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Gedichtsinterpretation "Im Winter" von Georg Trakl

Alles zu Georg Trakl  - Im Winter

Georg Trakl (3.2.1887-3.11.1914)


Im Winter
Der Acker leuchtet weiß und kalt.
Der Himmel ist einsam und ungeheuer.
Dohlen kreisen über dem Weiher
Und Jäger steigen nieder vom Wald.
Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt.
Ein Feuerschein huscht aus den Hütten.
Bisweilen schnellt sehr fern ein Schlitten
Und langsam steigt der graue Mond.
Ein Wild verblutet sanft am Rain.
Und Raben plätschern in blutigen Gossen.
Das Rohr bebt gelb und aufgeschossen.
Frost, Rauch, ein Schritt im leeren Hain.

Worterklärungen:
Dohle = Rabe
Rain = Unbewirtschafteter Ackerstreifen zwischen zwei bewirtschafteten Äckern
Hain = kleinerer Wald
Alliteration (Stilmittel) = Bei der Alliteration beginnen mehrere Worte mit dem gleichen Buchstaben
Allusion = Anspielung
Georg Trakl wurde am 3.2.1887 als Sohn eines Eisenhändlers in Salzburg geboren.
Während seines Pharmaziestudiums in Wien begann er Gedichte zu publizieren und schloss 1910 die akademische Ausbildung ab
Trakl gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des österreichischen Expressionismus
Sein Gesamtwerk ist geprägt von Schwermut, Trauer und der Suche nach Gott. Tod, Verfall und der Untergang des Abendlandes sind zentrale Aussagen seiner tiefen Lyrik voller Symbole und Metaphern. Herbst und Nacht bilden die Leitmotive seiner Dichtung
Er war schwer drogenabhängig und depressiv
Er ist an einer überdosis kokain (warscheinlich selbstmord) nach einer psychischen grenzerfahrung (der schlacht bei Grodek) gestorben
Soziale Spannungen der zeit beeinflussten seine Werke stark
Georg Trakl hatte eine depressive Grundeinstellung, welche durch die Zustände seiner Zeit noch verschlimmert wurden
Er starb am 3.11.1914 mit 27 Jahren in Krakau

Interpretation:
Das Gedicht „ Im Winter“ von Georg Trakl beschreibt eine ländliche Szenerie im Winter bei Mondaufgang. Jäger kommen von der Jagd heim somit kann man es als eine winterliche Jagdszene bezeichnen.
Das Gedicht besteht aus drei vierzeiligen Strophen. Eine vierzeilige Strophe wird als Quartett bezeichnet. Man könnte also das ganze Gedicht als ein abgewandeltes Sonett bezeichnen. Das Reimschema dabei ist innerhalb des ganzen Gedichtes ein umarmender Reim (ABBA CDDC EFFE. Die Sprache ist teilweise veraltet (Hain, Rain)
Das Gedicht enthält einige Merkmale welche es zu einem expressionistischen Gedicht machen.
Da es kein lyrisches Ich gibt wird Distanz zum Leser aufgebaut. Die Sätze enthalten nur die nötigsten Bausteine wie Subjekt, Objekt und Prädikat (verkürzter Syntax.).
Die Farben der Strophen sind weiß leuchtend (Strophe 1) , schwarze Wipfel (Strophe 2) , rot (Blut) und gelb (wahrscheinlich Schwefelrauch aus dem Gewehr). Die Beschreibung ist damit sehr monoton.
Die Farben die er beschreibt sind gefühlte Farben, welches ein weiteres Merkmal für ein expressionistisches Werk ist.
Hoffnung oder Sehnsucht, welche sich in der Farbe blau wiederspiegeln treten gar nicht auf.
In den ersten beiden Strophen sind die Farben monoton und unbunt welches auf eine kalte, grelle, düstere Stimmung zu schließen ist.
Ein Acker kann nicht kalt sein, also beschreibt er damit sein Gefühl. Das schweigen kann nicht in den Wipfeln wohnen. Diese Wortwahl birgt eine Vermenschlichung des schweigens oder der Wipfeln in sich.
Erst mit dem Verbluten des Wildes am Anfang der 3. Strophe wird es farbig jedoch auch erschreckend und grausam. Er stellt das Sterben als sanft und fast zärtlich dar. Man kann jedoch das qualvolle verenden des wildes nicht als sanft beschrieben. Der hiermit provokant beschriebene Tod ist ein weiteres wichtiges,expressionistisches Merkmal.
Die letzten beiden Verse sind etwas zerstückelt. Das gelb bebende Rohr ist eine Metapher für eine Jagdwaffe. Frost, Rauch stehen als Allusion für Kälte, Bedrohung und Tod, sowie dem Qualm der Schusswaffe,
Das ganze Gedicht ist im Präsenz geschrieben.Trotz der Distanz des Lesers zum geschehen macht es das Gedicht zum unmittelbar erlebten und zur Realität, der man sich nicht entziehen kann.
Die ersten beiden Strophen ähneln sich insofern, als dass die ersten beiden Verse mit den gleichen Worten beginnen. Diese Wort- und Satzkonstruktionswiederholungen machen die ersten beiden Strophen monoton und eingängig. Der Leser wird sozusagen eingelullt was dann zur Folge haben kann dass die letzte Strophe überraschen oder schockierend ist.
Man kann sagen, dass die ersten beiden Strophen sich ähneln und man dadurch auf die dritten, überraschend andere Strophe, nicht vorbereitet ist. Die allerletzte Zeile ist dabei nicht mal ein vollständiger Satz (Prädikat fehlt).
Das Gedicht arbeitet stark mit alliterationen und wirkt so minimalistisch verknappt weil die überzahl der worte einsilbig ist,
Es geht um die Welt vor dem ersten Weltkrieg, sein persönliches Erleben und seine Trostlosigkeit. Das ganze Gedicht hat eine resignierende, negative Ausstrahlung.
Inhalt
Die datei enthält das Gedicht "Im Winter", eine kurze Biographie des Autors Georg Trakl und die Interpretation des Gedichtes "Im Winter". Das Gedicht findet sich ind em Schulbuch: Lesen,Darstellen, Begreifen für das Gymnasium in Klasse 10. (705 Wörter)
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21.06.2005 von unbekannt
Schlagwörter
Georg Trakl | Gedichtinterpretation | Im Winter | Lesen | Darstellen | Begreifen für das Gymnasium in Klasse 10 auf Seite271
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