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Facharbeit: Staatssicherheitsdienst der DDR - Das MfS

Alles zu Ministerium für Staatssicherheit (Stasi)

Facharbeit


Geschichte
Staatssicherheit der DDR
Das MfS
Oliver Rose
Klasse 10/4
Gustav-Hertz-Gymnasium
Der Staatssicherheitsdienst der DDR

Gliederung:

Seite:
1. Das Ministerium für Staatssicherheit 1
Vorläufer des Ministeriums für Staatssicherheit 1
Gründung und Aufbau 2
Struktur der Staatssicherheit 4
Aufgaben und Ziele 5
Das MfS in Leipzig 6
Organisation der Staatssicherheit in Leipzig 6
Die Montagsdemonstrationen 7
Die „Runde Ecke“ 8
Abteilung Operative Personenmaskierung 9
Wie wurde man zum Inoffiziellen Mitarbeiter? 10
Zusammenfassung 11
Anhang
Quellenverzeichnis
Das Ministerium für Staatssicherheit
Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) sah sich als Teil des globalen Gesellschaftskonflikts zwischen „Imperialismus“ und Sozialismus, der unter den Bedingungen der Zweistaatlichkeit auf deutschem Boden ablief. Daraus begründete die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) ihre Sicherheitslogik: innere Konflikte zwischen den Gesellschaftssystemen galten prinzipiell als durch „imperialistische“ Geheimdienste oder andere Feindorganisationen gesteuert. Demzufolge arbeiteten „Aufklärung“ und „Abwehr“ dementsprechend eng zusammen und verwischten die Grenzen zwischen inneren Repressionen und nachrichtendienstlichen Tätigkeiten.
Der Staatssicherheitsdienst (SSD) war eines der wichtigsten Herrschaftsinstrumente der SED, welches geschickt die Spionage nach außen mit der Sicherung der Parteiherrschaft nach innen verband. In ihm fügten sich eine politische Geheimpolizei, eine Untersuchungsbehörde für politische Strafsachen und ein geheimer Nachrichtendienst zusammen. Die Staatssicherheit zeigte, dass sie ein weit verzweigtes, personalstarkes Instrument des Staatsterrors war, das die Bevölkerung beaufsichtigte und sie auf die Parteiziele ausrichtete.

Vorläufer des MfS
Schon in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) existierten Vorläufer des späteren MfS. So richteten die KPD und SED zusammen mit der sowjetischen Besatzungsmacht 1945 einen Sicherheitsapparat in der SBZ bzw. der neu gegründeten DDR ein. Auch die sowjetischen Volkskommissariate für Staatssicherheit (NKGB) und Inneres (NKWD) hatten ursprünglich eigene Einrichtungen in der SBZ geschaffen.
Die Sowjetischen Sicherheitsorgane planten direkt nach der Besetzung Deutschlands in den örtlichen Polizeidienststellen Kommissariate für politische Kriminalität einzurichten, die aus deutschen Kommunisten, meist ehemaligen Partisanen, bestehen sollten. Durch die Gründung von Landespolizeien wurden 1945/46 erste Strukturen einer staatlichen politischen Polizei existent.
Ein spezieller Vorläufer war der 5. Zweig der Kriminalpolizei (K5) der DDR, die neue Bezeichnung der im August 1946 gegründeten Deutschen Verwaltung des Innern (DVdI). Ihm fielen schon spätere geheimdienstliche Aufgaben des MfS zu: Verfolgung von Attentaten, „Entfernung und Beschmutzung demokratischer Propaganda“, Sabotageakten, Sabotage am Aufbau, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Verbreitung von Gerüchten und Parolen, Verstößen gegen die Befehle der Sowjetischen Militäradministration, Weiterführung von NS-Organisationen, falschen Angaben von ehemaligen NSDAP-Mitgliedern und sonstigen Verstößen gegen den Neuaufbau.

