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Interpretation

Frage: Interpretation
(12 Antworten)

 
Hay also ich hab eine Interpretation geschrieben vielleicht habt ihr ja Verbesserungsvorschläge bitte helft mir!
Interpretation: Elisabeth Langgässer „Saisonbeginn“

Elisabeth Langgässer (1899-1950) zeigt in ihrer Kurzgeschichte „Saisonbeginn“ (1947) an einem Beispiel die Diskriminierung der Juden in der Nazi-Zeit.
Außerdem beschreibt sie die Gleichgültigkeit der Mitmenschen bei Problemen anderer.
In der Kurzgeschichte geht es um drei Männer, die ein Schild mit der Inschrift „In diesem Kurort sind Juden unerwünscht“ aufstellen sollen. Nach längerer Suche finden sie den richtigen Platz, neben einem gekreuzigten Jesus. Während ihrer Arbeit helfen ihnen Kinder. Andere Bürger gehen daran vorbei und verhalten sich entweder gleichgültig, sie lachen oder sie schütteln ihre Köpfe über diese Inschrift.
Marcel Reich-Ranicki bracht diese Kurzgeschichte in dem Buch „Erfundene Wahrheit Deutsche Geschichten 1945-1960“ (1980) raus. Die „erfundene Wahrheit“ (Nachwort zu Anthologie Z. 62-65) sind Erfindungen, womit man die Realität, also die Wahrheit, ahnen kann. Die Wahrheit wird „aufs neue [ge]schaffen“ (Nachwort zur Anthologie Z. 58), das heißt sie in anderen Worten wiedergeben. Diese Kurzgeschichte (Nachwort zu Anthologie Z. 35-39) ist in der Vergangenheit (Saisonbeginn Z. 1) geschrieben. Es wird keine indirekte Rede verwendet und nur am Schluss wird die Inschrift (Saisonbeginn Z. 96) in direkter Rede geschrieben. Es gibt einen offenen Anfang und durch die direkter Rede am Schluss eine plötzliche Wende. Erst beim erneuten Lesen erfährt man etwas über die Zeit, also das die Kurzgeschichte in der Nachkriegszeit spielt. Elisabeth Langgässer benutzt die auktoriale Erzählsituation, das erkennt man daran, dass man eine komplette Beschreibung bekommt, die ein Mensch nie geben könnte. Sie hat in der Erlebnis-Erzählung (Nachwort zur Anthologie Z. 1-5) geschrieben, das heißt, dass sie über etwas schreibt, was sie schon mal erlebt hat. Es gibt aussagekräftige Verben wie zum Beispiel in Zeile 7 „strotzte“ oder „blähte“. Es gibt auch noch Adjektive wie zum Beispiel in Zeile 11 „unwahrscheinlichem“.
Die Überschrift „Saisonbeginn“ kann man auch in der Jägersprache finden, damit könnte man eine Verbindung zwischen der Überschrift und der Inschrift des Schildes ziehen. Mann könnte es als Judendiskriminierung und Judenverfolgung übersetzen.
Im ersten Absatz wird mit vielen Metaphern (Saisonbeginn Z. 6 „Saft und Kraft“, Z. 6f „Wucherblume verschwendete sich“, Z. 7 „blähte sein Haupt“, Z. 9 „platzten vor Glück“, Z.9f „strahlenden Tümpeln“) als schönes Bergparadies beschreiben. Der Ort wurde auch verschönert (Saisonbeginn Z. 11f „[alles] wie neu“, Z.12 „Fensterläden frisch gestrichen“, Z. 12f „Schindeldächer gut ausgebessert“, Z. 13 „Scherenzäune ergänzt“). Dieser Kurort ist gewissermaßen die „heile Welt“ der Bürger. Die diskriminierende Aussage am Ende zerstört dieses Paradies.
Viele Deutsche verhalten sich gleichgültig der Politik gegenüber. Die Arbeiter arbeiten im Auftrag des Bürgermeisters, hier wird es jedoch dargestellt als ob sie als „Hitlers Vollstrecker“ agieren. Die Kinder könnte man als Mordhelfer sehen, sie sind leicht zu verführen und empfinden dabei auch noch Ehre. Das ganze Dorf hat das Interesse, dass reiche Autobesitzer kommen und somit sie große Geschäfte machen können und Umsatz erhalten. Dieser Teil der Kurzgeschichte (Saisonbeginn Z. 69-79) soll ausdrücken, dass andere Menschen sich für Unrecht gegenüber anderen Menschen einsetzen sollen und nicht weg schauen sollen.
Es gibt Parallele zwischen dem gekreuzigten Jesus und dem aufgestellten Schild, das das Schild direkt neben dem Jesus, also dem König der Juden (Saisonbeginn Z. 25), aufgestellt wird. Jesus wird durch das Schild verspottet, da er ja als König der Juden auf das Schild sieht und damit noch einmal eine Kreuzigung erlebt, den Tod der Juden. Zu dieser Zeit herrschte Religionslosigkeit und Unglaube an Gott, das zeigt das Aufhängen des Schildes neben dem Jesus.
Der letzte Satz „In diesem Kurort sind Juden unerwünscht.“ wird bis zum Ende geheim gehalten, das erzeugt Spannung und macht die Kurzgeschichte interessant. Die Scheinidylle wird durch den letzten Satz zerstört.
Ich denke, dass Elisabeth Langgässer mit ihrer Kurzgeschichte sagen will, dass man zu Nachkriegszeit sehr auf das Äußere, also den Schein, geachtet hat und weniger auf die Inneren Werte, das heißt Glauben, Miteinander und Mitgefühl Rücksicht genommen wurde.
GAST stellte diese Frage am 09.10.2008 - 23:19

