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'Neue Medien - Herrscher oder Helfer' - Textanalyse

Alles zu Analysen und Interpretationen

"Herrscher oder Helfer? Information und Kommunikation mit neuen Medien" von Klaus Brepohl (1984)


Aufgabe: Anfertigung einer Analyse


Der Auszug aus dem Sach- und Fachbuch „Herrscher oder Helfer? Information und Kommunikation mit neuen Medien“ von Klaus Brepohl (1984) beschäftigt sich auf informativ / appellative Weise mit dem Problem, dass die Diskussionen um die neuen Medien sich fast ausschließlich auf das Fernsehen beziehen. So möchte er das Sach- und Fachpublikum darauf aufmerksam machen, dass die neuen Medien unentbehrlich sind und sehr wohl sinnvoll eingesetzt werden können. Im folgenden werde ich nun zunächst die Thesen nennen und sie dann im einzelnen am Text belegen.

Als erstes behauptet der Autor, dass „Neue Medien“ (Z.1) unentbehrlich sind, als zweites, dass der Umgang mit den neuen Medien erlernt werden kann und drittens, dass die Konkurrenz der öffentlich-rechtlichen und der privaten Rundfunkanstalten eine Bereicherung für den Zuschauer sind.
Der Auszug beginnt mit einer Definition des Begriffes „Neue Medien“. Der Leser wird von dem Vorurteil befreit, dass man unter diesem Begriff ausschließlich das Fernsehen verstehen würde. Statt dessen ist es ein Sammelbegriff für eine „ganze Palette von [...] weiterentwickelten Informations- und Kommunikationstechniken“ (Z.1-3).
Hiermit wird der Leser direkt zur ersten These geführt, nämlich dass unsere moderne Gesellschaft ohne die „neuen Medien“ „nicht lebens- und wettbewerbsfähig“ (Z.6-7) ist. Diese These wird direkt durch ein „Faktenargument“ (?) unterstützt: Es werden neue Techniken gebraucht, um die „wachsende Informationsflut“ (Z.6) verarbeiten zu können. Dieses Argument wird auch noch durch die anfangs genannte Definition des Begriffes „neue Techniken“ verstärkt, da der Leser erkennt, dass nicht nur über das Fernsehen, sondern sogar über die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands diskutiert wird, was damit ein „Argumentum ad baculum“ beinhaltet. Der Leser könnte fürchten, dass die deutsche Wirtschaft den Bach runter gehen könnte, wenn die „neuen Medien“ nicht weiter gefördert werden. Als Beispiel werden „Industrie-Roboter“ (Z.9) genannt, die für den wirtschaftlichen „Fortschritt unentbehrlich“ (Z.9) sind. Dies ist ein weiteres Faktenargument, dass sich auch wieder auf die selben Befürchtungen stützt. Außerdem liefert der Autor noch ein indirektes Argument, nämlich dass die Gegner noch nicht einmal wissen, was Neue Medien sind, da sie sich nur mit der Frage „Wieviel Fernsehprogramme braucht der Mensch?“ (Z.13-14) beschäftigen.
Die Glaubwürdigkeit der Gegner wird untergraben, da diese angeblich noch nicht einmal wissen, was Neue Medien sind. An dieser Stelle beginnt nun bereits die indirekte Argumentation der anderen beiden Thesen. Es werden die beiden lächerlichen Argumente der Gegner genannt, die vom Autor mit der zweiten und der dritten These widerlegt werden. Zum einen würden die „zusätzlichen Programme“ „die Gefahr der ‚Reizüberflutung‘“ (Z.15) mit sich bringen. Zum anderen sei die Konkurrenz der „öffentlich-rechtliche[n]“ und der „private[n] [...] Fernsehanbieter“ (Z.16-17) ein großes Problem für den Zuschauer. Alle diese Behauptungen werden im Laufe des Textes widerlegt. Der Autor beginnt mit der zweiten These, die durch die Behauptung, dass der Umgang mit den neuen Medien erlernt werden kann, die Behauptung der „Reizüberflutung“ (Z.15) widerlegt. Bereits die Überschrift des Abschnittes („Reizüberflutung?“ (Z.17)) stellt die Antithese in Frage. Es folgen Argumente zur dritten These auf die ich aber erst später eingehen werde.
