinen sozialen Status, um seine körperlichen und geistigen Gaben, um seine Lebensziele und -einstellungen oder auch um den genaueren Charakter der derzeitigen Gesellschaftsform. Demgegenüber haben alle Mitglieder der Versammlung ein gleiches Grundwissen, das die generellen Prinzipien von Wirtschaft, sozialer Organisation, Psychologie und Politik beinhaltet. Durch diese Verallgemeinerung der Personen wird die Entscheidungsfindung erheblich vereinfacht. Es wäre also ausreichend die Wahl einer zufällig ausgewählten Person zu betrachten. Rawls Ziel ist es, dass die wahrscheinlich gewählte Gesellschaftsform, einer gerechten entsprechen würde. Vor allem stützt sich diese Hoffnung darauf, dass nur nach generellen Erwägungen entschieden wird.Es wird davon ausgegangen, dass die Bevölkerung mit der gewählten Gerechtigkeitskonzeption größtenteils konform geht und sich hauptsächlich für die eigenen Belange interessiert. Nachdem diese Vorüberlegungen abgeschlossen sind, ist unter Berücksichtigung dieser, eine Entscheidung für eine Gerechtigkeitskonzeption zu treffen. Danach folgt eine systematische Auswahl unter diesen Möglichkeiten. Als Alternativen stehen hier zur Auswahl:
Die Maximin-Strategie, die zur Auswahl der Alternative führt, die im schlechtesten Fall das für den Entscheidenden beste Ergebnis bringt.
Die Maximax-Strategie, nach der die Alternative zu wählen ist, die im besten Fall zum besten Ergebnis führt.
Die Nutzenmaximierungs-Strategie, bei der alle möglichen Resultate einer Alternative jeweils mit ihrer Wahrscheinlichkeit gewichtet werden und die Summe den Ausschlag gibt.
Gegen die Maximax-Strategie spricht ihr Risiko: Ein Mitglied der Versammlung könnte sich ihr zufolge z. B. für eine absolute Monarchie entscheiden, da es dann im besten Fall absolutistischer Herrscher werden könnte. Dabei würde allerdings nicht berücksichtigt, dass es im Absolutismus nur eine einzige derartige Position zu besetzen gilt, während alle anderen sehr viel schlechter abschneiden.
Gegen die Nutzenmaximierungs-Strategie spricht lt. Rawls, dass die Wahrscheinlichkeiten und die Bewertungen der Resultate wohl kaum exakt zu ermitteln sind. Es ist z. B. an eine Gesellschaftsform zu denken, in der es der Mehrheit sehr gut, einer kleinen Unterschicht jedoch sehr schlecht geht.

Übrig bleibt demnach die Maximin-Strategie. Rawls zufolge werden bei Anwendung dieser Strategie voraussichtlich die folgenden zwei Prinzipien als öffentlich anerkannte Gerechtigkeitskonzeption ausgewählt. Diese Prinzipien bilden die Grundsätze seiner Gerechtigkeitstheorie:
1. Jede Person hat ein gleiches Recht auf ein umfangreiches System gleicher Grundrechte und Grundfreiheiten, das mit dem gleichen System für alle anderen vereinbar ist.
2. Soziale und ökonomische Ungleichheiten müssen zwei Bedingungen erfüllen: erstens müssen sie mit Ämtern und Positionen verbunden sein, die allen unter Bedingungen fairer Chancengleichheit offen stehen, und zweitens müssen sie zum größten Vorteil der am wenigsten begünstigten Mitglieder einer Gesellschaft sein.
Von diesen Prinzipien hat das erste den Vorrang und innerhalb des zweiten hat die Chancengleichheit Vorrang vor dem sog. Differenzprinzip (d.h. das Prinzip, dem zufolge soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten zum größten Vorteil der Benachteiligten sein müssen). Außerdem hat Gerechtigkeit Vorrang vor Effizienz und Wohlfahrt. Die Auswahl dieser Prinzipien nach der Maximin-Strategie wird von Rawls damit begründet, dass das zweite Prinzip für das Wohlergehen
der Benachteiligten sorgt und das erste auch ihnen die Freiheit erhält. Dazu kommt, dass diese Prinzipien jedem die Selbstachtung garantieren, auch dies verbessert die soziale Kooperation.
Nach der Festlegung der Grundprinzipien wird der Schleier des Nichtwissens teilweise gelüftet. Generelle Fakten wie z. B. die ökonomischen Grundlagen und die politische Kultur werden bekannt gegeben, mit diesem Wissen wird eine Verfassung entworfen. Dann wird wiederum mehr bekannt, es werden Gesetze geschaffen, und schließlich wird der Schleier vollständig gehoben und das Leben bzw. die Gesetzesanwendung in der neuen Gesellschaft beginnt.
