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Brecht, B. - Die Physiker / Galilei Vergleich: Zusammenzug

Frage: Brecht, B. - Die Physiker / Galilei Vergleich: Zusammenzug
(3 Antworten)


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Zusammenzug des Textes von Momotombo


Dramen enthalten stets moralische Probleme und Entscheidungen .
Welcher Art sind solche Probleme und Entscheidungen in den von Ihnen studierten Dramen und wie werden sie von den Autoren überzeugend vermittelt.

1. Einleitung
Moralische Probleme und Entscheidungen sind in Dramen oft mit den Problemen der Menschen identisch. Auf versteckte Art und Weise werden diese ins Bewusstsein der Zuschauer gebracht. Dadurch resultierende Entscheidungen darzustellen sind ein Anliegen des Autors. Das soll den Zuschauer eine andere Sicht der Dinge ermöglichen und zu einer Lösung des Konflikts beitragen. Durch Dramen und Komödien sollen Zuschauer mit Tatsachen konfrontiert werden, die sie sich sonst nicht anhören würden.
In den Werken “Die Physiker” von Durrenmatt und “Galilei” von Brecht handelt es sich um die Verantwortung von Wissenschaftlern, die sie gegenüber der Menschheit haben.
Der folgende Aufsatz soll beide Werke hinsichtlich dieser Fragestellung behandeln

2. Die Physiker
2.1 Zeitgeschichtlicher Hintergrund
In Dürrenmatts Stück Die Physiker stellt sich die Frage, in wie weit Physiker Waffen , insbesondere hier die Atombombe erfinden dürfen. Zwar wird die Menschheit durch solches Wissen vorangebracht, aber es drohen auch große Gefahren.

2.2 Hauptpersonen
Die Hauptpersonen sind drei angeblich geistig verwirrte Physiker, Möbius, sein Kollege Beutler, der vorgibt Newton zu sein, und Ernesti, der glaubt , er sei Einstein.

Weitere wichtige Personen sind der Kommissar Voß und die Anstaltsleiterin Fräulein v. Zahnd

2.3 Aufbau des Stückes
Die Komödie ist, entgegen zum Aufbau der klassischen Form eines Dramas, in 2 Akte mit jeweils 5 Szenen unterteilt.

2.4 Inhalt

In Dürrenmatts Die Physiker ist das Hauptthema die Verantwortung der Wissenschaftler. Dies wird durch den Physiker Mobius dargestellt. Mit seiner Erfindung, der Weltformel, kann die Menschheit vernichtet werden, wenn die Entdeckung in die Hände von Machthabern gerät, die sie ausnutzen. Deswegen wählt er den Weg ins Irrenhaus, um die Forschungsergebnisse geheim zu halten. Die groteske Situation wirft einen Blick auf die Welt, wie Dürrenmatt sie sieht. Das Irrenhaus soll zur Rettung der Menschheit beitragen. Möbius sagt: „…meine Erkenntnisse sind tödlich….“ Das stellt für ihn einen großen Konflikt dar, Er verlässt seine Frau und verzichtet auf beruflichen Ruhm. Die Krankenschwester, die ihn liebt, bringt er um, damit seine Entdeckungen nicht bekannt werden.
Im ersten Akt werden die Physiker noch als verwirrte Irre dargestellt. Der Zuschauer soll den Eindruck gewinnen, dass Physik, v.a. der Umgang mit Radioaktivität, das Hirn schädigt. Dies stellt v. Zahnd im Gespräch mit Kommissar Voß heraus. Als Paradoxie ist zu sehen, dass v. Zahnd dem Inspektor Belehrungen gibt und über Verhältnisse aufklärt, was ja seine Aufgabe wäre.
Dennoch führt Mobius Handeln nicht zum Erfolg, den er beabsichtigt. Die Leiterin der Irrenanstalt kopiert heimlich seine Unterlagen und verwendet sie für ihre Zwecke.
Mobius hat in doppelter Hinsicht verloren, Sein hoher moralischer Anspruch, die Menschheit zu retten, schlägt fehl. Durch diese unerwartete Wendung wird ein Verfremdungseffekt bewirkt. Der Zuschauer soll sich nicht mit der Person identifizieren. Möbius ist sogar bereit, einen Mord zu begehen, Er lässt seine Frau im Stich und kümmert sich nicht um seine Kinder, spielt zum Ende des 1. Aktes den Irren vor, als sich seine Frau von ihm verabschieden will. Durch das Groteske in dieser Szene, in der er in einem umgekehrten Tisch eine Raumfahrt simuliert, soll auf die schreckliche Realität aufmerksam gemacht werden, was passiert, wenn die Erde sich auflöst, verursacht durch den Menschen. Das unterstreicht die eintretende Katastrophe. Der geniale Physiker sitzt in einem umgekehrtem Tisch und spielt den Irren, trägt dabei Text den Buben vor, die jämmerlich Flöte spielen. Kritik an die Fortschrittsgläubigkeit der Zeit.
Sein hoher moralischer Anspruch, die Menschheit zu retten steht über dem Mord an der Krankenschwester und der Zerstörung der Lebensperspektive seiner Familie.

