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Wie wichtig ist euer Abschlusszeugnis? Berufsschule & Co

Frage: Wie wichtig ist euer Abschlusszeugnis? Berufsschule & Co
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Hallo zusammen,

jetzt geht es in den Endspurt, die letzten Abiturarbeiten werden geschrieben,
bis zu den Sommerferien noch einmal mehrere Klassenarbeiten und dann ist schon wieder ein Schuljahr vorbei.

Ihr hört alle immer wieder: Gute Zeugnisnoten sind wichtig.
Gleichzeitig hört man auch: Alles Quatsch, nach dem (Berufs-)Abschluss will niemand mehr eurer Zeugnis sehen.
Noten sind halb so wichtig.

Ich möchte euch kurz schildern, was ich in meinem Bekanntenkreis neulich mitbekommen habe, und dass auch ein Berufsschulzeugnis und der Notendurchschnitt dafür durchaus wichtig sein können.

Junger Mann, Berufsausbildung in einem Handwerksbetrieb.
Ursprünglich Hauptschulabschluss mit 2,5 = befriedigend! (2,4 wäre übrigens mit = gut bewertet worden !)
Also Ausbildung gemacht, und auch mit Erfolg abgeschlossen.
Berufsschule fand er nicht so wichtig, wenn Klassenarbeiten anstanden, hat er die aus dem "Stehgreif" geschrieben, nicht extra noch gelernt. Mit der Note "befriedigend" gab er sich zufrieden - ist doch nicht schlecht. Sein Chef war damit auch zufrieden. Also, was solls?
Abschlusszeugnis Berufsschule: Durchschnitt 3,2
"Na ja, was solls, es gab einige Mitschüler, die waren wesentlich schlechter!", so O-Ton des Jünglings.

Ja, was solls?

=> Schlecht für den jungen Mann, denn jetzt ein paar Jahre später stellte er fest:

Nur mit einem Notendurchschnitt 3,0 und besser bekommt man den Nachweis "mittlerer Bildungsabschluss" über die Berufsschule (=> also keine mittlere Reife!)

So, der junge Mann arbeitet in seinem erlernten Beruf einige Jahre und dann stellt er fest, dass er sich weiterbilden will. Plötzlich denkt er wieder an Schule und so.
Er erkundigt sich, was er so tun kann.

Berufsoberschule wäre eine Möglichkeit - denkt er.
Er hat ja schließlich eine Berufsausbildung und dann könnte er ja die Fachhochschulreife (1 Jahr, Vollzeit) nachholen.

=> Geht nicht: Da er im Berufsschulzeugnis eine 3,2 stehen hat, hat er keine mittlere Reife und für die BOS - mit Ziel FHR braucht er unbedingt die mittlere Reife, die er nicht hat.

Also Alternative => Technikerausbildung - 2 Jahre Vollzeit, mit bestandener Prüfung hätte er auch die Fachhochschulreife
Kann man auch mit Hauptschulabschluss machen + bestandener 3-jähriger Berufsausbildung + mind. 2 Jahren einschlägiger Berufserfahrung

ABER: 200 Bewerber für 25 Schulplätze;
==> mehr Bewerber als Plätze = Auswahlverfahren
maßgeblich ist dafür u.a. das Berufschulzeugnis + die Anzahl der Berufserfahrung

Mit einem Notendurchschnitt 3,2 im Berufsschulzeugnis steht der junge Mann ziemlich blöde da: 1. Schule = sofortige Absage, 2. Schule = Warteliste (im mittleren Feld, irgendwo zwischen Platz 25 und 50)

Folge: Der junge Mann wird sich im nächsten Jahr wieder bewerben müssen, falls nicht wider erwarten plötzlich alle Leute auf der Warteliste sich streichen lassen bzw. die Leute, die eine Zusage haben, plötzlich alle nicht mehr die Technikerausbildung machen wollen.

Also was will ich damit sagen?

Auch auf Berufsschulzeugnisse kann es ankommen.


