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Referat: Wahrnehmung sehbehinderter und blinder Menschen

Alles zu Wahrnehmungsfähigkeit

Wahrnehmung sehbehinderter und blinder Menschen



Einteilung:
Einleitung
Wie sehen Blinde und Sehbehinderte?
Wie träumen Blinde und Sehbehinderte?
Hören Blinde und Sehbehinderte besser als Sehende?
Die Erfindung der Blindenschrift
Wie geht man mit Blinden und Sehbehinderten um und wie unterstützt man sie?
Quellen

Einleitung:
Irrtum - Tatsache
Irrtum :    ... dass blinde Menschen in einer Welt der Dunkelheit leben.
Tatsache: Viele blinde Menschen haben einen geringen Sehrest.
Irrtum:     ... dass der Blinde aufgrund seiner Blindheit zwangsläufig mit speziellen Fähigkeiten (besseres Gehör, Tastsinn) ausgestattet ist.
Tatsache: Der Blinde besitzt keine speziellen Fähigkeiten. Er muss sie sich durch Übung aneignen.
Irrtum:     ... dass blinde Kinder zur Ausführung bestimmter Tätigkeiten im Alltag nicht mehr Zeit als sehende Kinder benötigen.
Tatsache: Die optische Kontrolle muss durch Konzentration und systematische Vorgehensweise ersetzt werden; das kostet Zeit
Wie sehen Blinde und Sehbehinderte?

Mehr, als man eigentlich annimmt:
heißt nicht, gar nichts mehr zu sehen (die meisten Blinden verfügen über einen geringen Sehrest)
als blind gilt jeder, der weniger als 2%, als Sehbehinderter jeder, der weniger als 30% Sehvermögen besitzt
(Hell/Dunkel unterscheiden möglich
(sehr hilfreich bei der Orientierung (da einfallendes Licht von
Fenstern und Türen wahrgenommen werden kann)
viele Blinde nicht Geburtsblind, d.h. sie sind erst im Laufe der Zeit an Krankheiten erblindet oder haben durch einen Unfall ihr Augenlicht verloren
können sich häufig noch daran erinnern, wie es ist zu sehen
diese Menschen haben häufig weniger Probleme sich in ihrer Umwelt zurechtzufinden und zu orientieren
Bsp.: Jemand, der schon mal einen Raum gesehen hat, kann sich viel leichter in einem fremden Raum orientieren, da er eine bildliche Vorstellung von einem Zimmer hat
Für Geburtsblinde hingegen hört die Welt mit dem Armtastraum auf (unmöglich, einen Raum vollständig zu erfassen
das Thema "Sehen" spielt auch an Blindenschulen eine große Rolle
vor allen Dingen Farben sind hierbei sehr wichtig
sie haben in der Gesellschaft eine große Bedeutung
Bsp.: viele Gesetzmäßigkeiten sind an Farben gebunden (Ampeln) und die Ästhetik spielt eine große Rolle (Kleidung, Make-up,...)
Wie wichtig das Thema "Sehen" zumindest an der Blindenschule Hamburg ist, zeigt sich an dem extra für diesen Zweck eingerichteten Raum, der "Glitzerhöhle". Hier werden die blinden und sehbehinderten Schüler durch Licht-, Glanz-, und Glitzereffekte visuell stimuliert. Dies findet in einer angenehmen Atmosphäre, die unter anderem durch Musik und eine Kuschelecke geschaffen wird.
Wie träumen Blinde und Sehbehinderte?
Blinde erleben ihre Träume genauso intensiv wie Sehende.
Denn Träumen ist kein Film, der vor dem inneren Auge abläuft, sondern Erleben.
Liest man eine Traumschilderung von Blinden, kann man sie zunächst von der einer sehenden Person kaum unterscheiden.
Auch Blinde berichten: "Und dann ging ich da und da hin, traf den und den, der dann das und das tat..." Allerdings sagen sie natürlich nicht: "Und dann blickte ich in den Himmel und sah dort..."
Wer erst nach dem 7. Lebensjahr erblindet ist, kann im Traum noch sehr lange bildhafte Eindrücke haben.
Bei den blind geborenen stehen beim Träumen die anderen Sinnesqualitäten mehr im Vordergrund.