Gründung und Aufbau
Nachdem im Januar 1950 ein entsprechender Beschluss der SED vorausging, wurde am 8. Februar das Gesetz zur „Bildung eines Ministeriums für Staatssicherheit“ verabschiedet. Der stellvertretende Ministerpräsident Walter Ulbricht berief infolgedessen am 16. Februar 1950 Wilhelm Zaisser zum Minister für Staatssicherheit; Staatssekretär wurde Erich Mielke. Zaisser wurde ebenfalls sowohl in den Parteivorstand als auch in das Politbüro der SED integriert. Für das MfS war keine Kontrolle durch Ministerrat oder Parlament vorgesehen, es handelte als „Behörde eigener Verantwortung“ (Otto Nuschke, 1952).
Auf dem II. Parteitag der SED im Juli 1952 verkündete Walter Ulbricht den „planmäßigen Aufbau des Sozialismus“ und wies auf eine neuerliche „Verschärfung des Klassenkampfes“ hin. Im gleichen Zug steigerte das noch junge Ministerium für Staatssicherheit seine Aktivitäten in Ost und West erheblich. Schon allein zwischen August und Dezember 1952 wurden knapp 1500 Personen verhaftet.
Infolge der Gebietsreform in der DDR von 1952 löste das MfS die 5 bestehenden Länderverwaltungen auf und errichtete an deren Stelle 14 Bezirksverwaltungen. Die „Verwaltung Groß-Berlin“ und die erst 1951 gegründete „Objektverwaltung“ Wismut blieben jedoch bestehen. Allerdings reichten Organisation und Personal noch bei weitem nicht aus, um in den neu geschaffenen 217 Stadt- und Landkreisen bzw. in den Ostberliner Stadtbezirken Kreisdienststellen einzurichten. So existierten im März 1953 erst 192 Kreisdienststellen, wobei zunächst die Sitze der Bezirksverwaltungen ohne Kreisdienststellen blieben. In einigen Ausnahmefällen wurden Stadt- und Landkreise von einer gemeinsamen Dienststelle bearbeitet.
Nachdem der Staatssicherheitsdienst im Februar 1950 mit etwa 1100 Mitarbeitern angefangen hatte, verzeichnete man nach Ende 1951 schon ca. 4500 Mitarbeiter. Mit „Verschärfung des Klassenkampfes“ von 1952 wurde die Mitarbeiterzahl fast verdoppelt, man zählte nun 8800 Mitarbeiter. Nach dem abrupten Ausbau des MfS 1952 wurden überwiegend junge FDJ- und SED-Mitglieder in den Dienst der Staatssicherheit gestellt, da diese noch nicht über eigene Erfahrungen aus der kommunistischen Arbeiterbewegung vor 1945 verfügten. Solche Mitarbeiter rekrutierte der SSD bevorzugt aus Apparaten des Jugendverbandes und der Partei sowie aus der Volkspolizei. Nicht hauptamtlich eingestellt wurden frühere Polizeibeamte, Gestapopersonal und Mitglieder der SS. Die meisten von ihnen stammten aus unterprivilegierten, proletarischen Verhältnissen und besaßen nur eine einfache Allgemeinbildung, ebenso wie sie fast keinerlei Kenntnisse über polizeiliche oder geheimdienstliche Arbeit hatten. Um 1953 waren etwa 92% der Mitarbeiter des MfS auch Mitglied der SED, die übrigen wurden als „Parteimitglieder ohne Buch“ betrachtet.
Um den jungen Mitarbeitern solche Kenntnisse anzueignen, wurde 1951 eine Aus- und Fortbildungsschule vom MfS gegründet, jedoch erwarb der größte Teil der Mitarbeiter Erfahrungen in praktischer Arbeit, hauptsächlich beigebracht durch die ständig anwesenden Offiziere des sowjetischen Geheimdienstes sowie durch die im Untergrundkampf erfahrenen alten KPD-Genossen.
Ab 1952 wurde die Deutsche Grenzpolizei und auch die Transportpolizei dem Minister für Staatssicherheit vom Politbüro unterstellt, ebenso wie in der Sowjetunion. Intern blieben beide Apparate unter der Direktion des stellvertretenden Ministers, Chefinspekteur Hermann Gartmann, vollständig separiert und wurden weiterhin von zuständigen MfS-Diensteinheiten geheimdienstlich überwacht.
Zum Aufstand des 17. Juni 1953 musste das MfS seine Funktion bei inneren Unruhen beweisen. Während Wacheinheiten die Regierungs- und Parteigebäude schützten, versuchten andere Diensteinheiten „Rädelsführer“ festzunehmen oder Dienstgebäude des MfS zu schützen. Wilhelm Zaisser hatte Schüsse auf die Demonstranten verboten, und da die MfS-Mitarbeiter über keine geeignete Ausbildung verfügten, mussten die sowjetischen Truppen vor einem Desaster retten. Als der Aufruhr niedergeschlagen war beteiligte sich das MfS maßgeblich an Massenverhaftungen von Demonstranten und angeblichen westlichen Anstiftern, bis zum Abend des 22. Juni waren das weit über 6000 Personen. Die wichtigste Funktion der Staatssicherheit, Vorboten und Ansätze des Aufstandes früh zu erkennen und im Keim zu ersticken, hatte das MfS nicht erfüllt. Aus diesem Grund und unter dem Vorwurf der „Fraktionsbildung“ mit Rudolf Herrnstadt wurde Wilhelm Zaisser am 18. Juli von der Parteiführung entlassen und auf dem 15. Plenum des Zentralkomitees der SED aus dem Politbüro und dem Zentralkomitee ausgeschlossen.

