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Der Deutsche Bund (1815-1866) Quellenanalyse

Alles zu Deutsches Reich (1871 - 1945)

Geschichte Eva Kutschank


Buch Seite 91/92 Aufgabe 1/2

Der Deutsche Bund (1815-1866)
Der Deutsche Bund war ein beständiger Staatenbund, welcher zur Erhaltung der äußeren und inneren Sicherheit Deutschlands und der Unabhängigkeit und Unverletzbarkeit der einzelnen deutschen Staaten" diente (Art. 2). Der Deutsche Bund bestand aus den souveränen Fürsten und den freien Städten Deutschlands, mit Einschluss ihrer Majestäten des Kaisers von Österreich und der Könige von Preußen, Dänemark und der Niederlande. Das oberste Organ des Bundes war die ständige Bundesversammlung in Frankfurt. Die Bundesversammlung war zuständig für die äußere und innere Sicherheit Deutschlands, sollte sich aber auch mit bundeseinheitlichen Bestimmungen und Gesetzen befassen. Nach Artikel 13 der Bundesakte sollte in allen Bundesstaaten eine „landständische Verfassung" eingeführt werden. Allerdings trat dies nie in Kraft. Die gesamte Staatsgewalt wurde den Fürsten des jeweiligen Staates zugewiesen.
Der Deutsche Bund war ein sehr lockerer Staatenbund, dem wichtige Elemente eines modernen Staatswesens fehlten. Er hatte weder ein Oberhaupt noch eine Regierung (keine handlungsfähige Exekutive). Er hatte keine Kreiseinteilung und dem zu Folge gab es keine Grundlage einer gemeinsamen Militärverfassung. Es gab auch kein verbindliches Bundesgericht für alle. Die Mitgliedsstaaten waren innenpolitisch unabhängig und durften auch Bündnisse mit anderen Staaten abschließen, solange diese nicht de Sicherheit des dt. Bundes gefährdeten.
1. Welche unterschiedlichen Bewertungen erfährt der Deutsche Bund in der Geschichtsschreibung des 19. und 20. Jahrhunderts? Überlegen sie welche historischen Erfahrungen beider Autoren ihrem Urteil zu Grunde liegen.
Beide Autoren bewerten den Deutschen Bund negativ, allerdings mit unterschiedlichen Begründungen und aus unterschiedlichen Sichtweisen. Solange der einheitliche Nationalstaat als die höchste politische Existenzform betrachtet wurde (das war in Deutschland von 1871 bis 1945) nahezu uneingeschränkt der Fall, solange mußte der Deutsche Bund in einem negativen Licht erscheinen. Er hat eine nationale Einheit verhindert. Und war ein Förderer partikularistischer Zerrissenheit Deutschlands.

Geschichtsschreibung des 19 Jahrhunderts:
Heinrich von Treitschke bezeichnete die Bundesakte als „unwürdigste Verfassung, welche je einem großen Kulturvolk [...] auferlegt ward.“ Er bezieht sich auf die geringen Bürgerrechte, die die Verfassung gewährleistete, wie Religionsfreiheit, Freiheit des Grunderwerbs und eine gewisse Freizügigkeit. Treitschke vergleicht den Deutschen Bund mit dem Untergang des heiligen Römischen Reiches. Er meint, das der Deutsche Bund noch kläglicher ist. Dem Deutschen Bund fehlte die Größe und Majestät, die das heilige Römisches Reich auch noch während seines Untergangs umschwebte.
Der Schriftsteller sagt, das der Bund ein kurzlebiges Werk, einer „in sich selbst verliebten Diplomatie“ ist. Der Bund handelte also nur im außenpolitischen Interesse und vergaß dabei die Interessen des eigenen Volkes, er kannte sein Volk gar nicht mehr. Und dies kann man auch nach Jahrhunderten nicht verdecken. Die Strukturen des Deutschen Bundes können nie positiv gewertet werden, so sieht Treitschke das. Er berichtet auch von der Unzufriedenheit des deutschen Volkes, da nie ein deutsches Herz, bei dem Namen des Deutschen Bundes, höher geschlagen hat.
„Die Nation musste den Becher der Demütigung bis zur Hefe leeren,...“, mit diesem Satz zeigt Treitschke, das es für die Nation kein Zurück mehr gab und sie erst mit dem Ende des Deutschen Bundes wieder ohne Demütigung weiterleben kann. Sie war in einen Streit zwischen anderen Mächten durch einen Fürstenbund verwickelt und konnte nicht mehr hinaus.
In seinem Schlusswort bezieht er sich noch einmal darauf, das der Deutsche Bund nicht zur Einheit des deutschen Volkes geführt hat, sondern nur durch andere Herrscherhäuser geprägt wurde und somit ihnen unterstand.
Treitschke erlebte die Zeit des Deutschen Bundes persönlich sehr intensiv. Weil im Deutschen Bund, den Bürgern (er bezeichnet sie bzw. sich auch als Untertan, sie hatten keine Freiheit) kaum Rechte zustanden, bezieht er sich öfters auf den Fakt, das der Bund das Volk nicht sieht, aber das Volk die Demütigung tragen muss. Nach dem Ende des Deutschen Bundes, kam Deutschland mit dem Norddeutschen Bund seinem Ziel, einem einheitlichen Deutschland näher, darum empfand er die Zeit des Deutschen Bundes auch als sehr negativ und schreibt sehr abwertend über den Deutschen Bund.