Bsp.:
Ich bin 47 Jahre alt und von Geburt an blind. Daher kann ich die Frage, wie Blinde träumen, nur aus der Sicht des Geburtsblinden beantworten. Ich träume sehr oft und sehr viel und kann mich auch nach dem Aufwachen noch an sehr vieles erinnern. Da ich bald ein halbes Jahrhundert alt sein werde, habe ich in meinem Leben schon sehr viele Träume gehabt. Um es gleich vorwegzunehmen: Ich kann in meinen Träumen nicht sehen. Ich sehe weder Bilder, noch Farben, noch Dinge oder Menschen. In meinen Träumen spielen sich die Szenen, wenn die Träume ruhig verlaufen und nicht allzu durcheinandergeraten, fast so wie in meinem wirklichen Leben ab. Ich kann Dinge und Menschen berühren, kann die Stimmen der Menschen, von denen ich gerade träume, hören und kann mich mit ihnen unterhalten. Nur sehen kann ich sie nicht. Ich beschäftige mich auch tagsüber oft mit meinen Träumen, da sie, wie ich einmal in einem wissenschaftlichen Buch über Träume gelesen habe, sehr viel über unser Unterbewusstsein aussagen.
Hören Blinde und Sehbehinderte besser als Sehende?
In der Wahrnehmungspsychologie gibt es einige interessante Untersuchungen dazu, dass das Gehör bei Blinden vom physiologischen Standpunkt dem Gehör von Sehenden nicht überlegen ist.
Die besseren Leistungen Blinder in vielen akustischen Aufgaben rühren wohl eher daher, dass sie dem Hörsinn automatisch mehr Aufmerksamkeitsressourcen zuteilen. Ich denke, dass es bei der Abstraktionsfähigkeit genau das gleiche ist. Die visuelle Wahrnehmung verhindert, dass Sehende in gleicher weise "akustisch herausgefordert" sind wie Blinde.
Mit den Ohren sehen
Blinde sind sehr aufs Hören angewiesen, daher wissen sie, dass hören ein komplexer Vorgang ist
ihnen fehlt der Sinn, den Sehende wie selbstverständlich zum Orientieren benutzen
aber es geht auch ohne Augenlicht
Beweis: der 32 jährige Kölner Gerhard Stoll
sein Gehör ist sehr fein entwickelt
aber jeder hat diese Anlage - doch nur die wenigsten von uns wissen davon
wichtigstes Hilfsmittel: der weiße Stock (nicht nur ein verlängerter Tastarm, dient auch dem hören( sehen so was vor ihnen liegt)
Räume und was der Hall über sie verrät
jeder kennt das: der hallige Klang im gekachelten Badezimmer, in den langen U-Bahn-Tunnels oder unter einer Brücke
Gerhard Stoll findet den Weg zum Fußgängertunnel, der zum Bahnsteig führt alleine durch den immer halliger werdenden Klang seines Stockschlags - ohne die Hilfe eines Blindenhundes oder Begleiters
kann auch im Tunnel stets bestimmen, wo er sich gerade befindet: Am Anfang, in der Mitte oder am Ende
auch am Bahngleis gibt der Klang des Stockschlags Orientierung: Je näher man zum Bahndamm kommt, umso halliger wird der Klang, an der Kante selbst ist der Ton hell, viel heller als auf dem Bahnsteig
Der "Cocktaileffekt": heraushören, worauf es ankommt
egal wie sehr laut das Stimmengewirr ist, jeder wird dennoch heraushören, ob irgendwo über ihn getuschelt wird
das menschliche Gehör kann auch im schwierigsten Umfeld aus diesem Chaos die wichtige und relevante Information heraushören

Blinde nutzen diesen Effekt
Bsp.: Einsteigen in eine Straßenbahn. Aus den Geräuschen der herannahende Bahn hört Gerhard Stoll die Bremsen heraus. Er weiß, sie liegen exakt zwischen den Türen. Noch bevor sich irgend eine Tür geöffnet hat, hat der Blinde sie schon längst geortet

Hören und Raumorientierung
Um die Strasse zu überqueren, gibt es in größeren Städten immer häufiger Hilfen für Blinde: akustische Ampelsignale
Die hintereinander gestaffelten akustischen Ampeln markieren für den Blinden einen Korridor, durch den er - auf Startsignal - sicher auf die andere Straßenseite gelangen kann