Struktur der Staatssicherheit
Nachdem es in der DDR keine Bundesländer mehr gab, wurde das Land in 15 Bezirke aufgeteilt. Diese Ordnung behielt das MfS bei und errichtete in jedem Bezirk eine Bezirksverwaltung ein, darunter die Zentrale in Ost-Berlin. Jeder Bezirksverwaltung unterstanden eine gewisse Anzahl an weiteren Dienststellen, den Kreis- und Ortsdienststellen, insgesamt waren das 219.
Noch 1989 umfasste der Staatssicherheitsdienst etwa 91000 Mitglieder, darunter zählten ca. 78000 reine hauptamtliche Mitarbeiter, 12000 Mitglieder im Wachregiment und 1000 hauptamtliche inoffizielle Mitarbeiter. Weiterhin gehörte dem MfS eine Vielzahl inoffizieller Mitarbeiter an, bis 1988 waren es noch 173081.
Der Minister für Staatssicherheit war gleichzeitig auch Mitglied des Politbüros. Der letzte Minister war Armeegeneral Erich Mielke, er arbeitete mit dem Kollegium des Ministeriums eng zusammen. Der Minister des MfS hatte 4 Stellvertreter, die weiterhin das Kommando über eine Anzahl Abteilungen hatten. Dazu zählten zum Beispiel die Hauptabteilung I für die Abwehrarbeit in der NVA und in den Grenztruppen, die Hauptabteilung XI für das Chiffrierwesen, oder auch die Abteilung 26 für Telefonüberwachung. Außer den 4 Stellvertretern und ihren Abteilungen hatte der Minister auch die Leitung über Abteilungen die ihm direkt unterstanden, sowie über den Leiter der 15 Bezirksverwaltungen und deren Kreis- und Ortsdienststellen.

Aufgaben und Ziele
Die DDR-Staatssicherheit war ursprünglich eine Geheimpolizei, die Gegner der Parteidiktatur bzw. wen sie dafür hielt überwachte und bekämpfte. Der Staatssicherheitsdienst (SSD) konnte Zielpersonen eigenmächtig verhaften und solange in eigenen Untersuchungshaftanstalten festhalten, bis ihnen der Prozess gemacht wurde. Ebenso wie der SSD danach trachtete, die gesamte Gesellschaft unter seine Kontrolle zu bringen, war er einer der erfolgreichsten Nachrichtendienste für Spionage und Spionageabwehr.
Mit zunehmendem Alter wuchs der SSD zu einer Großbürokratie mit vielen weiteren Aufgaben heran. Er schützte führende DDR-Funktionäre mit Leibwächtern des MfS und betrieb die Politbürosiedlung in Wandlitz; stellte Passkontrollen an den Grenzübergängen; überwachte Reisende zwischen Ost und West; betrieb und sicherte geheimen Technologie- und Waffenhandel und unterhielt mit dem FC Dynamo Berlin sogar einen eigenen Sportverein.