Verbaut euch nicht die berufliche/schulische Zukunft, nur weil ihr gerade keinen Bock auf Lernen habt.


Gute Noten sind wirklich nicht alles, und mein Berufsschulzeugnis brauchte ich auch niemandem mehr zeigen, aber manchmal kann es doch sein, dass Zehntelnoten doch entscheiden, ob man gerade ans Ziel kommt oder viele (zeitliche) Umwege machen muss.

Da wäre es doch schade, wenn der eine oder andere nur aus Bequemlichkeit nur "das Allernötigste" macht, um dann später festzustellen: Da wäre mehr drin gewesen, ich war nicht dumm, nur stinkfaul.

In diesem Sinne: Einen schönen Nachmittag!
________________________
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Frage von cleosulz | am 10.04.2013 - 12:39


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Antwort von FeetFirst | 10.04.2013 - 14:02
sehr
schöner Beitrag!


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Antwort von Dominik04 (ehem. Mitglied) | 11.04.2013 - 08:25
Wie wahr!


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Antwort von tanga (ehem. Mitglied) | 11.04.2013 - 09:12
amen.

jungen menschen fehlt es nicht zuerst an fleiss und guten noten. es fehlt an ausblicken und perspektieven auf dem berufsmarkt.

es ist dumm, junge menschen zu guten noten zu verführen, "weil dann kann man ja alles werden".

es ist wichtig, jungen menschen berufs-ziele zu zeigen, auf die sie frühzeitg hinarbeiten können. das können lehrer, lehrpläne und eltern eindeutig nicht.


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Antwort von cleosulz | 12.04.2013 - 09:59
@ tanga

Es liegt mir nicht daran, "junge Menschen zu guten Noten zu verführen".

Sondern mit meinem Beitrag wollte ich nur darauf hinweisen, dass man heute nicht weiß, ob ein Zeugnis nicht morgen doch noch wichtig und von Bedeutung sein kann.
Und - vor allem das - , dass die Jungs und Mädels sich bewusst werden, dass man sich nicht aus Faulheit "unter Wert" verkaufen sollte.

Sicher kann man mit einem tollen Zeugnis "nicht alles werden".
Und nicht jeder, der gute Noten vorweist, weiß auch, was er damit anfangen kann, oder welchen Beruf er jetzt ergreifen soll.
Schüler können mit 16 Jahren noch nicht wissen, was sie mit 25 Jahren tun wollen oder wie sich ihr (Berufs-)Leben die nächsten 40 Jahre entwickelt.

Aber es wäre doch schade (wie in meinem Beispiel), wenn man sich durch Bequemlichkeit und nicht vorhandenem Ergeiz alle Möglichkeiten verbaut.

Jeder Mensch sollte die Chancen, die sich ihm auf dem Bildungsmarkt bieten, nicht leichtfertig vertun.

Der junge Mann in meinem Beispiel hat ein (neues) Berufsziel, das auf seinem alten aufbaut.
Er wird auch darauf hin arbeiten - und ich denke auch erreichen.
Jedoch mit erheblichen zeitlichen Umwegen - und vor allem mit der jetzt späten Einsicht:

Ich habe mir den direkten (bequemeren und vor allem auch finanziell schnelleren) Weg durch meine lasche Einstellung vor 5-8 Jahren verbaut.

Nicht mehr - aber auch nicht weniger; eine späte Einsicht.

Zitat:
es ist wichtig, jungen menschen berufs-ziele zu zeigen, auf die sie frühzeitg hinarbeiten können. das können lehrer, lehrpläne und eltern eindeutig nicht.


Wenn nicht die, wer dann? Wer bleibt dann noch übrig? Selbsterkenntnis (s.o.) - die kommt erst später.

Wann willst du anfangen, einen jungen Menschen für einen möglichen Beruf (und den Weg dahin) zu interessieren?
Bereits in der Grundschule? -> bereits da stellen sich mitunter ja die Weichen für eine schulische Laufbahn. Das wäre doch vielleicht etwas früh.