Das feine Gehör
Blinde entwickeln notgedrungen eine erstaunliche Leistung, was das Hören und Wahrnehmen auch noch der feinsten akustische Signale betrifft. So hört in unserem Beispiel Gerhard Stoll das feine Summ-Geräusch der Rolltreppe oder den herannahenden Aufzug, noch bevor die Klingel ertönt oder die Aufzugstür öffnet
Blinde erstaunen uns Sehende mit diesen überragenden Hörleistungen
Und dennoch wären auch wir im Prinzip zu solchen Meisterleistungen in der Lage - wenn wir nur genau genug hinhörten
Die Erfindung der Blindenschrift
Louis Braille
französischer Blindenlehrer und Erfinder der Braille - Schrift
Biographie - wurde am 4. Januar 1809 in Coupvray (Seine - et - Marne) als viertes Kind von dem Schuster Simon Rene Braille geboren - als er 3 Jahren alt war verletzte er sich mit einer Ahle seines Vaters an einem Auge - infizierte sich und die Infektion ergriff auch das andere Auge( er verlor das Augenlicht - der Vater schickte seinen intelligenten Sohn auf das 1784 gegründete Pariser Blindeninstitut - Louis war ein sehr guter Schüler und seine Liebe galt der Musik - entwickelte deshalb ein System für die Notenschrift und später das Punktschrift - System - arbeitete an dieser Schrift zwischen seinem 14. und 16. Lebensjahr Es handelt sich um ein System von 6 Punkten
- ermöglichte, dass die Blinden an der Schrift - Kultur teilnehmen können - Louis blieb am Pariser Blindeninstitut und arbeitete dort als Lehrer - kämpfte sein ganzen Leben lang für den Einsatz seiner Schrift, doch erst im Jahre 1850 wurde sie von der Pädagogischen Akademie Frankreichs anerkannt - mit 20 Jahren zog sich Louis eine Lungenerkrankung zu, die sich immer mehr verschlimmerte - verstirbt am 6. Januar 1852 an den Folgen - Freunde und Schüler setzten ihm 1853 ein Denkmal im Pariser Blindeninstitut
Blindenschrift-Alphabet
1 OO 4 2 OO 5 3 OO 6 Grundform
Alphabet ist in mehrere "Gruppen" aufgeteilt, die aus jeweils zehn Zeichen  (auch Formen genannt) bestehen
Zusätzlich gibt es Zahlzeichen und vereinfachte Zeichen für häufig vorkommende Buchstabenkombinationen, sowie Satzzeichen
Gruppe 1
1 OO 4 *O *O ** ** *O ** ** *O O* O*
2 OO 5 OO *O OO O* O* *O ** ** *O **
3 OO 6 OO OO OO OO OO OO OO OO OO OO
Grund- a b c d e f g h i j
form

Gruppe 2:
1 OO 4 *O *O ** ** *O ** ** *O O* O*
2 OO 5 OO *O OO O* O* *O ** ** *O **
3 *O 6 *O *O *O *O *O *O *O *O *O *O
Grund- k l m n o p q r s t
form

Gruppe 3:
1 OO 4 *O *O ** ** *O O* O*
2 OO 5 OO *O OO O* O* *O **
3 ** 6 ** ** ** ** ** ** **
Grund- u v x y z ß st
form

Gruppe 4:
1 OO 4 *O *O ** ** *O *O O* O*
2 OO 5 OO *O OO O* O* ** *O **
3 O* 6 O* O* O* O* O* O* O* O*
Grund- au eu ei ch sch ü ö w
form
Abweichende Bildungen für Sonderzeichen
O* O* O* O* O* OO OO OO
OO O* OO O* OO OO OO OO
*O *O ** ** O* *O ** O*
äu ä ie Zahl- Großbuch- . - ,

zeichen(*) stabe (**)
(*) d.H., das direkt folgende Wort ist als Zahl zu lesen. (**) d.H., der nächste Buchstabe ist groß geschrieben.
Satzzeichen: die Zeichen der Gruppe 1 sind heruntergesetzt
OO OO OO OO OO OO OO OO OO
*O *O ** *O ** ** *O O* O*
OO *O OO O* *O ** ** *O **
, ; : ? ! () " * "
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Führtechiken
Der Blinde fühlt sich sicherer, wenn sein Begleiter etwas vor ihm geht und er dabei den Oberarm des Begleiters greift.
Er kann dadurch z.B. rechtzeitig auf Treppen, enge Stellen und Drehungen reagieren.          
Treppen können Angst hervorrufen. 
Sicheres und verantwortungsbewusstes Führen kann die Angst nehmen.
Geht die Begleitperson eine Stufe voraus, so kann sie den Blinden besser schützen.
Betritt der Begleiter die Treppe, so hebt oder senkt sich, je nach Verlauf der Treppe, der Arm des Blinden.
Wird der Blinde an den Stuhl geführt, kann er mit der freien Hand zur Stuhllehne greifen und selbstständig Platz nehmen.