Das MfS in Leipzig
Das Ministerium für Staatssicherheit hatte den Bezirk Leipzig in 13 Kreise unterteilt, die jeweils von einer Kreisdienststelle (KD) geleitet wurden. Das Kommando über diese 13 Kreisdienststellen hatte die Bezirksverwaltung für Staatssicherheit in Leipzig, deren Sitz in der so genannten „Runden Ecke“ am Dittrichring 24 war.
Heute gilt Leipzig als die Stadt der Friedlichen Revolution und auch noch heute sind die Schauplätze des Umbruchs Anziehungspunkte für viele Besucher aus dem In- und Ausland.
Die Organisation der Staatssicherheit in Leipzig
Die Bezirksverwaltung für Staatssicherheit (BVfS) im Bezirk um Leipzig stand unter der Leitung von Generalleutnant Manfred Hummitzsch. Er wurde unterstützt von der Zentralen Parteileitung unter Oberst Alfred Knöfler und seinem persönlichen Referenten und Offizier für Sonderaufgaben Major Roland Dollmeyer. In der Bezirksverwaltung arbeiteten 2401 hauptamtliche Mitarbeiter zusammen mit etwa 10000 inoffiziellen Mitarbeitern. Sie hatte die Leitung über die 13 Kreisdienststellen (KD) in diesem Bezirk, darunter auch die KD Leipzig-Stadt mit 201 Mitarbeitern sowie die KD Leipzig-Land mit 81 Mitarbeitern. Zusätzlich befehligte der Leiter 4 Stellvertreter mit jeweils einem eigenen Arbeitsbereich: Oberst Reinhard Eppisch als allgemeiner 1. Stellvertreter, Oberst Dieter Müller als Stellvertreter Operativ, Oberst Claus Brüning als Stellvertreter Aufklärung und Oberst Peter Kunze als Stellvertreter für Sicherstellung und Operative Technik. Weiterhin unterstand ihm eine Vielzahl weiterer Abteilungen.
Die KD Leipzig-Stadt war mit 201 Mitarbeitern die größte Kreisdienststelle in diesem Bezirk. Sie stand unter der Leitung von Oberst Norbert Schmidt, der zusätzlich 2 Mitarbeiter für funktionale Aufgaben seinerseits beschäftigte. Dem Leiter der Kreisdienststelle unterstanden das Referat für Probleme bei Übersiedlungsanträgen; das Referat zur Erfassung, Auswertung und Verarbeitung der Informationen aller Abteilungen und zum Erstellen von Berichten; das Referat Sicherstellung, welches für Hausmeister, Küche, Sekretärinnen, Raumpflege, usw. zuständig war; sowie der Stab, einschließlich der Wache. Auch die Leiter der Kreisdienststellen hatten einige Stellvertreter, wie zum Beispiel den Stellvertreter für Aufgaben zum Schutz und der Operativen Sicherung der Volkswirtschaft, den Stellvertreter für die Sicherung staatlicher und gesellschaftlicher Bereiche oder der Stellvertreter für Spionageabwehr und Abwehr von Angriffen gegen bewaffnete Organe.

