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Klausur - Dramenanalyse über Sophokles Antigone (5. Akt)

Alles zu Sophokles - Antigone

Klausur: Dramenanalyse von Sophokles "Antigone"


Aufgabenstellung: ( Z. 988 – Z. 1090)
  1. Analysiere die Eingangsszene des fünften Aktes. O rdne sie dazu knapp in den Handlungskontext ein, stelle die zentralen Positionen der beiden Protagonisten (Hauptpersonen) das und skizziere die formale Gestaltung des Dialoges.
  2. Vergleiche die Argumentationen des Abschnitts mit der in den vorangehenden Akten. Wo zeigen sich Parallelen? In welchem Licht lassen sie den Auftritt des Sehers erscheinen?


1.)
Im 5. Akt von „Antigone“ geht es um die Warnung und Prophezeiung des blinden Sehers Teiresias, der Kreon zur Einsicht bringen will. Kreon hat als neuer Herrscher Thebens ein Bestattungsverbot des Polyneikes erlassen, um ihn als Feind der Stadt zu strafen. Dessen Schwester Antigone hat daraufhin bewusst gegen dieses Gesetzt verstoßen und ihren Bruder nach Familienrecht begraben. Sie wird festgenommen und nach dem Geständnis ihrer Tat zum Tode von Kreon verurteilt. Selbst sein Sohn Haimon kann ihn nicht umstimmen und es kommt zur Entzweiung. Nach der Totenklage Antigones erscheint nun der Seher und alte Freund Teiresias, der zuvor schon der Stadt Theben geholfen hat (V.994) und fordert die Umkehr Kreons. Teiresias berichtet von seiner Opferdarbringung, die von den Göttern nicht akzeptiert worden ist. Daraus interpretiert er, dass die Götter sich von Theben abgewandt haben, weil Polyneikes menschliche Reste die Altäre entweiht haben (V.1016-1020). Um Theben vor dem Untergang zu bewahren, rät er Kreon, zur Einsicht zu kommen und den Toten nach der Sitte würdig zu bestatten.

Dies zeigt deutlich seine Verurteilung des Bestattungsverbots und eine Warnung an Kreon von der Starrsinnigkeit („ Nur Eigensinn macht sich der Torheit schuldig“ V.1028). Da Kreon taub ist für die Warnung, enthüllt der Seher schließlich eine schreckliche Prophezeiung, in der der Tod seines eigenen Sohnes vorrausgedeutet wird (V.1066) und die Konsequenzen von Kreons Eigensinn für die Stadt (V1075ff).

Als er keine Hoffnung mehr hat Kreon umstimmen zu können, verlässt er Kreon mit den Worten, dass er durch die bevorstehende Katastrophe doch noch zur Vernunft kommen werde (V.1089). Somit liegt in dieser Szene ein Höhepunkt der Argumentation gegen Kreon und ein Wendepunkt vor, da Kreon daraufhin seine Meinung ändert.
Als Gegensatz zu Teiresias jedoch ist Kreon zunächst der Auffassung, das Bestattungsverbot sei berechtigt und er werde nicht von seinem Entschluss ablassen (V.1039).

In diesem Gespräch werden seine Verblendung und Starrsinn deutlich. Er beachtet zunächst die Warnungen seines bisher guten Freundes nicht, sondern wittert überall Verrat und Bestechung. So vermutet er hinter Teiresias Erscheinen das Motiv Geld (V.1036). Er traut nicht einmal mehr den Sehern, sondern denkt alle sind aus Prinzip gegen ihn (V. 1033).
In seiner Gotteslästerung (V.1040ff) liegt ein entscheidender Wendepunkt, weil damit die letzte Möglichkeit, die Folgen seiner Entscheidung abzuschwächen, verstrichen ist. Er beleidigt Zeus, und damit nimmt er auch den Untergang Thebens in Kauf (V.1041). Dies wiederspricht seinen eigenen Grundsätzen, die in seiner Regierungsrede klar werden (1. Epeisodon), dass das Wohl der Stadt das Höchste sei und man dafür kämpfen müsse.

Der Aufbau des Dialoges zeigt die Spannung und Dramatik dieser Szene auf, so wird zunächst Teiresias freundlich von Kreon empfangen und erst, als nach einer kurzen Wechselrede Teiresias von seiner Opferschau berichtet, vergisst Kreon alle Freundschaft und stellt seine Gegenposition dar. Nun folgt eine Stichomythie. Hierdurch wird die Dringlichkeit dargestellt, da das Gespräch mit schnell wechselnden Repliken zum Streit wird (V.1047). Dabei kann man sehen, dass Kreon unsachliche Vorwürfe gegen Teiresias verwendet (V.1055) und so offenbar keine stichhaltigen Gegenargumente mehr findet, da er gegen eine höhere Macht der Götter nicht ankommt. Es folgt die schreckliche Prophezeiung vom Untergang Thebens, wonach es zum Bruch zwischen den Protagonisten kommt. Hier hört der Dialog auf und hinterlässt einen zweifelnden Kreon.