Als erstes stütz der Autor die zweite These auf folgendes Faktenargument: Die Bürger wenden bereits „mehr Zeit für das Fernsehen auf als für das Lesen“ (Z.25-26). Es ist also schon viel zu spät, um jetzt noch damit zu argumentieren. Das Gegenargument wird also stark entkräftet. Jedoch wird eingeräumt, dass die Gegner Recht haben. Es aber strikt von dem Konkurrenzkampf unabhängig gemacht, da es „gar nichts“ (Z.28) zu tun hat. Um dies noch weiter zu erläutern wird die These noch einmal etwas umformuliert: Es ist nur von Bedeutung „[w]as und wieviel der Bürger liest, hört oder fernsieht“ (Z.29-30). Weiter gibt er das Faktenargument, dass die „eigene, freie Entscheidung“ (Z.30) jedes Bürgers ist, den Konsum selbst zu bestimmen. Dies lässt sich jedoch nur dann vernünftig machen, wenn man es gelernt hat „kritisch mit allen Medien umzugehen“ (Z.33). Der Konsum der neuen Medien ist also nur dann eine „Reizüberflutung“, wenn der Bürger es nicht gelernt hat „gezielt“ ein Programm „auszuwählen“ (Z.34). Die Schuld liegt also nicht beim Fernsehen selbst, sondern bei der Gesellschaft, bzw. beim Staat, die für die Erziehung zu einem gezielten Konsum die „Verantwortung“ (Z.36) tragen.
Durch dieses Argument sollen auch alle Eltern dazu gebracht werden sich einmal selbst zu fragen, ob sie ihre Kinder richtig erzogen haben. An dieser Stelle kommt der Autor bereits zu einem kleinen Zwischen-Resümee: Es ist möglich sinnvoll und vernünftig mit den neuen Medien umzugehen, wenn wir „richtig mit ihnen umgehen“ (Z.39-40). Als ein Beispiel wird an dieser Stelle die Jugend angeführt, die „in aller Selbstverständlichkeit mit Computern“ (Z.41-42) umgeht. Dieses Beispiel ist eine Ermahnung an alle Erwachsenen. Wenn die Jugend das kann, müssen sie das doch auch können. Dies ist ein indirektes Argument, was hier verwendet wird, um den Erwachsen zu beweisen, dass Neue Medien nicht „unheimlich“ (Z.42) sind. Um die Erwachsenen noch weiter zu ermutigen folgt ein weiteres Faktenargument, nämlich dass der Fernsehkonsum in den letzen Jahren „leicht abgenommen“ (Z.44) hat. Dies erklärt der Autor damit, dass man sich an das Fernsehen als neues Medium „gewöhnt“ (Z.45) hat. Dies soll den Leser beruhigen, da man sich auch an den Fernseher gewohnt hat. Dieses Faktenargument wird noch weiter faktisch durch eine Umfrage untermauert: Die „14- bis 19jährigen [schauen] im Tagesdurchschnitt 111 Minuten“ (Z.47) Fernsehen, während der „Bevölkerungsdurchschnitt 132 Minuten“ (Z.48) damit verbringt („die 60- bis 69jährigen [...] sogar [...] 163 Minuten“ (Z.49)). So haben die „Jugendlichen 148 Minuten“ am Tag Zeit für „soziale Kontakte“ (Z.50), während der Durchschnitt nur „102 Minuten“ (Z.51) hat. Außerdem sind nachweislich „Jugendliche länger außer Haus aktiv [...] als der Durchschnitt“ (Z.52). Dies soll noch einmal deutlich zeigen, dass die heutige Jugend bereits in der Lage ist vernünftig mit den neuen Medien (zumindest mit dem Fernsehkonsum) umzugehen.
Alle anderen können es, laut dem Autor, leicht erlernen. Durch eine gegliederte Aufstellung der Umfrage-Ergebnisse sieht das ganze wesentlich wissenschaftlicher (faktischer) aus, was die Glaubwürdigkeit verstärkt. Es folgt ein weiterer Abschnitt mit der Überschrift „Öffentlich-rechtlich oder privat?“ (Z.58). Hier beginnt nun die Argumentation zur dritten These. Bereits durch die Überschrift soll gezeigt werden, dass der Autor das Argument der Gegner in Frage stellt. Auch in der Argumentation zur dritten These werden die Gegenargumente im Konjunktiv erwähnt, was eine deutliche Distanzierung des Autors zeigt. Dies wird zum Beispiel an Stellen, wie „führe [...] unter Umständen zur Isolierung“ (Z.19) oder „Schädlich sei ein erhöhtes Angebot“ (Z.20) Dies führt beim Leser bereits zu einer kritischen Einstellung. Als erstes werden die gesamten Argumente genannt, die die Gegner der neuen Medien einwenden könnten. Dies ist die Einleitung einer indirekten Argumentation. Es wird die Antithesen formuliert, dass das aus Werbeeinnahmen finanzierte „Profit- oder Kommerzfernesehen“ (Z.23), wie es von den privaten Sendern betrieben wird, zu einer „Verflachung der Programmqualität“ (Z.24) führe. Diese Antithese wird im folgenden wiederlegt.