Die Montagsdemonstrationen
Nach einigen Friedensgebeten in Leipziger Kirchen begannen am 4. September 1989 die Montagsdemonstrationen. Angesichts des Unwillens zu Reformen der DDR-Führung strömten anfangs 1200 Menschen ihre Reisefreiheit fordernd durch Leipzig. Obwohl vergleichbare Demonstrationen in kommunistischen Ländern immer blutig niedergeschlagen wurden folgten an den nächsten Montagen weitere Demonstrationen, bei denen jedoch Volkspolizei und Staatssicherheit gewaltsam vorgingen. Am 25. September, der 4. Montagsdemonstration, zogen schon über 5000 Menschen friedlich demonstrierend durch die Stadt, eine Woche später waren es schon 20000. Diese verlangten jetzt nicht mehr nach Reisefreiheit, sondern untermauerten mit der vorherrschenden Losung „Wir bleiben hier!“ den Wunsch nach grundlegenden Reformen in der DDR. Die Versuche der Sicherheitskräfte die Demonstration aufzulösen, scheiterte wegen Überforderung der Einheiten.
Schon im Vorfeld des 9. Oktobers nahmen die Sicherheitsvorkehrungen neue Ausmaße an. Die Staatsmacht stationierte Einheiten der Volkspolizei, der Staatssicherheit und auch der NVA in der Umgebung Leipzig um die bevorstehende Massendemonstration schon im Keim zu ersticken. Auf der Seite des aufbegehrenden Volkes fanden sich Kabarettist Bernd-Lutz Lange, Kapellmeister Kurt Masur, Pfarrer Peter Zimmermann und 3 Sekretäre der SED-Bezirksleitung zusammen und riefen gemeinsam zur Gewaltfreiheit auf. Dieser Appell und die Distanziertheit der Sowjetunion trugen genauso wie die 70000 Demonstranten wesentlich dazu bei, den friedlichen Ablauf der Demonstration zu wahren. Die an diesem 9. Oktober erstmals dominierende Losung „Wir sind das Volk!“ wurde schnell zum Motto der friedlichen Revolution in der DDR.
Am 16. Oktober schließlich demonstrierten ca. 120000 DDR-Bürger in Leipzig und alle Sicherheitskräfte zogen sich erneut zurück. 2 Tage später trat Erich Honecker von allen Staats- und Parteiämtern zurück, sein Nachfolger war Egon Krenz. An den Montagen des 21. und 28. Oktobers nahmen 300000 bzw. 200000 Bürger an den Demonstrationen in Leipzig teil. Zur selben Zeit weiteten sich die Proteste auf die gesamte DDR aus und führten schließlich zur Öffnung der Mauer und der innerdeutschen Grenze am 9. November 1989 und später zur Vereinigung beider deutscher Staaten.