Daraus resultiert die Entscheidung, in der Irrenanstalt zu bleiben.
Auch als Inspektor Voß Einstein fragt, warum er die Krankenschwester erdrosselt habe, antwortet dieser: „wollen sie mich verhaften, weil ich eine Krankenschwester ermordet habe oder die Atombombe erfunden habe?“ soll durch die Paradoxe auf eine höhere Wahrheit hingewiesen werden, es erschüttert den Glauben an Logik und Vernunft. Auf das Groteske der nachfolgenden Handlung wird hingewiesen.

Die Einteilung des Stückes in 2 Akte hat dramaturgische Hintergründe. Während im 1. Akt die Physiker als verrückt und ihre Umgebung als normal dargestellt werden, ändert sich das im 2. Akt
Die Anfänge des 1. Und 2. Akts weisen Parallelen auf, die erdrosselten Krankenschwestern. Jedoch setzt im 2. Akt eine Umkehrfunktion durch veränderte Charaktere ein. Der Zuschauer merkt, dass alles anders ist, als vorher angenommen.
Mobius ist zunächst mit dem Aufenthalt im Irrenhaus zufrieden, er kann seine Arbeiten verstecken. Er verbrennt sogar die angefertigte Weiterentwicklung der Weltformel, als die Polizei wieder kommt.
Als sich die 2 anderen Physiker zu erkennen geben, dass sie von östlichen und westlichen Geheimdiensten den Auftrag haben, Mobius zur Mitarbeit an ihrem System zu bewegen, lehnt er dies ab. Für ihn gibt es keine Sicherheit für eine unabhängige Forschung.. Er überzeugt Newton und Einstein, im Irrenhaus zu bleiben, weil nur so die Menschheit vor den tödlichen Erfindungen zu schützen.
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Frage von matata | am 20.04.2011 - 00:55


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Antwort von matata | 20.04.2011 - 00:56
Durch die erst einfach kurzen Sätze zwischen den Physikern entstehen nun längere Monologe, die kein Verwirrtsein mehr aufweisen. Auch der moralische Anspruch, den Möbius hat, rückt in den Mittelpunkt.

Dadurch stellt Dürrenmatt die Forderung an die Wissenschaftler, Wissenschaft und Forschung nicht bis zum möglichen Ende zu betreiben…. „Wissen, das einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden. Es gibt immer jemanden, der die Erfindungen ausnutzt“.
Zu diesem Zeitpunkt des Geschehens glaubt der Zuschauer, das Stück sei nun zu Ende. Dürrenmatt fuhrt mit einer unerwarteten Wendung die schlimmstmogliche Wendung des Geschehens durch den Zufall herbei, indem die Irrenärztin in Besitz der Dokumente gelangt ist und dies nun berichtet.. Dann erst, nach diesem Knalleffekt, ist das Stuck zu Ende. Mit Ironie wird der schlimmstmögliche Ausgang beschrieben, der nicht vorhergesehen war.
Diese Warnung vor nicht Vorhersehbarem soll die Zuschauer aufrütteln, über die weltpolitische Machtsituation nachzudenken. Probleme die alle angehen, sollen auch von allen gelöst werden, einem alleine gelingt das nicht, wie Mobius demonstriert.