Ordnungsprinzipien
Gegenstände, die achtlos in den Weg gestellt werden, können zu gefährlichen Unfällen führen - auf jeden Fall aber wird der Blinde erschrecken.
Die Lust am selbstständigen Fortbewegen wird dadurch sicher nicht gefördert.
Halb geöffnete Türen oder Fenster sind ernst zu nehmende Gefahrenquellen.
Viel freier kann sich der Blinde bewegen, wenn er nicht ständig mit solchen „Fallen" rechnen muss.
Der Blinde kann sich an jedem gedeckten Tisch orientieren.
Einfacher ist es jedoch für ihn, wenn er sich in seiner gewohnten Umgebung an ein festes System halten kann.
Will man einem Blinden erklären, wo sich einzelne Dinge auf dem Tisch befinden, so kann man als Hilfestellung das Zifferblatt der Uhr nehmen
Denkanstöße
Auch dem Blinden kann zur Begrüßung die Hand gegeben werden. Wenn er dies möchte, wird er es zeigen.
Der Blinde kann durchaus selbst auf Fragen antworten. Niemand muss für ihn sprechen.
 Durch einen kurzen Hinweis beim Betreten oder Verlassen des Raumes, weiß der Blinde, wer sich in der Nähe befindet.
Blindheit hat nichts mit Schwerhörigkeit zu tun - warum also lauter als gewöhnlich sprechen?
Wer die Umgangsformen Sehender nicht kennt, kann sich auch nicht daran halten. Für den Blinden ist es hilfreich, wenn er davon erfährt.
Bitte keine unsinnigen Tabus ... „sehen" und „schauen" sind Wörter wie alle anderen.
Der Blinde kann nicht sofort alles von seiner Umwelt wahrnehmen.
Einkaufen oder Arbeiten im Haushalt brauchen Zeit. Hektisches Drängen bringt jede Orientierung und Systematik durcheinander.
Flüstern in Gegenwart anderer kränkt jeden - auch den Blinden.
Blindheit bedeutet nicht grundsätzlich Hilflosigkeit. Aufdringliche Hilfen verhindern Unabhängigkeit und werten den Blinden in seiner Person ab. Erst fragen....
Begriffe wie „da" und „dort" geben dem Blinden keine klare Auskunft. Konkrete Angaben helfen ihm bei der Orientierung. („Die Tasche steht rechts neben dem Bücherregal.")
Vertrauen ist wichtig für jede Beziehung. Kleinigkeiten, wie präzise Uhrzeit und genaue Antworten, fördern Vertrauen - kleine, unauffällige „Mogeleien", die der Blinde nicht sofort überprüfen kann, machen viel kaputt.

Quellen:
http://www.hh.schule.de/ngb/ltb/ltb-06/hirn-blind-sehen.html
http://www.ciw.uni-karlsruhe.de/fblinu/mon199811/msg00365.html
http://www.quarks.de/hoeren/0204.htm
http://www.quarks.de/traum/01.htm
http://www.anderssehen.at/alltag/berichte/traum2.shtml
http://www.onlinekunst.de/januar/04_01_Braille_Louis.htm
http://brailletec.de/punktsch.htm
http://www.blindenanstalt-nuernberg.de/dienste/starthilfe.htm
Inhalt
Referat: Wahrnehmung sehbehinderter und blinder Menschen

Gliederung:
1. Wie sehen Blinde und Sehbehinderte?
2. Wie träumen Blinde und Sehbehinderte?
3. Hören Blinde und Sehbehinderte besser als Sehende?
4. Die Erfindung der Blindenschrift
5. Wie geht man mit Blinden und Sehbehinderten um und wie unterstützt man sie?
6. Quellen (2111 Wörter)
Hochgeladen
14.12.2003 von unbekannt
Schlagwörter
Wahrnehmung sehbehinderter und blinder Menschen | Referat | Ethik | Psychologie | Blinde | Sehbehinderte | Hören | Sehen | Blindenschrift | Braille | Quellen
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