Geschichtsschreibung des 20 Jahrhunderts:
Thomas Nipperdey erkennt, das es für die damalige Zeit unmöglich war, „einen Nationalstaat, gegründet auf der Selbstbestimmung der Nation...“ aufzubauen. Allerdings lässt dies darauf schließen, das es in seiner Zeit durchaus möglich war. Am Anfang der Quelle zählt er eigentlich die Vorteile des Deutschen Bundes auf, nämlich das der Deutsche Bund eine große Stabilität für Deutschland war, da er die deutschen Grenzen vor dem Druck von außen sicherte und die deutschen Staaten untereinander in Frieden hielt.
Allerdings fügt er sofort die negativen Seiten des Deutschen Bundes an, nämlich das der Bund keine Freiheit und Einheit Deutschlands war, denn er war „eine Barriere gegen die liberal-nationale Bewegung der Zukunft“. Er stand also einem deutschen Staat im Weg, der mehr Bürgerrechte und Freiheit gewährleistete. Darum war der Deutsche Bund Ausschlag gebend für die Revolution von 1848 und 1866/1871. Die Bürger wollten mehr politische Mitbestimmung und deshalb kam es zur Revolution.
Nipperdey bezeichnet den Deutschen Bund als ein eventuelles Unglück der deutschen Geschichte. Wenn der Bund straffer gewesen wäre und „mehr Raum für gemeinsame Politik geboten hätte...“, so hätte er wahrscheinlich eine bessere gesamtdeutsche Entwicklung ermöglicht, die mehr liberal und national orientiert gewesen wäre.
Nipperdey zeigt im folgendem Text wieder einen Vergleich zu dem heiligen Römischen Reich, allerdings ist er sich nicht sicher ob der Deutsche Bund eine zeitgemäße Entwicklungsstufe Deutschlands war. Er bezeichnet den Deutschen Bund als genaues Gegenteil zu einem einheitlichen Nationalstaat.
Nipperdey betrachtet das Geschehene (den Deutschen Bund) aus einer späteren Epoche. Er hat ihn nicht miterlebt, aber er weiss, was der Deutsche Bund für Auswirkungen hatte. Mittlerweile haben die Bürger mehr Freiheit und deswegen bezieht er sich auf diese Kriege von 1848, 1866 und 1871, weil er weiß wie wichtig Freiheit für die Menschen ist. Er weiß auch das der Deutsche Bund illiberal orientiert war. Er bewertet den Bund aber nicht so kritisch und abwertend wie Treitschke. Er meint aber, das ohne den Deutschen Bund die Entwicklung des Nationalstaates schneller voran geschritten wäre.
Er führt andere Argumente als Treitschke an, aber er weiss, genau wie Treitschke, das der Deutsche Bund die Bildung eines einheitlichen deutschen Staates nicht gefördert hat.
2. Können sie sich vorstellen, dass die Beurteilung Nipperdeys aus heutiger Sicht eines Tages ebenfalls überholt ist? Diskutieren sie das Problem der „Relativität“ von Geschichtsschreibung.
Natürlich wird die Sicht über den Deutschen Bund immer überholt werden. Aus heutiger Sicht wie auch in zukünftiger. Die Menschen reichern sich mehr Wissen an und somit sieht man die Geschehnisse immer aus anderen Gesichtspunkten.
Die Geschichtsschreibungen, welche genau in der Epoche des geschichtlichen Geschehnisses entstanden, sind mehr gefühlsbetont und meist kritischer! Außerdem setzen sie sich mehr mit den negativen Seiten des Ereignisses auseinander. Das worüber die Menschen unzufrieden waren, kommt mehr zum Ausdruck. Der Geschichtsschreiber, in der Epoche, kennt außerdem noch nicht die Folgen und Auswirkungen des Geschehnisses und weiß somit auch nicht, ob sich etwas ändert oder nicht.
Die Geschichtsschreibungen, welche nach der Epoche des geschichtlichen Geschehnisses entstanden, sind nicht so kritisch und mehr auf die Fakten bezogen. Der Schreiber weiß außerdem wie sich die Geschichte weiter entwickelt hat und ob die Auswirkungen des jeweiligen Geschehnisses positiv oder negativ waren. Waren sie positiv, so bezieht er sich auch positiv auf die Ereignisse. Waren die Auswirkungen negativ, so sucht er die Fehler in dem jeweiligen Ereignis, aber er schreibt unter anderem auch darüber, was positiv war. Doch logischerweise überwiegt der negative Teil.
Ich finde die Geschichtsschreibungen welche genau in der Epoche des geschichtlichen Geschehnisses entstanden, sind für die nachkommenden Generationen sehr wichtig, da sie die Situation genau beschreibt von Jemandem der alles miterlebt hat. Die Geschichtsschreiber von nachstehenden Epochen, können nicht wissen, wie die Menschen das zu dem jeweiligen Zeitpunkt erlebt haben und können somit sich nur sachlich auf das Ereignis beziehen. Sie können aber dadurch mit ihrer Meinung total gegensätzlich zu Jemandem stehen, der in der Epoche lebte.
Inhalt
Es ging um die Interpretation von zwei Quellen, aus dem 19. und 20. Jahrhundert, welche sich kritisch über den Deutschen Bund äußerten. (1275 Wörter)
Hochgeladen
08.10.2002 von unbekannt
Schlagwörter
Deutsche Bund | Heinrich von Treitschke | Thomas Nipperdey | Freiheit | Einheit | Geschichtsschreibung | Interpretation | unterschiedlichen Bewertungen erfährt der Deutsche Bund in der Geschichtsschreibung | Beurteilung Nipperdeys aus heutiger Sicht eines Tages ebenfalls überholt | Problem der „Relativität“ von Geschichtsschreibung
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