Die „Runde Ecke“
Das Gebäude befindet sich auf dem Gebiet, auf dem um 1000 die erste deutsche Burg auf dem sonst sorbisch/slawischen Gebiet gebaut wurde. Die alte Leipziger Stadtmauer führte genau an dieser Stelle vorbei. Von 1910 bis 1913 wurde das neue Geschäftshaus der Leipziger Feuerversicherung gebaut. Laut einigen Gerüchten benutzte die Gestapo das Haus während der NS-Herrschaft und nach der Befreiung Leipzigs war in der „Runden Ecke“ für einige wenige Monate die US-Armee stationiert, ihre Nachfolger wurden der sowjetische NKWD und die K5.
Ab 1950 wurde die „Runde Ecke“ zum Sitz der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit in Leipzig und blieb dies bis 1989. Fast 40 Jahre lang stand die „Runde Ecke“ wie eine Zwingburg in der Stadtmitte. Bei diesem Anblick verstummte jedes Gespräch. Am 4. Dezember 1989 wurde eine der wichtigsten Forderungen der Friedlichen Revolution erfüllt: Die Zerschlagung Erich Mielkes Ministerium der Angst. Engagierte Bürger besetzten an diesem Abend während der Demonstration das Gebäude und legten damit die Staatssicherheitszentrale Leipzig lahm. Noch in derselben Nacht wurde das Bürgerkomitee gebildet.
Seit 1990 wird in den original erhaltenen Räumen der „Runden Ecke“ die Ausstellung „STASI – Macht und Banalität“ gezeigt. Die Überbleibsel aus der DDR-Zeit informieren über die Geschichte, Struktur und Arbeitsweise des einst so gefürchteten Geheimdienstes. Ergänzt werden diese durch Dokumente und Fotografien, die vor der Vernichtung bewahrt werden konnten. Ein Rundgang durch die Ausstellung zeigt, wie die SED einen Überwachungsstaat aufbaute und den Bürgern in der DDR systematisch ihre demokratischen Grundrechte entzog. Dabei soll dem Besucher auch bewusst werden, welche Bedeutung die Errungenschaften der Friedlichen Revolution bis heute haben.
Abteilung Operative Personenmaskierung
Objekte wie eine „Maskenbildnerwerkstatt“ versteckten sich häufig unter Decknamen, so genannten konspirativen Objekten, wie z.B. „Wasserwirtschaft Halle – Außenstelle Leipzig“. Die in der „Runden Ecke“ gefundene „Maskenbildnerwerkstatt“ war, laut Befragungen des Bürgerkomittees an Mitarbeitern der Staatssicherheit, ein Schulungsobjekt für Mitarbeiter der Abteilung Operative Personenmaskierung. Dort lernten die Offiziere wie man sich in eine andere Person verwandelt oder wie man sich tarnt. Sie lernten auch Mithilfe eines Unterrichts für geheime Zeichensprache wie man verkleidete Kollegen erkennt oder sich mit ihnen unauffällig verständigt. Den Offizieren musste auch beigebracht werden wie man Perücken und Bärte knüpft, da sie verständlicherweise nicht zu einem Friseur gehen konnten um zu sagen: „Wir brauchen mal eine Perücke, die muss so ähnlich aussehen wie diese Person, wir brauchen nämlich einen Doppelgänger.“, denn es musste strengste Geheimhaltung bewahrt werden.
In der Abteilung Operative Personenmaskierung wurden unter anderem auch Lehrgänge durchgeführt, um die Verkleidungsfähigkeit der Offiziere zu verbessern, zum Beispiel eine Lehrstunde „Verkleidung in einen Fotoreporter“. Dafür wurden genau registrierte Perücken und Bärte, sowie künstliche Leberflecken, Narben und andere Dinge verwendet. Dazu kam die gewohnte äußerliche Erscheinung des „Opfers“, wie legere Wechselbekleidung und einen Fotoapparat in einer Umhängetasche.
Wie wurde man zum Inoffiziellen Mitarbeiter?
Der Werdegang zum Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) begann mit einer sogenannten Vorlaufakte. Der Bürger kam damit ins Visier der Staatssicherheit, entweder durch einen Hinweis eines Offiziers oder eines anderen hauptamtlichen Mitarbeiters, oder durch einen Hinweis eines Inoffiziellen Mitarbeiters. Das bedeutet, die Staatssicherheit ging grundsätzlich immer selbst auf die Leute zu, man konnte sich demnach nicht freiwillig melden. Die einzige Ausnahme wäre vielleicht gemacht worden, wenn ein verlässlicher Hauptamtlicher Mitarbeiter für den Freiwilligen gebürgt hätte, weil er etwa ein Verwandter war, und trotzdem wurden dann noch lange Tauglichkeit und persönliche Dinge überprüft.
Die erste Aktion der Staatssicherheit auf einen solchen Hinweis, wenn er denn beachtet wurde, war die Anlegung eines ganzen Netzes zur Informationsbeschaffung. Darin wurden alle beschaffbaren Informationen verzeichnet die man erfahren konnte, ob über die Nachbarn, die Klassenkameraden oder die Lehrer, oder durch Arbeitskollegen. Zusätzlich wurden Informationen über persönliche Dinge geholt, was für Freundschaften der Bürger hatte, ob er gerne schrieb, ob er redselig oder eher schweigsam war. In dem Fall, das die beobachtete Person gerne Auskunft gibt, ist die Wahrscheinlichkeit das sie zum IM wurde sehr gering, da solche Personen gewiss auch schneller geheime Informationen verraten könnten. Weiterhin wurde überprüft welche Liebesbeziehungen der Betroffene pflegte, oder ob er sogar homosexuell war und auch, ob er besondere Sexpraktiken hatte. Wie man sieht, schreckte die Staatssicherheit auch nicht davor zurück, die intimen Bereiche des Lebens genauestens zu untersuchen. Solches Wissen war aber auch dazu nützlich, dass die Zielperson notfalls erpresst werden konnte.
Nach langen Beobachtungen und Auswertungen kam es schließlich zum ersten Kontaktgespräch. Dazu wurde vom Führungsoffizier ein Treffbericht verfasst, in dem darüber berichtet wurde wie sich der „Kandidat“ zum Ansinnen der Staatssicherheit geäußert hat. Wenn er sich positiv geäußert hatte, war er damit gewissermaßen qualifiziert und es wurde ein Termin für ein weiteres Treffen ausgemacht. Bei diesem weiteren Treffen wurde er dann zur Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit verpflichtet, wobei wiederum in der seiner Akte vermerkt wurde, ob diese Verpflichtung mit einem Handschlag besiegelt war oder ob sie schriftlich aufgezeichnet wurde, in diesem Fall würde die schriftliche Verpflichtung in die Akte eingefügt. Falls der „Kandidat“ aber beim ersten Treffen Zweifel geäußert hatte oder gar der Führungsoffizier der Meinung war, dass er nicht genug überzeugt oder völlig untauglich war, so musste der Führungsoffizier entscheiden ob er den Kontakt abbricht oder ob er weitere Versuche unternimmt, die Zielperson für die Sache der Staatssicherheit zu gewinnen.
Wenn der Bürger letztendlich zum Inoffiziellen Mitarbeiter geworden war, durfte er sich einen Decknamen auswählen, wobei viele IM versuchten Defizite aus ihrer Vergangenheit auszugleichen und sich etwa einen Doktortitel im Decknamen verliehen. IM zu sein hatte einige Vorteile, darunter auch Mietzuschüsse und die Erlaubnis für manche Westreisen.

