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Referat: Antithetik im Barock - "Es ist alles eitel"

Alles zu Barock (1600-1720)

Immanuel Kant definiert diesen Begriff wie folgt:


"Wenn Thetik ein jeder Inbegriff dogmatischer Lehren ist, so verstehe ich unter Antithetik nicht dogmatische Behauptungen des Gegenteils, sondern den Widerstreit der dem Scheine nach dogmatischen Erkenntnisse (thesin cum antithesi), ohne dass man einer vor der andern einen vorzüglichen Anspruch auf Beifall beilegt“.
Definition
aus griech. antithesis: das Entgegengesetzte
ist allgemein das Denken in Gegensätzen
Antithese häufig verwendetes Stilmittel im Barock

Meistens in Gedichten zweifache Antithetik vorhanden:
Gegensatz zwischen der Angst vor der Welt und der Erlösung in Ewigkeit wird beschrieben
Gegensatz zwischen Schein und Sein wird beschrieben
Gegensätzlichkeiten
Leben & Tod
Schwarz & Weiß
Warm & Kalt
Schön & Hässlich
Diesseits & Jenseits
Ewigkeit & Zeit
Schein & Sein
Spiel & ernst
Lebensgier & Todesbewusstsein
Aufbau & Zerstörung
Blüte & Verfall
Carpe diem & momento mori
Erotik, Wolllust & Tugend, Askese
Wohlstand & Armut

Gesundheit & Krankheit
( starke Gegensätze ließen Vergänglichkeitsbewusstsein aufkommen, das sogenannte Vanitas - Motiv ( führte in vielen barocken Werken zur Hinwendung zu Gott oder zur Weltflucht
carpe diem = genieße den Tag
Tag soll nicht ungenutzt vorüber gelassen werden
bei Horaz war das die knappste Formulierung seiner Lebensweisheit, nach der man dankbar die Gaben der gegenwärtigen Stunde genießen soll

Horaz:
Momento mori = Bedenke, dass du sterben wirst
im Werden und Vergehen der Natur, in Geburt und Tod, in Feiern der Kirche begegnete der Christ dem Anruf an sein eigenes Leben und Sterben; und wenn er selber starb, geschah es zumeist in der Geborgenheit der Familie, die so wiederum selber mit Sterben und Tod vertraut wurde
Bedeutung/ Wirkungsabsicht
Wirkungsabsicht steht in Tradition zu antiker Überlieferung
Ebenso auf Wirkung zielt Allegorie, indem sie Veranschaulichung eines Begriffs durch ein gedanklich fassbares Bild sucht

Autoren
Absicht der Autoren, Leser und Hörer in Werken wirkungsvoll zu beeinflussen: lustvoll oder geistreich zu unterhalten, hilfreich und tröstlich zu belehren, Selbstbehauptung oder Besinnung auf das Wesentliche zu bewegen
u. a. Andreas Gryphius, Martin Opitz
Beispielgedicht
Es ist alles eitel
Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden,
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein;
Wo itzund Städte stehn, wird eine Wiesen sein,
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.
Was itzund prächtig blüht, soll bald zutreten werden.
Was itzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein;
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Itzt lacht das Glück uns an, bald donnern die beschwerden.
Der hohen Taten Ruhm muss wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?
Ach, was ist alles dies, was wir vor köstlich achten,
Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und wind,
Als eine Wiesenblum, die man nicht wiederfind’t!
Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten!
Andreas Gryphius
Interpretation zu Es ist alles eitel
nüchterne Klage und traurige Bestandsaufnahme, die wenig Hoffnung auf bessere Verhältnisse zulässt
in scharfen Gegensatzpaaren spitzt Gryphius seine Gedanken zu: was itzt, also jetzt und heute, noch blüht und gedeiht, gehört bald, morgen schon der Vergangenheit an, wird tot, zutreten, also zertreten, sein
selbst Erz und Marmorstein sind nicht von Dauer
auch immaterielle Werte wie Glück oder hoher Taten Ruhm zerrinnen wie ein Traum, und der Mensch gleicht einem leichten Ball im bösen Spiel der Zeit
zu Beginn und am Ende des Gedichts malt Gryphius ein vermeintlich friedliches Bild: das spielende Schäferskind und die Wiesenblum
Idylle trügt: Schafherde zieht über Totenbett einer zerstörten Stadt, die Blume als zartes Symbol für Schönheit und Anmutist ebenso flüchtig wie Schatten, Staub und Wind
Diesem Panorama der Vergänglichkeit scheint der Dichter nun seltsam kühl gegenüberzustehen
Sachlich analysiert er die Lage, das leise Ach im 11. Vers deutet seelische Regung an
Letzte Zeile erklärt Distanz: Noch will, was ewig ist, kein einig (einziger) Mensch betrachten!
Gedicht mündet in einem zornigen Vorwurf: denn Eitelkeit ist keinhöheres Schicksal, sondern Ergebnis irdischer Schuld und Verantwortungslosigkeit;
Mensch hätte Freiheit und Chance, das Ewige, Absolute zu bedenken, aber er will es nicht
mit ewig meint Gryphius vermutlich die unvergänglichen Ideen von Liebe, Güte und Gerechtigkeit
angesichts der Katastrophe kommen ihm solche tröstlichen Worte nicht über die Lippen ( er macht sich keine Illusionen
Es ist alles eitel wurde mehrfach von Gryphius umgearbeitet, die Reime verbessert und metrische Unebenheiten beseitigt
erst mit der vorliegenden, 1643 veröffentlichten Fassung war er zufrieden
Inhalt
Referat im Fach Deutsch mit dem Titel Antithetik im Barock - "Es ist alles eitel".

Gliederung:
- Definition
- Gegensätzlichkeiten
- carpe diem
- Momento mori
- Bedeutung/ Wirkungsabsicht
- Autoren
- Beispielgedicht
- Interpretation zu "Es ist alles eitel"

(Deutsch, ) (707 Wörter)
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