Folgerungen aus den Prinzipien

Am Beispiel der liberalen Demokratie erläutert Rawls die Umsetzung seiner Theorie bei einer möglichen Verfassung. Um die Theorie umsetzen zu können, leitet er aus seinen Prinzipien eine Reihe von Anforderungen an die Verfassung ab. :
Der Staat muss als ein Zusammenschluss gleicher Bürger agieren.
Es darf keine offizielle Philosophie oder Religion geben, dem einzelnen muss ein Rahmen für den individuellen Umgang mit diesen Themen gewährleistet sein. Dieser Rahmen muss eigenen Prinzipien entsprechen, auf die sich die Gesellschaftsmitglieder unter dem Schleier des Nichtwissens geeinigt hätten.
Die Freiheit darf nur beschränkt werden, um Ordnung und Sicherheit dem gemeinsamen Interesse entsprechend zu wahren. Auch hier sind Grundsätze zu befolgen, wie sie auch unter dem Schleier des Nichtwissens beschlossen worden wären.
Freiheit darf nur zugunsten von Freiheit eingeschränkt werden. Gewissensfreiheit muss allen in gleichem Maße gewährt werden, und wenn die Verfassung gesichert ist, gibt es keinen Grund, nicht auch den Intoleranten Freiheit zu gewähren.
Für die Durchsetzung der Anforderungen der Freiheit ist es nötig das ein Rechtsstaat vorhanden ist. Durch die Umsetzung der Freiheit wurde die Macht der Exekutive und Legislative eingeschränkt Bei unserem Beispiel ist es auch wichtig die Wirtschaftsordnung zu beachten, denn hier ist das zweite Prinzip von Rawls von Wichtigkeit. Laut Rawls kann man die Chancengleichheit in der Wirtschaft durch die Kontrolle des Verhaltens der Unternehmen, Vorbeugung vor Monopolen und durch die Garantie eines Mindesteinkommens erreichen. Doch wozu soll die Verhaltenskontrolle dienen?
Im Preissystem einen angemessenen Wettbewerb zu erhalten und die Bildung von übermäßiger wirtschaftlicher Macht zu verhindern -- Abwägungsgrundlage sind hier die Pareto-Optimalität, geographische Tatsachen und die Wünsche der Haushalte. Den hierfür zuständigen Bereich des Staates nennt Rawls die ,Allokationsabteilung``.
Vollbeschäftigung der Arbeitswilligen, freie Berufswahl und adäquate Verdienstmöglichkeiten zu gewährleisten und um die Effizienz der Wirtschaft aufrechtzuerhalten. Hierfür zuständig ist lt. Rawls die ,Stabilisierungsabteilung`` des Staates.
Soziale Mindeststandards wie z. B. ein Existenzminimum für alle zu garantieren. Dies wird von der ,Umverteilungsabteilung`` geleistet.
Durch Besteuerung und eventuell auch durch Anpassung der Eigentumsrechte die Verteilung ungefähr gerecht zu gestalten. Zu denken ist hier z. B. an Schenkungs- und Erbschaftssteuern, die eine Streuung des Eigentums begünstigen, oder an allgemeine Steuern, durch die der Staat die Mittel z. B. für die Sicherung des Existenzminimums erhält. Dies fällt in den Bereich der ,Verteilungsabteilung“
Bei dieser Beispielbetrachtung muss beachtet werden das es sich hierbei um Ideale handelt dennoch wirkt dieses System auch wenn nicht alle Anforderungen voll erreicht werden. Erst wenn es zur wiederholten Missachtung der Freiheit kommt und selbst der gerichtliche Rechtsschutz nichts erzielen kann, sieht Rawls nur eine gerechtfertigte Lösung. Nämlich die des zivilen Ungehorsams und in Extremfällen auch Rebellion.
1. Vergleichen Sie Rawls Anforderungen an einer ihnen bekannten Verfassung (USA, GB, D)
2. Finden Sie Kritikpunkte bei der Umsetzung dieser Theorie in die Praxis
3. a) Warum würden sich Menschen für diese Gerechtigkeitsprinzipien entscheiden?
b) Würden auch Sie sich dafür entscheiden, begründen Sie ihre Meinung?
Beachten Sie bei ihrer Begründung Vor- und Nachteile dieser Theorie.
John Rawls Gerechtigkeitstheorie
John Rawls Gerechtigkeitstheorie
Inhalt
Wir hatten die Aufgabe eine eigene Lehrbuchseite über die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls zu erstellen. inkl. Aufgabenstellungen
1) John Rawls - Biographie
2) Die Voraussetzungen für seine Gerechtigkeitstheorie
3) Folgerungen aus den Prinzipien
4) Fragen dazu (1259 Wörter)
Hochgeladen
26.09.2004 von unbekannt
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