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Facharbeit: Textgebundene Erörterung zum Thema "Facebook und Manipulation"

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Werden Facebook-Nutzer als Versuchskaninchen missbraucht?

Textgebundene Erörterung


In der Zeit Online erschien am 03. Juli 2014 ein Bericht mit dem Titel "Facebook-Nutzer als Versuchskaninchen", verfasst von Johannes Wendt und Patrick Beuth. Kernaussage ist der Umstand, dass Facebook-Nutzer von Facebook selbst als Versuchskaninchen missbraucht werden. Anlassfall war die Veröffentlichung einer Studie, in der hervorgeht, dass die Nachrichten von 700.000 Mitgliedern durch gezielte Selektion manipuliert wurden. Ob der Facebook-Nutzer tatsächlich als Versuchskaninchen missbraucht wird, soll dieser Text beleuchten.

Die Verfasser beginnen einleitend mit der These, dass Forscher des Facebook-Science-Teams versucht haben sollen, die Emotionen von Facebook-Nutzern zu manipulieren. Sie hätten damit Hunderttausende zu Versuchskaninchen gemacht. Ziel der Studie sei gewesen, herauszufinden, wie die User auf vorwiegend negative im Gegensatz zu vorwiegend positiven Meldungen reagieren. Hierfür seien die Meldungen der nichtsahnenden Studienteilnehmer insoweit manipuliert worden, dass sie eine Woche lang entweder hauptsächlich positive oder hauptsächlich negative Meldungen erhalten haben sollen. Das Ergebnis der Studie gehe eindeutig in die Richtung, dass die Nutzer sich von den erhaltenen Meldungen anstecken ließen und selbst, je nach Art der Meldungen, entweder hauptsächlich positive oder hauptsächlich negative Postings eingestellt hätten. Der Link zur Studie ist im Text auffindbar. Es handelt sich hierbei eindeutig um einen Fakt.

Erwähnung findet außerdem der Umstand, dass die Studie ohne das Wissen der Probanden durchgeführt worden wäre. Auch sei in der Datenverwendungsrichtlinie bis Abschluss der Studie nichts über die Verwendung der Nutzerdaten zu Studienzwecken gestanden. Facebook hätte die Richtlinie erst nachträglich verändert. Dies hätte das Magazin "Forbes" aufgedeckt. Es könnte sich hier um ein Scheinargument handeln, dass sich als AutoritätsArgument tarnt. Die erwähnte Autorität ist ein Magazin, dessen autoritäre Stellung angezweifelt werden kann.
Sollte Facebook tatsächlich die Datenverwendungsrichtlinien, denen der Nutzer mit dem Beitritt zustimmt, nachträglich verändert haben, handelt es sich auf jeden Fall um eine kriminelle Vorgehensweise, die dem Delikt des Schweren Betruges zugeordnet werden kann.

Als weiteres Argument führen die Verfasser Wendt und Beuth die bestehenden ethischen Anforderungen an eine wissenschaftliche Studie an, für die es in den USA einen Kodex gäbe und mit der deutschen Ethikkommission vergleichbar sei. Als Beispiel findet die Regel Erwähnung, die besagt, dass die Teilnehmer eine Einverständniserklärung unterzeichnen müssten. Diese dürfte aber nicht die Zustimmung zu einer möglichen Studie enthalten. Auch nach Abschluss der Studie müssten die Teilnehmer erfahren, dass sie tatsächlich Teilnehmer waren. Facebook hätte die 700.000 Nutzer nicht über die Studie informiert.
Ein normatives Argument ist nicht immer haltbar. Moral ist gesellschafts- und zeitabhängig veränderbar. Trotzdem sollte sich jeder Nutzer darüber im Klaren sein, dass alle Informationen, die er in Facebook speichert, zu Studienzwecken benutzt werden können. Die Tatsache, dass Wissenschaftler sich für das Verhalten einzelner Nutzer in Facebook interessieren, sollte all jene zum Nachdenken bewegen, die sich darin bewegen.

Zur Frage, ob die Studie von unabhängiger Stelle überprüft worden wäre, trifft Susan Fiske, die Studien- Verantwortliche an der Princeton University, die Aussage, dass für Unternehmen nicht die gleichen ethischen Maßstäbe gelten könnten wie für Universitäten und staatliche Stellen. Dieses Scheinargument muss zurückgewiesen werden, da hier eine unzureichende Begründung vorliegt. Beispiele fehlen. Das Argument ist unvollständig.

Als letztes Argument führen die Verfasser den Umstand an, dass laut Wall Street Journal bereits viele solcher Versuche durchgeführt worden wären. Ein Mitglied der Gruppe hätte der Zeitung gesagt, es gäbe praktisch keine Aufsicht. Diese Aussage stellt ein empirisches Argument dar, weil es durch Beispiele gestützt wird, die sich auf subjektive Erfahrungen stützt, die nicht verallgemeinert werden können. Nichtsdestotrotz neigt der Leser dazu, diesem Argument glauben zu schenken, schon alleine der Tatsache wegen, dass die genannte Studie tatsächlich existiert und auch keiner seriösen Aufsicht unterlegen ist.