Die moralischen Probleme werden im 2 Akt deutlich. Durch die Umkehrung zum 1. Akt erscheinen die Protagonisten völlig anders als im 1. Akt. Beim Abendessen offenbaren sich die Physiker und geben ihre wahre Identität preis.. „Es gibt auf einmal gutes Essen…. Sonst essen wir doch abends eher bescheiden“…. .Nicht immer verbessert sich die Situation, wenn sich die Umstande scheinbar verbessern. Durch diese Wendung tritt wieder Verfremdung ein und weist auf eine mögliche Umkehrung des Stücks hin.
Zudem verschlechtert sich ihre Situation dramatisch, die Fenster werden vergittert und es kommen Pfleger. Im Stück wird die Umkehrung der Situation dramatisch dargestellt durch die Kleidung. Die Pfleger tragen schwarze Uniformen und haben Waffen. Es wird mit hell dunkel Effekten auf die Bedrohlichkeit der Situation hingewießen.

Auch Inspektor Voss macht diese Veränderung im 2. Akt durch. Ist er am Anfang des Stücks noch bemüht, die Morde aufzuklären, gibt er sich im 2. Akt resigniert als der Betrachter zu erkennen…. “Jetzt habe ich die Mörder und brauche sie nicht zu verhaften, weil es Kranke sind. Die Gerechtigkeit macht Urlaub”. Dürrenmatt will mit diesem Paradoxum die Angepasstheit und damit verbundene Akzeptanz der bestehenden Verhältnisse ausdrücken, der moralische Anspruch, die Morde aufzuklären, wird wegen der vorgegebenen Verhältnisse im Irrenhaus aufgeben. Dadurch verkörpert Voß die Gesellschaft, die Angepasstheit vor Widerstand setzt. Dürrenmatt will die Problematik aufzeigen, ohne eine Lösung anzubieten.

Ein weiteres moralisches Problem stellt v. Zahnd dar. Sie gibt sich als fürsorgliche Leiterin aus und wandelt sich ebenfalls im 2. Akt zum Monster. Sie kopiert Mobius Aufzeichnungen und nutzt die Erkenntnisse skrupellos aus für ihre Zwecke. Dürrenmatt lasst durch den Zufall, der nicht vorhersehbar ist, die schlimmstmögliche Wendung eintreten. Er will dem Zuschauer aufzeigen, dass alles möglich ist, auch wenn es für unmöglich gehalten wird. Moralische Vorstellungen hat sie nicht.
Im Stück wird v. Zahnd im 2. Akt militärisch gebietend dargestellt, die Härte wird sichtbar durch ihre veränderte Kleidung, die Uniform und das grelle Licht, das die Darsteller anstrahlt.
Das Unvorhersehbare ist eingetreten.
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Antwort von matata | 20.04.2011 - 00:58
Teil 3

3. Berthold Brecht Das Leben des Galilei
3.1 Zeitgeschichtlicher Hintergrund
Brecht schrieb die 1. Fassung seines Stückes vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges, also auch vor einer unmittelbaren Bedrohung . Die 2. Fassung entstand nach Abwurf der Atombomben auf Japan, was die Frage nach der Verantwortung der Wissenschaftler aufwirft.

3.2 Hauptpersonen
Galilei, ein italienischer Wissenschaftler im 17. Jahrhundert, seine Schüler Andrea und Ludovico, seine Tochter Virginia, der Papst und Inquisitor.

3.3 Aufbau des Stückes.
Die Komödie ist in 15 Kapitel aufgebaut, die unterschiedlich lang sind, sie sind an einigen Stellen austauschbar. Brecht: Komik ist das einzige Stilmittel, um den Menschen ernste Themen nahezubringen.