Als erstes wird auch hier eine kleine Einführung gegeben, die den Begriff „Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik Deutschland“ (Z.59) erklärt. Laut Definition sind sie „Anstalten des öffentlichen Rechts“ (Z.60), die von „Vertretern der gesellschaftlich relevanten Gruppen [...] die die Interessen der Allgemeinheit vertreten sollen“ (Z.61-63). Sie finanzieren sich „aus Gebühren“ (Z.65). Das heißt also, dass das öffentlich rechtliche Fernsehen angeblich nahezu perfekt ist, da es die Interessen aller Bürger vertritt und sich laut Gesetz auch nur durch Gebühren finanziert. In Wirklichkeit finanziert sich das öffentlich rechtliche Fernsehen aber ebenfalls zu einem „nicht unerheblichen Teil auch aus Werbeeinnahmen“ (Z.65-66). Es ist also laut genau so schlecht wie das Privatfernsehen. Durch dieses Faktenargument ist die Antithese bereits wiederlegt. Jedoch gibt es sogar noch weitere Argumente, die sogar zeigen, dass das Privatfernsehen besser ist als das öffentlich rechtliche. Als erstes stellt er das Faktenargument vor, dass die privaten Sender ihre Lizenz nach dem „Landesgesetz“ (Z.66) erhalten, was im Klartext bedeutet, dass sie gesetzlich Gewollt und Erlaubt sind. Es ist also beabsichtigt, dass es Konkurrenz gibt. Außerdem müssen sie sich an „gesetzlich festgelegte Richtlinien“ (Z.68) halten, was ebenfalls garantiert, dass das Programm gesetzlichen Grundsätzen entspricht, so dass es keinerlei Vorteile gegenüber dem öffentlich rechtlichen Fernsehen hat. Aber im Gegensatz zu den öffentlich rechtlichen Sender stellen die privaten „selbst keine Programme her, sondern vergeben [...] Lizenzen an private Anbieter“ (Z.67-68).
Dieses Faktenargument beweist, dass sich die privaten Sender das beste Programm aussuchen können und somit genau das ausstrahlen können, was die Zuschauer sehen wollen. Sie können also ein wesentlich besseres Programm bieten. Da sie auf „Einnahmen aus der Hörfunk- und Fernsehwerbung“ (Z.83) angewiesen sind, sind sie also auf die Zuschauer angewiesen (im Gegensatz zu den öffentlich rechtlichen) und werden sich sicherlich bemühen nur das beste Programm zu präsentieren, was „nach Möglichkeit die Vielzahl gesellschaftliche[r] Meinungen“ (Z.80-81) trifft. Um dem ganzen noch einen wissenschaftlichen Hintergrund zu geben, weist der Autor darauf hin, dass „Fachleute [...] dazu „Außenplurales Modell“ sagen“ (Z.81-82). Das ganze ist also bereits wissenschaftlich erforscht und scheint daher legitimiert (Autoritätsargument). Es folgt ein weiteres indirektes Argument. Würde nun jemand behaupten, dass dadurch die öffentlich rechtlichen Sender ruiniert werden würden irrt sich. Sie haben zwar ihr „Monopol verloren“ (Z.84-85), aber eine „Bestands- und Fortentwicklungsgarantie“ (Z.85) sichert ihnen ein sicheres Fortbestehen.
Dies könnte evtl. auch die Gefühle einiger Leser ansprechen, die glauben, dass du die neuen Sender Arbeitsplätze o.ä. verloren gehen würden, was natürlich nun wiederlegt ist. Doch der Autor versucht den Leser noch weiter zu überzeugen, indem er noch ein indirektes Argument anbringt, dass schon einmal angesprochen wurde, jetzt aber noch weiter ausgeführt wird: Das Interesse an den Zuschauern. Es könnte nun natürlich ein Gegner behaupten, dass die privaten Sender die Zuschauer mit „mehr oder weniger seichter Unterhaltung anlocken“ (Z.90). Jedoch sagt der Autor richtig, dass es „keinen Beweis dafür [gibt], daß private Programme schlechter sein müssen als öffentlich-rechtliche“ (Z.90-92). Im Gegenteil es gibt sogar Beispiele dafür, dass die „Konkurrenz zwischen staatlichen und privaten Anstalten“ (Z.92-93) die Programmqualität „bereicher[n]“ (Z.93). So gibt der Autor als Beispiele z.B. „Großbritannien“ (Z.92) an. Durch das normative Argument, dass es „selbstverständlich“ (Z.96) sei, dass sich alle Rundfunkanstalten an bestimmte „gesetzlich festgelegte Regeln halten müssen“ (Z.97). Das ganze wurde also von führenden Persönlichkeiten erarbeitet.

