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Gedichtvergleich Birken " Lenz" & Harsdörffer "Der Frühling"

Alles zu Gedichte und LyrikGedichtvergleich Sigmund von Birken " Lenz" und Georg Philipp Harsdörffer "Der Frühling"

In dem Gedicht "Willkommen Lenz" verfasst von Sigmund von Birken und veröffentlicht im Jahr 1645 wird die Jahreszeit Frühling von ihrer schönsten Facette dargestellt.
Das Gedicht besteht aus einem einzigen Satz, der in 12 Verse unterteilt ist und keine Strophenunterteilung hat. Der lyrische Text weist eine Ringstruktur mit einer Mittelachse auf durch die Wiederholung der Apostrophe "Willkommen Lenz!" (V.1, V.6, V.12), was dem Gedicht eine gliedernde Struktur verleiht. Dieses für die Barockzeit untypische Chaos im Gedicht wird somit durch die Ringstruktur noch gebändigt. Des weiteres wird als Metrum ein 5 hebiger Jambus verwendet. Die verschlungene Reimkette besteht aus 2 Reimklängen mit einer Weise am Ende, was das Gedicht trotz des Fehlens der Strophenunterteilung überschaubar macht. Die a-Reime haben eine klingende und die b-Reime eine männliche Kadenz.
Zu Beginn des Gedichts fällt die feierliche Begrüßung des Frühlings "Willkommen Lenz!" (V.1) in Form einer Apostrophe ins Auge. Dieses wird im Gedicht 2x wiederholt und bildet die zuvor genannte Ringstruktur indem das lyrische Ich den Frühling mehrmals benennt. Daraufhin werden schlagartig Qualitäten und die Gaben des Frühlings, wie "Blumen-Vater" und "Natur ihr Pinsel" (V.2) durch eine Akkumulation hervorgehoben (V.1 ff.). Zahlreiche Personifikationen des Frühlings durch Verkörperungen, wie "Jahres Mann"(V.2) untermalen die effektive Wirkungskraft des Frühlings. Die Dynamik und Eigenmächtigkeit dieser Jahreszeit, die der Poet betonen möchte werden hier auf den Punkt gebracht. Die mit den Personifikationen gekoppelte Neologismen, wie "Leid- und Schnee-Verschlinger" (V.9) deuten auf die Bemühung des Dichters hin, den Frühling in höchsten Tönen zu lobpreisen und die Schönheit der Wirklichkeit zu übertreffen, indem er neue Topoi schafft. Zudem weist das Gedicht eine sehr bildhafte Sprache auf, wie "verschmelzst des Winters Eise-Schuh" (V.5), die den Umbruch von Winter zu Frühling verdeutlichen und somit die Jahreszeit Frühling intensivieren. Die Apostrophe und die darin integrierte direkte Ansprache des Frühlings mit "du" bringt die Nähe des lyrischen Ichs zum Frühling zum Ausdruck (V.8-9). Der Dichter benutzt den poetischen Ausdruck "Lenz" für den Frühling, was mit den restlichen poetischen Metaphern im Text im Einklang steht.
Die Sprache und der Inhalt stehen in direktem Bezug zueinander. Der Frühling wird direkt angesprochen und von dem lyrischen Ich enthusiastisch willkommen geheißen, was die emotionale Nähe des Frühlings zum Frühling untermalt. Hierdurch wird der Eindruck erzeugt, dass der Frühling als die Schönste Jahreszeit, die nach dem trüben und traurigen Winter einen Umschwung im Leben erzeugt, die Lebensfreude wiederbringt. Die dargestellten Qualitäten und Gaben des Frühlings sind Buntheit, Schönheit, Maler der Natur, der die Lebens- und Liebeslust anregt, wie es auch bereits anhand der Stilmittel herausgearbeitet wurde. Der Frühling wird als "bezünger" (V.11) dieser Vergnügen dargestellt und verleiht ihnen eine Sprache. Das Gedicht versteht sich als enthusiastischer Wilkommensgruß des Frühlings und betont die Wichtigkeit seiner Existenz. Der Dichter möchte somit dieselbe begeisterte Reaktion im Denken und Fühlen beim Leser erzeugen, die er beim Schreiben des Gedichts empfunden hatte. Durch barocktypische Motive, wie "carpe diem" und die daraus folgernde Aufwertung des Diesseits überträgt das lyrische Ich seine Emotionen auf den Leser.
Im Gedicht "Der Frühling", verfasst von Georg Philipp Harsdörffer und veröffentlicht im Jahr 1644 wird ebenfalls der Frühling mit seinen Gaben und seiner hochgepriesenen Erscheinung thematisiert, wobei zum Schluss Bezug auf die Schönheit im Jenseits genommen und das Prunkvolle des Diesseits als Illusion dargestellt wird.