3.4. Inhalt
In Brechts Stuck “Das Leben des Galilei” werden ebenfalls moralische Probleme dargestellt, die Wissenschaftler haben. Galilei entdeckt durch seine Beobachtungen, dass die Erde keine Scheibe ist. Das bringt die ganze bisherige Weltordnung durcheinander . Galilei steht vor dem Dilemma, dass die einfachen Leute die bestehende Ordnung für Gottgewollt ansehen und dadurch Leid und Unterdrückung ertragen. So wird die Obrigkeit nicht angezweifelt und der Machterhalt ist gesichert. Wenn das gemeine Volk nun die Wahrheit erführe, käme ihr ganzes Weltbild ins Wanken, die gottgewollte Unterdrückung erschiene sinnlos. Mit der Methapher „die Monde des Jupiters verbilligen nicht die Milch. Sie wurden nie gesehen, aber es gibt sie doch“ soll auf die Gefahren hingewiesen werden, wenn der Mann auf der Straße die Augen aufmacht.
Galilei weis, dass er soziale Unruhen herauf beschwören könnte. Das kommt im Gespräch mit dem kleinen Mönch zum Ausdruck. Galilei erkennt die Verantwortung, die in seiner Entdeckung liegt.
Er muss erkennen, dass die Obrigkeit gar nicht daran interessiert ist, neue Erkenntnisse zu erlangen, weil sonst ihre Machtansprüche in Gefahr gerieten. Die Gelehrten, die nicht durch das Fernrohr sehen wollen, stellt Brecht das Motiv „sehen“ dar. „sehen und nicht glotzen“ Sehen wird hier auch als genaues „Hinsehen „ gedeutet, sich vor Scheuklappen der Idiologie zu befreien.
Dadurch stellt Brecht mit allen Mitteln an der Macht festhalten wollen dar, Galilei sieht es als gescheitert an, anderen Wissenschaftlern das “Sehen und nicht Glotzen” zu lehren.
Brecht überlasst es den Zuschauern, sich ein Urteil zu bilden.
Brecht arbeite mit Verfremdungseffekten, die zum Gesamtkonzept beitragen. In der 10. Szene durch Lied, Tanz und Reim. Die Machthaber haben keine moralischen Bedenken gegen die vorherrschende Ungerechtigkeit.
Galilei ist begeistert, dass das gemeine Volk seine Ideen aufnimmt, und dass er mit seinen Schriften, geschrieben in der Sprache des Volkes, die Massen erreicht.
Durch Tanzszenen werden ironisch die Machtverhältnisse umgekehrt, der Papst ist eine Strohpuppe und der Großherzog hat eine Pappdeckelkrone. Galilei erscheint überlebensgroß. Die Wirklichkeit wird verzerrt und er Lächerlichkeit preisgegeben. Durch diese satirische Szene läßt Brecht die Zuschauer entscheiden, wie diese die Machtverhältnisse einstufen. Satire trägt nicht nur dazu bei, den Zuschauer zum Lachen zu bringen, sondern sich auch der Wirklichkeit auszusetzten.
Der Dialogstil der vorhergehenden Kapitel ändert sich nun in einen Reimstil, das soll den Zuschauer wachrütteln und erkennen lassen, dass die Schriften Galileis, wenn sie unter das einfache Volk gelangen, sozialen Sprengstoff beinhalten.