Schließlich zieht der Autor sein Resümee daraus und fasst die Ergebnisse seine Analyse zusammen und gibt eine Prognose ab. Er sagt, dass die „Medienlandschaft der Zukunft [...] ganz anders aussehen“ (Z.98-99) wird, als die von heute. Schließlich versucht er eine Art Kompromiss zu formulieren, der darauf besteht, dass für die neuen Medien „nicht nur die besten Techniken“ (Z.101), sondern auch die „besten rechtlichen Regelungen“ (Z.101). Hiermit versucht der Autor noch einmal endgültig alle Ängste zu beseitigen und den Leser von seiner Meinung zu überzeugen, dass die neuen Medien unentbehrlich sind. Die Argumentation ist dialektisch aufgebaut, was bei dem Leser die Vorstellung bewirkt, dass der Autor wirklich alle Aspekte behandelt hat, was in diesem Text sicherlich nicht der Fall ist. Der Autor entkräftet jedoch durch Nachprüfbare Faktenargumente und indirekte Argumente die Haupt-Antithesen, was durchaus eine sehr überzeugende Wirkung hat. Die Sprache ist ebenfalls zu diesem Zweck ausgerichtet. Die Sätze sind sehr einfach Aufgebaut. Doch um dem ganzen ein wissenschaftlichen Aussehen zu geben sind einige Sätze stark verschachtelt durch lange Nebensatzkonstruktionen. Außerdem werde einige Fachbegriffe verwendet, wie z.B. „Außenplurales Modell“ (Z.81-82) oder „Reizüberflutung“ (Z.15). Das zweimal verwendete Mittel der tabellarischen Aufzählung (Z.15 ff. und Z.50 ff.) erzeugt auch noch einen stärkeren faktischen Eindruck. Dieser Text überzeugt ein Fachpublikum und mich als normalen Leser auf jeden Fall von der Wichtigkeit der „neuen Medien“, da die Argumentation schlüssig ist. Die vielen Erläuterungen, Faktenargumente und indirekten Argumente spielen dabei eine sehr große Rolle. Der Autor reagiert auf jeden möglichen Einwand, den man als Leser haben könnte und entkräftet oder erklärt ihn sofort, so dass man als Leser gar nicht erst auf den Gedanken kommt, an der Wichtigkeit neuer Medien zu zweifeln. Natürlich weiß ich heutzutage, vor allem als Computerfan, wie wichtig die „neuen Medien“ im Alltag geworden sind. Daher kann ich nun auch im Nachhinein sagen, dass der Autor mit allen seinen Argumenten völlig recht hatte. Aber auch im Jahre 1984, als das Buch erschienen ist, war es sicherlich sehr überzeugend.
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Ausführliche Textanalyse des Artikels 'Neue Medien - Herrscher oder Helfer' von Klaus Brepohl! (1965 Wörter)
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