Vielmehr sollten junge Menschen von Anfang an motiviert werden, vorhandene Talente und Neigungen nicht verkümmern zu lassen sondern sich (maßvoll) zu engagieren und gegebene Möglichkeiten auch zu nutzen.
Ich bin nicht für Streber und Schüler sollen neben der Schule leben und ihre Jugend genießen.
Das ist nämlich eine Zeit, die kommt nie mehr zurück.

Das Bildungssystem in Deutschland halte ich nicht für schlecht. Du kannst jeden Schulabschluss nachholen, egal welche schulische Vorbildung du hast.
Hauptschulabgänger können Abitur machen und studieren; gute und interessierte Handwerksmeister können ohne Abitur in ihrem Bereich studieren usw.
Aber der interessierte Schüler/Facharbeiter/Meister usw. muss es wollen und was dafür tun.

Aber das alles sollte sich der einzelne einfach nicht verbauen, in dem er (jetzt im Moment) lieber chillt und sich auf dem "faulen Ars..." ausruht, als ein bisschen mehr als das absolut Notwendige tut.
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Antwort von Tiggettos | 12.04.2013 - 13:38
Früher war es oft so:

A) Eine ausbildung und in diesem fall waren wenn überhaupt mal die realschulnoten bzw hauptschul noten relevant
i.d.r aber ging vieles über erfahrung und probearbeiten

nach der ausbildung wurde man oft übernommen oder die berufserfahrung war entscheident
Nur für besondere positionen wuzrde auch auf die note geachtet

B) Abi + Studium
Die note im abi war durchausentscheident auf welche uni man konnte
nach dem studium war die note auch entscheident wo man hinkommt aber wie bei der ausbildung oben war später nur die berufserfahrung gefragt
nach einem abi zeugniss etc hat niemand gefragt
die abschluss note im studium wurde zwar zur kenntniss genommen aber war oft nicht das entscheidende kriterium


heute hat sich vieles verändert
die noten sind extrem wichtig
die noten des höchsten schulabschlusses entscheiden ob man überhaupt ne ausbildung/studienplatz bekommt und vorallem wo....

A) nach einer Ausbildung werden viele azubis nichtmehr direkt übernommen (verweis auf die Statistigen der Bundes Agentur für arbeit 2009)
der neue arbeitgeber muss nun herausfinden was der geselle kann
oftmals spielt hier die note eine entscheidende rolle aber auch das arbeitszeugniss

nach 10 jahren berufserfahrung werden die noten zwar etwas nebensächlich aber haben immernoch sehr viel zu sagen

B im studium sind noten extrem wichtig !
die studiennote ist das haupötauswahlkriterium für arbeitsstelle und gehalt
zudem sind pflicht und vorallem freiwillige praktikas sowie zusatzquallifikationen ein extremer pluspunkt

von einem bekannten personaler weis ich, dass inzwischen auchoft nach dem abi zeugniss gefragt wird
allerdings ist s nicht umbedingt schlecht wenn man im abi nicht gerade die beste note hatte aber sich dafür im studium ordentlich gemacht hat
es zeugt von einer weiterentwicklung

allerdings ist es schlecht wenn man im abi eine top note hatte und sich das studium verkakt hat (zuegt von faulheit oder von der falschen studienwahl)
oder wenn beide noten nur mittelmäßig sind (stagnation in der entwicklung)