Das größte moralische Problem stellt für Galilei jedoch sein Widerruf dar. Er erkennt, dass er einen hippokratischen Eid für Wissenschaftler verhindert hatte. Er konnte dadurch zwar weiterforschen, trotzdem bedeutete für ihn sein Widerruf ein schweres Vergehen, das er einsah. Durch die Umkehrung von Rettung und Verbesserung des Lebens von vielen oder Rettung des eigenen Ichs lieferte Galilei der Obrigkeit die Macht das Elend als unabdingbare Notwendigkeit zu festigen. Das sieht er als sein eigentliches Verbrechen an.
Brecht stellt hiermit die Verantwortung der Wissenschaftler für ihre Forschungen heraus, In der Zeit, in der das Stück entstand, stand der bevorstehende 2. WK und in einer späteren Fassung der Abwurf der Atombombe im Vordergrund. Jeder Wissenschaftler sollte seine Forschungen nur in den Dienst der Menschheit stellen und keinem Machthaber zum Missbrauch überlassen.
Die Entscheidung, die Galilei auf Grund moralischer Bedenken für seine Entdeckungen traf, haben für ihn weitreichende Folgen. Er lässt das einfache Volk weiterhin im Unklaren und Unglauben,
Er forscht unter kirchlicher Aufsicht weiter. Als ein wissenschaftsfreundlicher Papst die Macht übernimmt, gibt er seine Erkenntnisse bekannt. Das stellt für Brecht eine Paradoxie dar, die kritisch reflektiert werden soll. Es dient als Ausdrucksmittel, den Blick auf eine groteske Welt zu geben. weil Wissenschaft und Papst nichts gemeinsam haben.
Diese Leichtgläubigkeit auf gesellschaftlichem Gebiet wird auch von Frau Sarti geäußert, „Fünfzig mal wiegt er ein Eisstückchen ab, aber wenn etwas kommt, was in seinen Kram passt, glaubt er es blind“
Dies führt zur Inquisition und er widerruft seine Ergebnisse. Das Volk verliert die Hoffnung an einer Verbesserung der Lebensumstande, die Kirche und Obrigkeit behalten ihre Macht. Galileis Selbstvorwurf, er habe den Machthabern erlaubt, seine Wissen zu gebrauchen, ganz wie sie es wünschten, ist ein weiteres moralisches Problem für ihn. Darin steckt der Vorwurf, dass Wissenschaftler nicht nur forschen sollten um des Forschens willens, sondern sich bewusst sein, wie Ergebnisse von Machthabern ausgenützt werden können.
Galilei hatte durch sein Widerrufen eine hippokratischen Eid für Wissenschaftler ins Leben rufen können, allerdings wären dann auch die” anderen die Sieger gewesen”
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Antwort von matata | 20.04.2011 - 00:59
Teil 4
Galilei wird von Brecht als Person dargestellt, die moralische Bedenken nur bezüglich der Auswirkung seiner Forschungen hat. Das Grosse ist ihm wichtiger als das Kleine. Er beachtet seine Haushälterin nicht besonders, schickt Andrea in die pestverseuchte Stadt zurück, um ein Buch zu holen und auch bei seiner Tochter bemerkt er keine Regung des Herzens. Aber …”jede Bewegung eines fremden Sterns”
Als Galilei nach seinem Widerruf mit seiner Tochter in der Toskana lebt, ändert sich wieder der Schreibstil. Durch Reflexionsdialoge wird die Aufmerksamkeit des Lesers auf das „Wie“ gelenkt. Das führt zum Verfremdungseffekt und der Zuschauer reflektiert erneut die Geschehnisse. Im Gespräch mit Andrea stellt Galilei fest, dass sein Handeln nicht richtig gewesen ist. Diese moralischen Bedenken plagen ihn bis an sein Lebensende. Er hat aber zumindest die Aufzeichnungen geheim weiterführen können, zum Fortbestand der Wissenschaft.
Die Atombombe stellt somit ein technisches Phänomen und ein soziales Versagen dar.
Brecht läßt den Zuschauer im Unklaren, welche Meinung er für richtig hält. Durch die neue Form des epischen Theaters soll eine Diskussion über die dargestellten Probleme stattfinden.

4. Schluss
Sowohl Brecht wie auch Dürrenmatt weisen in ihren Werken auf Probleme in ihrer Zeit hin. Besonders die Verantwortung der Wissenschaftler ist Hauptthema in den Komödien.
Brecht lässt die Bewertung der Handlung offen, der Zuschauer soll sich selbst eine Meinung bilden. Galilei, als negativer Held, verkörpert die Wissenschaft, die sich nicht nur ihrer Forschung verpflichtet fühlen , sondern auch ethische Standpunkte mit einbeziehen soll. Galileis Forschungsergebnisse werden zum Wohle der Menschheit weitergeleitet. Die Menschen sollen bedenken, was Machthaber damit anstellen können. Er stellt durch Galilei den Konflikt dar, mit Wissen verantwortungsvoll umzugehen.

Bei Dürrenmatt ist der Protagonist Möbius ganz klar der Verlierer. Sein Wissen wird zum Untergang der Menschheit beitragen. Er hat durch sein eigenmächtiges Handeln sein „tödliches Wissen“ einer Person zugespielt, die dies so ausnützt, wie er es zu verhindern versucht hat. „Das was alle angeht sollen auch alle lösen, einer allein scheitert. Hiermit wird Kritik an der Gesellschaft geübt, die den Machthabern wichtige Entscheidungen überläßt. Dürrenmatt will dem Zuschauer Fakten verdeutlichen, ohne ihn in eine bestimmte politische Richtung zu drängen.
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