Diese Szene im fünften Akt enthält den sehr wichtigen Wendepunkt, da Kreon nun nur noch zu spät zur Einsicht kommen kann und keine Möglichkeit mehr hat, die Katastrophe abzuwenden. Kreon hat seine letzte Chance vertan alles zum Besseren zu wenden und eine Einsicht nach dem Streit kommt zu spät.

2.)
Das Gespräch zwischen Teiresias und Kreon weist eine besonders auffällige Parallele zu der Szene im 3. Epeisodon auf, in der Haimon mit seinem Vater spricht.

Nachdem Haimon seinen Gehorsam versprochen hat, obwohl alle Parteien vermuten, er komme um Antigone zu retten, sagt er, er komme um seinem Vater zu helfen (V.687ff). So drängt er Kreon zur Einsicht zu kommen and appelliert an ihn, nicht so starrsinnig zu sein (V.705-706, 719) Genauso versucht auch Teiresias Kreon zur Einsicht zu überreden, die 2aller Güter Höchstes ist“ (V.1050). Haimon argumentiert mit der Vernunft (V.683) und mit dem Vorteil des Nachgebens (V.705). Er aber ist gekommen, weil das Volk untereinander seinen Unmut ausdrückt, wobei Teiresias wegen der Opferschau gekommen ist.

Doch für beide ihm nahestehenden Personen ist Kreon taub und geht nicht auf die Warnungen ein. So vermutet er hinter dem Motiv seines Sohnes ausschließlich die Liebe zu Antigone (V.740), obwohl Haimon dies bestreitet. Genauso sieht er bei Teiresias das Motiv „Geld“ eine große Rolle spielen (V.1055ff). Beides sind unsachliche Gründe, die er als Gegenargumente vorbringt, wodurch die Verblendung des Königs besonders, also zweifach hervorgehoben wird. Wie Teisresias, so kommt es auch mit Haimon zum endgültigen Bruch. Kreon steht nun isoliert da, weil er in seiner Überheblichkeit taub für die Ratschläge seiner Freunde geworden ist. Dieses zeigt sich besonders in der Dialektik, die sich durch das ganze Stück zieht. So sind nicht nur die Gespräche mit Teiresias und Haimon von These und Antithese geprägt, sondern auch z.B. das Gespräch mit Antigone, in dem sie ihren Standpunkt hervorbringt.

Hier zeigt sich eine weitere Parallele zum 5. Akt. Antigone argumentiert genau wie Teiresias mit dem Gebot der Götter. Sie ist der Meinung, dass das Göttergebot über dem menschlichen Gesetz steht (V.453ff) und sie sich so nicht vor der höheren Macht schuldig machen wollte. Auch Teiresias argumentiert, dass durch das Bestattungsverbot sich die Götter abgewandt haben, weil ihre Altäre entweiht worden seien. In beiden Fällen lehnt Kreon die Argumentation ab, und auf diese Weise wendet er sich gegen die Götter und bringt so die Stadt in Gefahr, obwohl er eigentlich mit den Göttern sein wollte (1.Epeisodon). So wird wieder verdeutlicht wie sehr er sich durch seine Handlungen widerspricht.

Auch der Chor warnt indirekt vor der Überheblichkeit, wie Teiresias, als er im 4 Stasimon Beispiele aus der Mythologie vorbringt, in denen es ähnliche Schicksale wie Kreons gab. So erzählt er in V.959 von Lykurgos, einem König der die Götter auch nicht ernst genommen hat und sie sogar verspottete. Auf gleiche Wiese lästert Kreon in V.1041 Zeus. Der Chor erzählt wie der König von den Göttern zur Einsicht gebracht wurde, doch am Hunger letztendlich starb. Also versucht selbst der Chor, der sich sonst auf keine Position festlegen will, Kreon von seinem Entschluss abzubringen. Doch auch hier überhört er die versteckte Anspielung auf die legitimität seiner Handlungsweise.

Durch diese Parallelen erscheint der Auftritt Teiresias wie eine Untermauerung und Höhepunkt der schon hervorgebrachten Argumente. Es scheint, als ob Kreon durch Teiresias Auftreten eine letzte Möglichkeit geboten werde, umzukehren, die er jedoch nicht wahrnimmt. In Teiresias Prophezeiung gipfeln somit die Versuche Kreon zur Einsicht zu bewegen. Auf diese Weise wird die Überheblichkeit Kreons durch parallel Ereignisse verdeutlicht. Doch da scheinbar nichts seinen Entschluss umstoßen kann, wird er von seinen Nächststehenden isoliert. Was Haimon als „Wahnsinn“ (V.765) bezeichnet, wird von Teiresias aufgegriffen, indem er meint, Kreon werde noch seine Meinung ändern, aber erst nachdem die Katastrophe eingetroffen ist.
Am Schluss steht Kreon allein da, bevor er nachgibt, doch um die Konsequenzen seiner Handlungsweise abzuwenden ist es zu spät.
Inhalt
Klausur in der 11 als Dramenanalyse des 5. Aktes der Antigone von Sophokles unter Btrachtung von Parallen zu anderen Akten.

1) Analysieren sie die Eingangsszene
2)Vergleich der Argumentation mit vorherigen Situationen
(mit Lösung!) (1227 Wörter)
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15.06.2004 von unbekannt
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