Zusammenfassung
Letztlich war das MfS der DDR ein oft gewalttätiges Werkzeug der SED-Parteiführung. Der Staatssicherheitsdienst hat seinerzeit viel Unrecht getan und auch vielen menschlichen Bürgern unmenschlich viel Leid zugefügt. Sehr viele Menschen, egal ob Ost oder West, sind in den 40 Jahren des Bestehens entführt, erpresst, verhaftet oder getötet worden.
Über die ganze Geschichte des MfS wird nie Klarheit herrschen, denn es wurden zu viele Akten vernichtet und einige ehemalige Mitarbeiter halten noch heute Stillschweigen, ob aus Angst oder aus Sturheit.
Am Ende bleibt immer die Frage: „Was wäre wenn…?“ Vielleicht wäre alles anders gekommen, vielleicht auch nicht. Aber die Geschichte ist vorbei, und somit unabänderlich. Viel mehr sollte sich auch heute noch um die Staatssicherheitsakten, um Opfer, und auch um Mitarbeiter und Soldaten gekümmert werden, damit dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte schon bald abgeschlossen wird.
Inhalt
Die Facharbeit handelt, wie der Titel schon sagt, vom Staatssicherheitsdienst der DDR, speziell dem Ministerium für Staatssicherheit.

Gliederung:
1. Das Ministerium für Staatssicherheit
1.1. Vorläufer des Ministeriums für Staatssicherheit
1.2. Gründung und Aufbau
1.3. Struktur der Staatssicherheit
1.4. Aufgaben und Ziele
2. Das MfS in Leipzig
2.1. Organisation der Staatssicherheit in Leipzig
2.2. Die Montagsdemonstrationen
2.3. Die „Runde Ecke“
2.4. Abteilung Operative Personenmaskierung
2.5. Wie wurde man zum Inoffiziellen Mitarbeiter?
3. Zusammenfassung


PS: In der Originalversion dieser Facharbeit gib es noch einen 15-seitigen Anhang mit Dokumenten und Bildern. Dieser ist aber über 2MB groß und kann daher hier nicht upgeloadet werden. Spezielle Anfragen zum Anhang bitte per Message an mich, evtl. kann ich den ja per Mail schicken. (2989 Wörter)
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09.01.2005 von unbekannt
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Ministerium für Staatssicherheit | MfS | Stasi | SSD | Staatssicherheitsdienst | DDR | Leipzig | Geschichte | Facharbeit | Geschichtsfacharbeit
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