Die Form unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von dem Gedicht Birkens. Dieses Gedicht weist einen regelmäßigen Strophenaufbau auf mit 6 Strophen, die jeweils aus 8 Versen bestehen. Das Metrum ist unregelmäßig wobei das strukturierte Reimschema auch hier den Chaos des Dreißigjährigen Krieges bändigt und der Realität entgegenwirkt. Zwei Kreuzreime bilden hier jeweils eine Strophe. Im Großen und Ganzen ist das Gedicht Harsdörffers somit strukturierter als das von Birken und ist somit der barocktypischen Struktur ähnlicher.
Eine wesentliche Gemeinsamkeit der beiden Gedichte sind die zahlreichen Personifikationen, wie "Blumen-Mann" (V.3) mit denen die Belebtheit des Frühlings zum Ausdruck gebracht werden sollen. Auch Metaphern, wie "neubegrünter Teppich" (V.15), der für das frische Gras steht, finden in den beiden lyrischen Texten oft ihre Verwendung. Alliterationen, wie "froh Frühling " (V.1) und "Tepicht tischt"(V.15) sind neue Stilmittel, die im Gedicht zuvor nicht vorkamen. Des weiteres weist das Gedicht Binnenreime auf "Schnee; Klee" (V.2), die immer wieder auf den Frühling hinweisen. Weiterhin ist ein Pleonasmus "schönste Schönheit" (V.23) zu erkennen, der das Prachtvolle des Frühlings untermalt. Eine entscheidende Gemeinsamkeit ist hier die Verwendung des poetischen Ausdrucks für den Frühling "Lenz", was das Hauptaugenmerk des ersten Gedichts war. Einen inhaltlichen aber auch sprachlichen Umbruch bildet das Gedicht in der letzten Strophe, wenn Gott zum Adressaten des Gedichts wird und in Form einer Apostrophe mit "ach, Gott" (V.18) angesprochen wird. Die Metapher "schnöde Zier" (V.24) steht für de Erscheinung des Frühlings und wird mit einer weiteren Metapher, dem "eitle[n] Koth" verglichen. Diese stilistischen Mittel weisen auf die Unbedeutsamkeit der weltlichen Schönheit hin und betonen deren Vergänglichkeit. Beide Gedichte gestalten das Thema "Frühling" somit sprachlich kunstvoll aus und personifizieren zudem den Frühling an zahlreichen Stellen des Textes. Dieses ruft beim Leser ähnliche metaphorische Bilder hervor.
Auch inhaltlich weist das Gedicht von Harsdörffer viele Parallelen aber auch einige Unterschiede zum Gedicht Birkens auf. Der Frühling ist diesmal nicht der Adressat des lyrischen Ich, sondern es wird über ihn gesprochen, was auch am eingeschränkten Enthusiasmus des lyrischen Ichs erkennbar ist. Es werden die gleichen Topoi wieder wie bei Birken, wie die Buntheit, Blumen-Mann und Erwachen der Erde herangezogen. Neu ist hier der Fokus darauf, dass der Frühling den Tieren Nahrung spendet (V.15ff.). Eine Wendung erfolgt in der letzten Strophe, die in eine ganz andere Richtung als Birkens Gedicht führt. Der Frühlingspreis wird hier zu einem Gebet, in dem das lyrische Ich seine Bitte an Gott richtet, seine Gabe, als die der Frühling nun erscheint, den Menschen zur Vorbereitung auf das Paradies hinführen möge (V.18ff.). In das Gebet schließt das lyrische Ich den Leser durch die wir-Form mit ein (V.23; 25) und erzeugt ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Die vorher so gefeierte Pracht des Frühlings wird nun mit dem krassen Wort "Koth" (V.28) völlig abgewertet angesichts des Inbegriffs aller Schönheit, die der Mensch im Paradies schaut. Das Gedicht versteht sich somit als Loblied auf Gott und erzeugt durch die Abwertung des Diesseits ("Koth") und die Hinwendung zum Jenseits auch eine Nähe zu Gott. Dieses Motiv ist auf das barocktypische "memento mori" und Vanitas Motiv zurückzuführen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die beiden Gedichte sich trotz gleicher Thematik im Wesentlichen in der Umsetzung unterscheiden, wie der Frühling letztendlich dargestellt wird. Während das erste Gedicht von Birken auf das Prachtvolle des Diesseits hinweist, möchte Harsdörffer uns die Botschaft vermitteln, den Tod und das Paradies zu bedenken und uns nicht durch die Illusion der Schönheiten im Diesseits verführen zu lassen.
Inhalt
Gedichtvergleich der Gedicht von Sigmund von Birken " Lenz" und Georg Philipp Harsdörffer "Der Frühling" über Inhalt, Sprache, Form (1209 Wörter)
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03.03.2014 von sunny97
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