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Die Entdeckung der Currywurst (Filmrezension, Ulla Wagner, Uwe Timm)

Alles zu Uwe Timm  - Die Entdeckung der Currywurst

Die Würdigung der Currywurst (Filmkritik zu "Die Entdeckung der Currywurst)


Das Schreien von Möwen, die Hauptdarstellerin auf ihrem Fahrrad und der beinahe sehnsüchtige Blick über die triste Hafengegend hinaus auf das ebenso triste Meer. Begleitet von harmonischer Streichmusik beginnt so unprätentiös und alltäglich Ulla Wagners Verfilmung von "Die Entdeckung der Currywurst".

Wir befinden uns im Frühjahr 1945: Der zweite Weltkrieg neigt sich dem Ende zu, als die, zu diesem Zeitpunkt 40-jährige Lena Brücker (gespielt von Barbara Sukow) den Jungen Marinesoldaten Hermann Bremer (Alexander Khuon) mehr durch Zufall im Kino kennenlernt und mit ihm ins Gespräch kommt. Als die Wahnsirenen auf einmal einen Luftangriff ankündigen, suchen sie zusammen Schutz in einem nahe gelegenen Bunker. Um sich danach etwas zu entspannen lädt Lena Hermann zu sich nach Hause ein, wo sie ihm etwas kocht und sie schlussendlich die Nacht zusammen verbringen. Entgegen seines eigentlichen Vorhabens entscheidet der Soldat am Morgen bei ihr zu bleiben und gilt fortan als fahnenflüchtig. Es entwickelt sich eine gefährliche Liebesbeziehung, die zu Friendenszeiten undenkbar wäre. Dies wird auch Lena schnell bewusst, als Hamburg von den Alliierten befreit wird. Aus Angst, ihren Liebhaber zu verlieren, unterschlägt sie bis auf weiteres das Kriegsende.

Der 2008 erschienene Film basiert auf Uwe Timms gleichnamigem Bestseller, kommt allerdings trotz vieler inhaltlicher Parallelen nicht vollständig an diesen heran.

Beim anschauen wird deutlich, dass die Regisseurin stets bemüht ist, sich Timms Intention anzupassen und ihr Werk ganz im Zeichen der Ästhetik des Alltags ausrichtet. Dies gelingt ihr durch die Distanz, welche sich sowohl zwischen den einzelnen Darstellern, als auch zwischen Darstellern und Publikum bemerkbar macht, ausgesprochen gut und erlaubt es dem Zuschauer somit, den Film aus einer objektiveren Sicht zu verfolgen.Allerdings beruht der Erfolg der Novelle, welche nunmehr in über zwanzig Sprachen übersetzt wurde, nicht allein auf dieser Intention und so kommt es, dass die wunderbar unaufdringliche Verknüpfung der intimen Liebesgeschichte mit den politischen Ereignissen zu dieser Zeit nicht ganz die gewünschte Auslegung erreicht, wie es in Timms Vorlage der Fall war. Somit ist es wenig verwunderlich, dass Ulla Wagner mit ihrer Kinoadaption nicht an diesen Erfolg herankommt.

Dennoch hat sie es bewundernswert geschafft, mit einfachen Mitteln und einem erwähnenswert geringen Kapital einen Film zu produzieren, der einen Unterhaltungswert besitzt und vielleicht auch primär als eine Lobpreisung an Uwe Timms Bestseller verstanden werden kann.

Wie schon im Buch dient die Entdeckung der Currywurst lediglich als Aufhänger für die Geschichte, welche eigentlich von der Umbruchszeit am Ende des zweiten Weltkrieges handelt. Dieser Umbruch wird für den Zuschauer spielerisch durch verschiedene kleine metaphorische Andeutungen, wie zum Beispiel die immer wiederkehrenden Sonnenstrahlen zwischen den tief hängenden Wolken verdeutlicht, spielt aber ansonsten, genauso wie die bedeutenden politischen Ereignisse, eine eher untergeordnete Rolle im Film, der sich vermehrt auf die möglichen Konsequenzen der gefährlichen Liebe konzentriert. Hierbei werden die, in der Novelle zentralen Fragen und Dingsymbole entweder hinten angeschoben oder ganz weggelassen, was einerseits sehr schade für die dadurch weniger tiefgründige Handlung ist, andererseits natürlich eine geradlinigere und einfachere Erzählung ermöglicht, die fast schon behäbig wirkt.
So spielt etwa die Thematik rund ums altern oder erzählen überhaupt keine Rolle, da die eigentliche Rahmenhandlung gekürzt und verändert wurde.