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Antwort von Anixira (ehem. Mitglied) | 12.04.2013 - 15:16
Also das Beispiel das geschildert ist hat ja nichts mit Abitur zu tun, denn, wie auch Tiggettos erwähnt interessiert einen die Abinote nie wieder.... Sie ist nur für die Studienzulassung relevant. Wenn man weiss wo man was studieren will, und man schätzt den NC ab, wird man schon sehen, ob man sich noch ein bischen anstrengen muss, oder eh ein Jahr warten werden muss, oder ob das total egal ist, da es vllt. gar keinen NC gab.... Wenn man dann erstmal an der Uni ist braucht man nur durchzukommen...wenn man später Master oder sogar Doktor in irgendwas ist, dann ist das auch nicht so wichtig, wie man das geworden ist...Und Weiterbildung kommt in solchen Fällen eh nicht vor....Höchstens noch bei Lehrern, die ja acuh studieren, aber das liegt wohl eher daran, dass die nur bis zum Bachelor wirklich was für die Fächer lernen....da gibts noch ne Menge Nachholbedarf...
Im Beispiel ist natürlich von ner Ausbildung die Rede...sowas nach dem Abi anzufangen wär schon echt dämlich...
Aber bei sowas holt einen der Abschluss natürlich regelmäßig bei Weiterbildungen ein.


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Antwort von Tiggettos | 12.04.2013 - 15:32
naja die abnote kann wie beschrieben schon relevant sein (auch nach dem studium) aber meist eher als kontrollstand der weiterentwicklung

aber im studium interesiert meist auch niemanden mehr die bachelor note wenn man doktor ist ^^ es wird immer schrittweise aufgebaut und die alten sachen verlieren an bedeutung

wäre ja schlimm wenn man sich iwo berwirbt und die fragen nach dem zeugniss aus der 5. klasse XD was hat das denn mit der aktuellen Leistung zu tun ?
richtig eigentlich nichts!


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Antwort von cleosulz | 12.04.2013 - 20:06
Den Beitrag habe ich ins Forum eingestellt,

weil

1)
ich interessant fand, das - auch 2, 3 oder 4 Jahre nach erfolgreichem Abschluss einer Berufsausbildung und Abschlussprüfung an einer Berufsschule ein "vermeindlich unwichtiges" Abschlusszeugnis doch noch maßgeblich den beruflichen Werdegang beeinflussen kann.

2)
viele denken, dass ihre Noten schon in Ordnung sind, so lange sie nicht durch Prüfungen durchfallen; Hauptsache bestanden

3)
in meinem Beispiel der junge Mann mit einem Zeugnis abgeschlossen hat, das eigentlich unter seinen Möglichkeiten lag.
Mit wahrscheinlich nur etwas mehr Einsatz hätte er eine halbe, wenn nicht gar eine ganze Note besser abschließen können und wäre seiner künftigen Weiterbildung bereits sehr viel näher, als jetzt.

4)
vermutlich viele so denken, wie er -> befriedigend reicht mir, ich schwimme im Mittelfeld mit, das langt.
Ich muss kein Streber sein, nur keinen Finger mehr bewegen, als unbedingt nötig. Einfach cool bleiben.

5)
ich ihn als keinen Denkanstoß verstanden haben will.

Jeder, dessen Leistungsvermögen noch etwas Luft hat, sollte überprüfen, ob er nicht doch etwas Energie ins Lernen zu Gunsten besserer Noten investiert.
Wer weiß, wo für das im späteren Leben noch Bedeutung hat.
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Antwort von tanga (ehem. Mitglied) | 13.04.2013 - 09:25
menschen die nich auf gute noten hinarbeiten sind in meinen aufen nicht faul - sie haben einfach andere interessen. und die sind meist begründet. - können hobbies, ehrenämter, freunde, familie, nebenjobs, etc. sein.

solange das berufsleben in der normalen schulen keinen nennenswerten stellenwert hat, wird auch dein panik-aufruf nichts an noten-bedingt verfehlten werdegängen ändern.

unser schulssystem basiert auf fakten-lernen und auf wettbewerb. es werden keine (berufs-)ziele erarbeitet. ohne sinnige ziele gibt es kein ziel-orientiertes lernen.

Zitat:
Wenn nicht die, wer dann? Wer bleibt dann noch übrig?

das machen gerade die unternehmen und unternehmensverbände. auch die bundeswehr kommt in schulen und hochschulen um das unreflektierte jungvolk aus den klassenräumen zu rekrutieren. (...)

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