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Theodor Storm "Der Schimmelreiter": Bedeutung des Meeres

Alles zu Theodor Storm  - Der Schimmelreiter

Interpretation: Die Bedeutung des Meeres im Schimmelreiter



Schon in der Rahmenhandlung am Beginn der Novelle der Schimmelreiter beschreibt Theodor Storm das Meer als Bedrohung für den Menschen. Storm, selbst am Meer geboren, im norfriesischen Husum hat bestimmt das Meer in seiner Schönheit aber auch in seiner Menschenfeindlichkeit erlebt. Ohne das Meer und die Schutzbauten, die Deiche, wäre die Sage vom Schimmelreiter nicht erzählt worden. Die Menschen, die am Meer hinter den Deichen leben, sind der Naturgewalt des Wassers ausgeliefert.

Nebel, Wind, Sturm und Regen tragen bestimmt dazu bei, das man sich gruselige Geschichten erzählt hat. So auch die Geschichte vom gespenstischen Reiter auf seinem Schimmel, der mit wehendem Mantel über den Deich reitet und Unheil verkündet.
Dieser Reiter ist Hauke Haien. Sein gesamtes Leben wird vom Meer und dessen Kraft bestimmt. Schon als Kind und Halbwüchsiger war er vom Meer begeistert, ja fasziniert. Stundenlang saß er am Deich und beobachtete das Meer. , Was er allein hier sah, war der brandende Saum des Wassers (...)” (S.10 Z. 36-40) Hauke dachte angestrengt darüber nach wie man durch bessere Deiche das Meer bändigen könnte. Er will die Natur beherrschen, damit sie kein Unheil anrichten kann. Dass das Wasser, doch eigentlich ein Symbol des Lebens, auch Angst und Furcht verbreitet und sogar den Tod bringt stellt Storm an mehreren Stellen seiner Novelle dar.

An einem Februartag trieben Leichen an den Strand. Sie waren schrecklich anzusehen und alle schrien laut. Nur Hauke stand schweigend daneben. Ist es vielleicht dieses Grauen, dass Hauke immer wieder an den Strand lockt? Das dunkle, geheimnisvolle zieht Hauke auch an den anderen düsteren Winterabenden an den Strand. Dann sah er aus Dampf und Nabel dunkle Gestalten. , Hauke sah mit starren Augen darauf hin; den in den Nebeln schritten dunkle Gestalten auf und ab (...)” ( S.13 Z.13-21) Hauke glaubte nicht an Geister oder Ähnliches. Er rief ihnen zu: , Ihr sollt mich nicht vertreiben. “ (S.13 Z. 33) Es kam ihm vor als wenn es hinter ein Flügelrauschen und ein hallendes Geschrei war.
Diese Dinge kann nur das Meer hervorbringen. Hauke sprach darüber mit niemanden.
Erst viele Jahre später geht er mit seiner kleinen Tochter zur gleichen Jahres- und Tageszeit auf den Deich und die gleichen Gestalten treiben wieder ihr Unwesen. Winke fürchtet sich sehr. Er tröstet sie und meint es seien nur Fischreiher und Krähen, die im Nebel so fürchterlich erscheinen. Ich denke, das Storm uns durch diese gespenstischen Szenen auf eine Katastrophe vorbereiten möchte. Es sind Ahnungen, die auch die Dorfbewohner wahrnehmen, denn der Aberglaube nimmt immer mehr überhand. Hauke Haien hält sich aber an die Gesetze der Natur, vor allem als er Deichgraf wird. Er achtet darauf, das die Deiche gepflegt werden und er plant einen neuen Deich, der Mensch und Tier noch besser vor den Unwettern des Meeres schützen soll. Nicht alle Menschen sind damit einverstanden, aber das Meer muss gebändigt werden, denn der alte Deich würde einer Sturmflut nicht standhalten, das wusste Hauke. Den Tag, an dem der letzte Spatenstich am neuen Deich getan wird, beschreibt Storm als einen wunderschönen Herbsttag. , Der Wind hatte sich gelegt (...)“ (S.75 Z.25-31)
Diese Textstelle ist in Storms Novelle eine der schönsten, in der er die Natur nicht düster und zerstörerisch beschreibt.
Doch Wind, Wasser und Welle geben keine Ruhe, sie sind immer in Bewegung. So hat auch das Winterhochwasser den alten Deich angegriffen, die Grasnarbe zerstört und Höhlungen in den Deich gespült. Mäuse und Ratten hatten im Deichkörper ihr Unwesen getrieben und eine Reparatur war unbedingt nötig. Böse Vorahnungen stiegen in Hauke Haien hoch. , Wenn eine Sturmflut wiederkäme- eine, wie 1655 dagewesen, wo Gut und Menschen ungezählt verschlugen wurden (...) “ (S.85 Z. 38-42) Doch die Deichgevollmächtigten allen voran Ole Peters, nahmen die Sache nicht so wichtig. Die Reparatur wurde nur notdürftig ausgeführt. Das sollte sich rächen. Im Oktober als die Herbststürme über das Meer herankamen nahm das Verhängnis seinen Lauf. Schon davor waren gespenstische, sagenhafte, schreckliche Geschichten erzählt worden, vom kommenden Unglück und Unheil über ganz Nordfriesland.