Obwohl die Verfasser sich oftmals auf Berichte anderer Zeitungen und Magazine berufen, die nicht als tatsächliche Autoritäten angesehen werden können, ist man geneigt, der Argumentation Glauben zu schenken. Die Thesen werden ausreichend begründet. Die Argumente beweisen überwiegend die Thesen. Die Argumentationskette ist logisch. Argumente werden durch Beispiele und Belege gestützt. Die Stützungen stehen im engen Bezug zum Argument. Die Schlussfolgerung ist logisch. Auf Verallgemeinerung wird verzichtet, die Argumentation ist sachlich und fair. Der Gegner wird nicht persönlich angegriffen. Die Gedankenführung ist durchgehend nachvollziehbar. Sie führt vom FaktenArgument, dem stärksten Argument im Text, zu den Hintergründen der Studie sowie der Datenverwendungsrichtlinie, weiters zu ethischen Bedenken und abschließend zu dem Argument, dass es sich nicht um die einzige Studie dieser Art handeln würde. Das Argument von Susan Fiske, dass für Unternehmen nicht die gleichen ethischen Maßstäbe gelten könnten wie für Universitäten und staatliche Stellen, muss zurückgewiesen werden. Meiner Ansicht nach müssten hier nicht nur die gleichen, sondern sogar dieselben Maßstäbe gelten. Wenn die Aussage von Susan Fiske zutreffen würde, dann müsste eine Ethikkommission mit zweierlei Maß messen. In ein- und derselben Gesellschaft kann Moral nicht für gewisse Gruppen mehr gelten als für andere.

Nebenbei soll noch erwähnt werden, dass die Manipulation von Information nicht nur bei Facebook eine übliche Vorgangsweise sein dürfte, sondern auch viele andere Plattformen auf diese Art ihre Nutzer in die gewünschte Richtung lenken wollen. Gängige Manipulationstechniken werden beispielsweise auf der Internetseite von media-youth.org, einer Organisation, die jungen Menschen Medienkompetenz vermitteln möchte, vorgestellt. Wer die Wörter "Manipulation Internet" in Google eingibt, erhält spannende 48.800.000 Ergebnisse. Darunter beispielsweise Titel wie "Das Internet und die MassenManipulation" von blog.karlshochschule.de oder "Gezielte Manipulation vertrauensseliger Internetnutzer" von nzz.ch.

SPRACHLICHE ANALYSE:


Der Text ist durch Überschriften und Absätze übersichtlich gegliedert. Wendt und Beuth bleiben durchgehend sachlich, objektiv, informativ und verzichten auf den Ich-Bezug, was dem Bericht als jorunalistischer Darstellungsform gerecht wird. Eigene Meinungen finden, wie in dieser Darstellungsform üblich, keine Erwähnung. Sie verwenden dabei eine leicht zu verstehende Sprache, um den Adressatenbezug herstellen zu können. Es sollen Internetnutzer jeden Alters und jeder Bildungsschicht angesprochen werden, was ihnen auch durchwegs gelingt. Dass häufig Abstrakta im Text vorkommen, zeigt auf, dass es sich um kein leicht greifbares Thema handelt. Die Schlüsselwörter sind Facebook, Experiment, Studie, Emotionen und Gefühle.
Die Aussageabsicht der Verfasser ist dennoch zu erkennen: Sie raten den Nutzern zu mehr Vorsicht und einem sensibleren Umgang mit dem Internet. Contra-Argumente lassen sie dennoch nicht ganz unter den Tisch fallen. So wird auch darüber informiert, dass die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit bei Facebook sich einsichtig gezeigt hätte und dass sie in Zukunft vorhätten, den Regulierungsbehörden sowie den Nutzern gegenüber transparenter zu arbeiten.

Da es sich um einen seriösen Sachtext handelt, sind so gut wie fast keine rhetorische Mittel zu finden. Einzig die Metapher des "Internetnutzers als Versuchskaninchen" ist im Titel und in der Einleitung aufzufinden.

Ich stimme den Verfassern zu. Augenscheinlich werden die Nutzer von Facebook als Versuchskaninchen missbraucht. Das beweist schon allein der Fakt, dass die Studie tatsächlich im Internet auffindbar ist.
Dass man als Internetnutzer manipuliert wird, sollte jedem klar sein, der sich damit beschäftigt. Es ist deshalb für jeden einzelnen von Vorteil, eine Strategie zum richtigen Umgang mit dem Internet zu verfolgen und sich eine gewisse Medienkompetenz anzueignen.
Facebook ist, wie das Internet insgesamt, kritisch zu hinterfragen. Persönliche Daten, die sich ins Netz verirren, können zu vielfältigen Zwecken missbraucht werden. Deshalb ist in diesem Zusammenhang besondere Vorsicht geboten. "Lieber zu wenig Information als nur ein einziges Mal zu viel." sollte die Devise lauten. Außerdem ist es ratsam, sich mit dem eigenen Nutzerverhalten auseinanderzusetzen und gegebenenfalls zu verändern.

Quellenangaben:

http://www.zeit.de/digital/internet/2014-06/Facebook-studie-nutzerdaten-datenschutz
http://www.tt.com/home/5431881-91/umfrage-so-manipuliert-das-internet-unsere-realität.csp
http://media-youth.org/index.php?option=com_content&view=article&id=15&Itemid=15&lang=de
Inhalt
Werden Facebook-Nutzer als Versuchskaninchen missbraucht? Klar gegliederte und leicht verständliche textgebundene Erörterung, welche dieser Frage nachgeht. (1332 Wörter)
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05.07.2014 von Ipunkt
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