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Peter Bichsel - San Salvador Interpretation korrektur

Frage: Peter Bichsel - San Salvador Interpretation korrektur
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San Salvador – Peter Bichsel
In der von Peter Bichsel verfassten Kurzprosa „San Salvador“, die im Jahre 1964 veröffentlicht wurde geht es um einen verheirateten Mann namens Paul der seiner Frau Hildegard einen Brief schreibt, da er mit dem Gedanken spielt auszuwandern.
Paul sitzt zu Hause alleine an einem Tisch und fertigt einen Abschiedsbrief an, in dem er seiner Frau nahebringt, dass er nach Südamerika auswandern wird.
Nach der Fertigstellung dieses Schriftstücks verweilt Paul am Tisch und beschäftigt sich mit dem Lesen einer Kinoinserate und stellt das Radio ab. Er wartet auf seine Frau Hildegard und denkt daran, wie seine Frau auf den Abschiedsbrief reagieren würde und wem er noch einen letzten Brief zukommen lassen könnte. Um halb Zehn kommt Hildegard nach Hause und fragt ob die Kinder schon schlafen und strich sich dabei die Haare aus dem Gesicht.
Die Geschichte könnte dem Leser implizieren, dass Menschen bei einer Entscheidung die sie herbeisehnen oft zu lange überlegen und ihre eigenen Interessen in den Hintergrund stellen.
Die Kurzprosa wird chronologisch erzählt, man spricht hier von einer Zeitdeckung. Diese zeigt dem Leser, dass Paul zwischen den Handlungen sehr lange überlegt und an seine Gedanken gebunden ist was daran deutlich wird, dass er einfach herum- „saß“ (Z.8).
Die Handlung spielt sich im Haus am Küchentisch ab. Der Ort ist ein sehr alltäglicher Ort an dem man sich in einer Familie in der Regel zu Mahlzeiten trifft. Dort plant Paul den Abschiedsbrief abzulegen und auszuwandern, was darauf hindeutet, dass er seiner Frau den Brief an einem Ort hinterlassen will, an dem sie sich zu früheren Zeiten noch täglich angetroffen haben um nicht für sie in Vergessenheit zu geraten.
Die Kommunikation der beiden handelnden Figuren spielt in dieser Zeit eine tragende Rolle. Nachdem Hildegard zu Hause ankommt, begrüßt er Paul nicht einmal, geschweige küsst ihn zur Begrüßung. Der einzige Anlass, dass sie im Laufe des Textes miteinander reden sind die Kinder. Das verdeutlicht, dass Pauls Kinder der einzige Grund sind ihn noch zu Hause zu halten. Und dass er außer diesem Aspekt keine weiteren sieht die ihn moralisch daran hindern seine Familie zu verlassen.
Der Erzähler nimmt im kompletten Geschichtsverlauf eine auktoriale Außensicht ein. Er kann die vielfältigen Gedankengänge Pauls einsehen und wiedergeben. Jedoch bleibt er in der sonstigen Beurteilung der Geschichte relativ neutral, da er ihr keine weiteren Kommentare hinzufügt, sondern lediglich Handlung und vor allem Gedanken wiedergibt. Dies impliziert dem Leser, dass er sich zu großen Teilen auf die Gedankengänge Pauls und seine Absicht auszuwandern konzentrieren soll. Der Erzähler der Kurzprosa besitzt eine extrem geringe Distanz zum erzählten Geschehen und ist dadurch in der Lage die eigentlich sehr kurze Handlung Pauls auszudehnen um zu zeigen, dass Paul tunlichst vermeidet sich über die Folgen seines möglichen Handelns Gedanken zu machen, es aber nicht schafft da seine Sorgen überwiegen und er in seinen endlosen Gedanken verweilt.
Die Geschichte enthält aus diesem Grund nur sehr wenig Handlungen der Figuren. Jedoch wird die Handlungsbeschreibung auf ihr Maximum ausgedehnt. Dies vermittelt den Lesern erneut, dass sie sich auf die Gedankengänge Pauls zu konzentrieren haben und die Handlungen in der Aussageabsicht der Kurzprosa eine geringe Auswirkung haben. Paul versucht sich in diesen Handlungen von seinen Gedanken abzulenken. Das nicht gelingen dieser Ablenkungsversuche deutet darauf hin, dass Paul in seinen eigenen Gedanken gefangen ist. Er versucht aus diesem imaginären Gefängnis auszubrechen, doch jede Art von Ablenkungsversuch scheitert. Der Auswanderungsgedanke Pauls muss ihn bereits seit einiger Zeit beschäftigen, da er sich in der Kurzprosa exzessiv mit