Ein fürchterlicher Sturm kam auf, verbunden mit peitschendem Regen und hohen Wellenbergen. Die Menschen schlossen ihre Fenster und Türen damit der gewaltige Sturm die Scheiben nicht eindrücke, so auch bei Hauke Haien.
Er selbst hatte überall wo die Deiche Schwächen verrieten Leute hingestellt um noch zu reparieren und das Unheil aufzuhalten. Mit seinem Schimmel ritt er hin und her zur Kontrolle. Da sprang der Wind um. , Der Wind ist umgesprungen! ”, rief er - , nach Nordwest, auf halber Springflut! Kein Wind; - wir haben solchen Sturm noch nicht erlebt! “ (S.92 Z.23-25)

Der Sturm brüllt, das Meer klatscht an den Deich und beginnt sein fürchterliches Werk. Hauke Haien reitet mit seinem Schimmel auf der aufgeweichten Deichkrone entlang. , Nur Berge von Wasser sah er vor sich , die dräuend gegen den nächtlichen Himmel stiegen (...) “ ( S.94 Z.31-39)
Die Menschen selbst, die nicht genügend Ahnung von den Deichen hatten, durchstachen den neuen Deich, da nutzte kein Schimpfen des Deichgrafen. Es war geschehen. Ein Bruch im alten Deich. Nur Hauke Haien hatte die Schwäche des alten Deiches erkannt. Es war zu spät. Wie eine Sintflut war es, die kam um Mensch und Tier zu verschlingen. Das Meer nagte nicht mehr, es biss und vollbrachte sein Zerstörungswerk.

Frau und Kind wollten den Vater retten, aber als ein Stück des Deiches abbrach versanken sie im Wasser und das Meer stürzte donnernd hinter drein. Da ritt auch Hauke an den Abgrund wo unter ihm das Wasser unheimlich rauschte und alles zu überfluten drohte. Er gibt dem Schimmel die Sporen , Vorwärts! “ rief er noch einmal, wie er es so oft zum festen Ritt gerufen hatte: , Herr Gott nimm mich; verschon die andern! “ (S.98 Z.35-37)
Das Meer und der Sturm hatten ihr Werk vollbracht, das Wasser hat seine Opfer.
Die Entstehung des Lebens wäre ohne das Wasser nicht möglich gewesen, aber das Wasser bringt auch Zerstörung und Tod. Schönheit und Grauen, Geben und Nehmen, Leben und Tod, Kommen und Gehen liegen dicht beieinander, nicht nur in der Novelle von Theodor Storm.

Wie wichtig die Deiche für das angstfreie Leben der Menschen hinter ihnen sind, haben in diesem Sommer viele in unserem Land selbst erlebt. Der Kampf des Menschen mit der Natur geht auch in der heutigen Zeit genau so weiter wie zu Zeiten Hauke Haiens.
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Bedeutung des Meeres in der Novelle "Der Schimmelreiter" von Theodor Storm. (1050 Wörter)
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