Während beispielsweise zunächst Bremer der einzige ist, der im Film eine deutliche Angst verspürt, wendet sich mit dem Tod Hitlers in der Mitte des Filmes das Blatt und auch Lena bekommt es mit der Angst zu tun. Sie fürchtet, Bremer zu verlieren, sobald er vom Kriegsende erfährt, und sich damit auch von den letzten Reste ihrer wiederbelebten Jugend verabschieden zu müssen.

Infolge dessen wird der vielleicht wichtigste Unterschied zur Novelle deutlich: Im Gegensatz zur Vorlage ist die Szene von Bremers Verschwinden und speziell der Streit zwischen den beiden Hauptdarstellern weitaus weniger dramatisch und gefühlvoll, wodurch es wie keine große Sache, sondern allenfalls als eine Notwendigkeit für den weiteren Verlauf des Streifens scheint, als Bremer, den Lena ja angeblich so geliebt hat, weg ist. Generell bleibt die Intensität der Gefühle oftmals auf der Strecke, sodass sowohl positive, als auch negative Emotionen nie richtig in die Tiefe gehen. Die Regisseurin spielt mit Sexualität und Verlangen ebenso wie mit den geschichtlichen Zusammenhängen und dem Wunsch nach möglichst lang anhaltendem Glück und schafft es, trotz dem abdecken dieser vielseitigen Bereiche, nur geringfügig echte Gefühle beim Zuschauer hervorzurufen, geschweige denn, bei diesem in Erinnerung zu bleiben.

Der Film kommt ohne viele Worte, dafür aber mit einer gesunden Portion trockenen Humors aus. Es wird versucht Gefühle und Spannung weniger durch Sätze, als vielmehr durch Taten, Berührungen und Bewegungen zu verdeutlichen, worin vermutlich auch der Reiz des Filmes liegt. Die beiden Hauptdarsteller hätten oftmals die Möglichkeit ihr Leid zu teilen, entscheiden sich aber anstatt für einen offenen Umgang miteinander dafür zu schweigen und erzeugen so eine positive, ein wenig neugierig machende, Distanz und Spannung. Hierdurch bewegt sich die Regisseurin auf einem schmalen Grad zwischen Langeweile und Erwartung, findet diesbezüglich allerdings im allgemeinen einen guten Mittelweg.

Als Ulla Wagner sich diesem Film angenommen hat, lag ihre Intention vermutlich ohnehin nicht etwa darin, die bekannte Novelle eins zu eins auf die Leinwand zu bringen. Vielmehr macht es den Anschein, als wolle sie eben jene mit den einfachsten Mitteln würdigen, was ihr auf unverfängliche Art und Weise gelungen ist. Wer diese Intention begreift, wird vermutlich auch ohne die Rahmenhandlung oder versteckte Botschaften auskommen und sich bei diesem Streifen auf die stellenweise etwas zu brav und unreflektiert wirkende Liebesbeziehung zwischen Lena Brücker und Hermann Bremer konzentrieren, die aber durch das geheimnisvolle Schweigen, sowie die qualitativ hochwertige schauspielerische Darbietung dennoch sehr authentisch wirkt.

Enden tut der Film nun mit der Hauptdarstellerin, die symbolisch versucht ihren, vom Wind verwüsteten, Imbissstand in Ordnung zu bringen und dem metaphorischen Blick auf das, im Sonnenschein glänzende Meer.
Inhalt
Dies ist eine Filmrezension zum 2008 erschienenen Film "Die Entdeckung der Currywurst" (Regie: Ulla Wagner). Der Film basiert auf Uwe Timms gleichnamigem Bestseller.

Es handelt sich hierbei um meine eigene Interpretation des Filmes, der natürlich von jedem anders verstanden werden kann, sowie um meine persönliche Meinung dazu.

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22.05.2017 von bj0202
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