den möglichen Auswirkungen seiner Entscheidung beschäftigt. Darüber hinaus stehen die sehr umfangreichen Ausführungen seiner Handlungen gewissermaßen auch für seinen derzeitigen Lebensstil der ihm sehr zu schaffen macht. Alles was Paul in der Kurzprosa tut ist nichts Bahnbrechendes, wird aber in der Geschichte auf übertriebene Weise beschrieben um den Leser auf die Einseitigkeit und Langeweile in Pauls Leben aufmerksam zu machen. In der Kurzprosa gibt es einen prägenden Leitsatz „Mir ist es hier zu kalt“ der auf mehreren Ebenen gebräuchlich wird. Durch den Leitsatz wird das unterkühlte Verhältnis zwischen Paul und Hildegard zusammengefasst. Das Paar, dass seit mehreren Jahren verheiratet ist besitzt keine wirkliche emotionale Bindung mehr zueinander. Paul vermisst die emotionale Wärme seiner Frau und versucht sie an einem anderen Ort wiederzufinden. Paul hält es in seinem Abschiedsbrief nicht für nötig, seiner Frau Gründe für seine Entscheidung zu geben, sondern beschränkt sich nur auf die mit seiner Entscheidung verbundenen Handlung. Es herrscht ein schwerwiegendes Kommunikationsproblem zwischen den beiden Genannten vor; Sie versuchen gar nicht erst auf das gemeinsame Problem einzugehen, sondern verschlucken diese lieber in ihrem Gewissen um unangenehme Konfrontationen den Kindern zu Liebe zu vermeiden. Paul macht sich in der Sequenz zwischen Zeile 17 bis 24 ausschließlich Gedanken um die Reaktion seiner Frau, was darauf hindeutet wieso Paul lieber die offene Konfrontation zu vermeiden. Er liebt seine Frau trotz des unterkühlten Verhältnisses innig und möchte sie nicht verletzen was ein weiterer Aspekt ist warum Paul seine Überlegungen nicht geschehen lässt.
Der Abschiedsbrief nimmt eine zentrale Stellung in der Kurzprosa ein, da er die Problemstellung des Ehepaares wiederspiegelt; Paul traut sich was er denkt nur zu Papier zu bringen. Jedoch traut er sich nicht einmal tiefergehend die Beweggründe für seine Entscheidung aufzuschreiben, sondern bleibt es seiner Frau schuldig eine ausführliche Erklärung zu verfassen. Diese Fakten spiegeln die ängstlichen Gefühlszüge Pauls wieder. Er hat Angst seiner Familie zu verletzen und macht seine Gedanken aufgrund dessen nie wahr. Paul kann man dadurch als sehr emphatisch aber ängstlich charakterisieren, da er zwar Mitgefühl besitzt, aber sich bei Problemen lieber drückt als offen über diese zu reden. Er traut sich nicht das offensichtlich unterkühlte Verhältnis zu seiner Frau mit Konfrontationen zu bekämpfen und versucht vor diesen zu flüchten. Seine Frau erfährt von seinen Gedanken auch am Ende der Kurzprosa nichts und die Geschichte ist somit Teil eines Kreislaufs, in dem Paul versucht vor seinen Problemen zu flüchten, aber die Flucht letztendlich nicht antritt da er zu viel Empathie besitzt und im Wechselbad seiner Gefühle lebt was daran deutlich wird, dass er im Laufe der Geschichte „erst an Palmen und dann an Hildegard denkt“. Hildegard leidet ebenfalls an dem unterkühlten Verhältnis zu Paul, da sie ihn bei ihrer Ankunft nicht einmal begrüßt.
Abschließend will Peter Bichsel mit seiner Kurzgeschichte dem Leser zeigen, dass es unvorteilhaft ist Probleme auf Gefühlsebene auszublenden und sich in sein eigenes Gewissen zu flüchten.
Die Geschichte geht ideal auf die Problemstelle vieler Beziehungen der heutigen Zeit ein. Die Kommunikation zwischen zwei Menschen sorgt dafür, dass sie Mitgefühl füreinander entwickeln und Probleme lösen können. Man soll bei gewissensbelastenden Problemen lieber die unangenehme Konfrontation suchen, als zu versuchen alleine mit ihnen fertigzuwerden, um den Grundstein für eine erfolgreiche Beziehung zur anderen Person legen zu können.
Frage von heikohw4 | am 19.10.2017 - 16:08


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Antwort von Ritchy (ehem. Mitglied) | 19.10.2017 - 19:48
Da sind einige Flüchtigkeitsfehler drin,
die Du aber selbst beim nochmaligen genauen Durchlesen sofort entdeckst. Sonst könnte es ok sein.

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