 
Antwort von GAST | 09.10.2008 - 23:22
wenn
ich lust haette zu lesen wuerde ich es verbessern aber non - sorry :D


Autor
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Antwort von matata | 09.10.2008 - 23:30
-Marcel Reich-Ranicki brachtE diese Kurzgeschichte in dem Buch „Erfundene Wahrheit Deutsche Geschichten 1945-1960“ (1980)HERaus.
-also dasS die Kurzgeschichte
-dass man eine komplette Beschreibung bekommt, die ein Mensch nie geben könnte. ?
-also dasS die Kurzgeschichte
- Dorf hat das Interesse, ? Interesse daran...
-einsetzen sollen und nicht weg schauen.
-Es gibt EINE Parallele
-aufgestellten Schild, das gerade / direkt /unmittelbar neben dem Jesus,
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Antwort von GAST | 09.10.2008 - 23:50
Hi Igimäuschen!

Den Marcel-Reich-Ranicki würde ich ziemlich ans Ende der Interpretation setzen. Was Ranicki denkt, sollte erst nach deiner Analyse kommen.

Bei der Inhaltsangabe nimmst du schon die Pointe vorweg. Dass auf dem Schild "In diesem Kurort sind Juden unerwünscht" steht, erfährt man in der Geschichte erst ganz am Schluss, in deiner Inhaltsangabe aber ganz am Anfang. So endet deine Inhaltsangabe plötzlich unvermittelt ohne dass man das Gefühl hätte, sie wäre zu Ende.

Manches wirkt in deiner Interpretation abgeschrieben, so als ob du es gar nicht richtig verstanden hättest, z.B. dass "er als König der Juden auf dem Schild steht" oder "noch einmal eine Kreuzigung erlebt". Das ist zwar irgendwie richtig, aber nicht so wie du es schreibst. Jesus ist selbst Jude gewesen. Der Gag der Pointe liegt ja darin, dass dem Schild zufolge Jesus selbst unerwünscht sein müsste. Das wäre aber paradox, da er zugleich der Gott der Christenheit ist.

Ein paar biografische Anmerkungen zu Elisabeth Langgässer wären auch nicht verkehrt (sie war selbst Halbjüdin).

Manches bleibt in deiner Interpetation sehr seicht, z.B.:

Zitat:
Elisabeth Langgässer benutzt die auktoriale Erzählsituation, das erkennt man daran, dass man eine komplette Beschreibung bekommt, die ein Mensch nie geben könnte.

Also, von diesem Satz her versteht man nichts, jedenfalls erkennt man daraus keine auktoriale Erzählhaltung.


Zitat:
Sie hat in der Erlebnis-Erzählung (Nachwort zur Anthologie Z. 1-5) geschrieben, das heißt, dass sie über etwas schreibt, was sie schon mal erlebt hat.

Aber hat sie das denn wirklich erlebt? Wie passt das dann zu der "erfundenen Wahrheit"?

 
Antwort von GAST | 10.10.2008 - 00:04
Danke schonmal.
Kannst du mir einen Tipp geben wie ich das mit der auktorialen Erzählsituation schreiben kann?

 
Antwort von GAST | 10.10.2008 - 00:50
Zitat:
In der auktorialen Erzählsituation gehört der Erzähler selbst nicht zu der Geschichte, die er erzählt, sondern tritt deutlich als Urheber und Vermittler der Geschichte in Erscheinung. Der Erzähler ist also selbst nicht Teil der dargestellten Welt, sondern schildert sie „allwissend“ von außen, weswegen er auch oft als allwissender Erzähler bezeichnet wird. So kann er etwa Zusammenhänge mit zukünftigen und vergangenen Ereignissen herstellen, diese kommentieren und Wertungen (Erzählerrede) abgeben, Handlungen verschiedener Charaktere zur gleichen Zeit an unterschiedlichen Orten schildern, etc. Generell weiß er mehr als seine Figuren, er kennt deren Gedanken- und Gefühlswelt und sieht die Situation aus einer anderen Perspektive.
(Wiki)

Diese Beschreibung der auktorialen Erzählhaltung würde ich am Text belegen.

Zitat:
Ein Atemzug noch: dann würden die Fremden, die Sommergäste kommen - die Lehrerinnen, die mutigen Sachsen, die Kinderreichen, die Alpinisten, aber vor allem die Autobesitzer in ihren großen Wagen ... Röhr und Mercedes, Fiat und Opel, blitzend von Chrom und Glas.


Der Erzähler ist "allwissend", er weiß, was in der nahen Zukunft geschehen wird, bzw. was die Figuren erwarten, was geschehen wird. Der Erzähler selbst ist aber nicht Teil der Geschichte.

 
Antwort von GAST | 10.10.2008 - 00:53
dankeschön das war eine sehr große Hilfe

 
Antwort von GAST | 10.10.2008 - 01:00
Ich hab noch eine Frage zu dem Schluss was könnte ich noch schreiben? Ich wollte eigentlich noch ein bisschen was schreiben mir fiel aber nichts ein und ich weiß jetzt auch noch nichts...


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Antwort von matata | 10.10.2008 - 01:11
Ich finde eigentlich deinen Schluss gut und würde nichts mehr ergänzen.
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Antwort von GAST | 10.10.2008 - 01:14
Gut danke schön nochmal für die große und sehr gute Hilfe =)

 
Antwort von GAST | 10.10.2008 - 01:31
Zitat:
Ich denke, dass Elisabeth Langgässer mit ihrer Kurzgeschichte sagen will, dass man zu Nachkriegszeit sehr auf das Äußere, also den Schein, geachtet hat und weniger auf die Inneren Werte


Ich weiß gar nicht, wie du auf die "Nachkriegszeit" gekommen bist. Hatte der Krieg überhaupt schon angefangen?

Ich würde sagen, in der Kurzgeschichte wird dargestellt, wie der Antisemitismus in der Zeit des Nationalsozialismus völlig unreflektiert vom deutschen Bürgertum übernommen und umgesetzt wurde. In der Gegenüberstellung des Schildes mit der Christusfigur veranschaulicht sie, wie mit der Ablehnung alles Jüdischen auch essentielle Teile des Christentums verlorengegangen sind, welches ja im Judentum seinen Urpsrung hat. Man kann eigentlich nicht Christ und Antisemit zugleich sein.

 
Antwort von GAST | 10.10.2008 - 01:37
Der zweite Weltkrieg war 1945 zu Ende.

 
Antwort von GAST | 10.10.2008 - 01:47
Ja, aber die Geschichte spielt ja vor dem II.Weltkrieg.

1947 begaben sich erste deutsche Autoren so langsam daran, die Zeit des Nationalsozialismus literarisch aufzuarbeiten. Bis 1945 hatte Elisabeth Langgässer Publikationsverbot und durfte gar nichts schreiben. Ich habe ja schon darauf hingewiesen, dass so ein paar biografische Informationen zur Autorin nicht verkehrt wären.

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