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Referat: Der Hereroaufstand von 1904

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Der Hereroaufstand von 1904 in Südwestafrika



Von Josefine Romanski, 10a
Nachdem bereits 1864 in Südwest- Afrika die preußische Flagge von evangelischen Missionaren gehißt wurde, Kaufte der Bremer Tabak- und Waffenhändler Lüderitz im Jahre 1883 für 100 Pfund Sterling und 200 Gewehre dort eine Bucht, die später auch nach ihm benannt wurde. Noch im gleichen Jahr erwarb er auch einen Teil der Küste Südwest- Afrikas für 500 Pfund Sterling und 60 Gewehre, und bat, wie die Missionare von 1864 auch, das deutsche Reich um Schutz, der am 24. April 1884 gewährt wurde. Dieser Ausgangspunkt für eine deutsche Kolonie in Afrika wurde 1890 in Absprache mit England letzendlich vollständig erweitert, jetzt gehörte Deutschland dieses Land bis zum 22. Längengrad plus Caprivizipfel.
Die Hereros gehörten zu den grösseren Bevölkerungsgruppen der nun entstandenen deutschen Kolonie Südwest- Afrika, die ausschliesslich Viehzucht, und keinen Ackerbau, wie es für die meisten Bantustämme üblich war, betrieb. Dadurch hatten sich kleine Rivalitäten mit einem anderen Stamm, den „Nama“, gebildet, da auch dieser ausschliesslich Viehzucht betrieb.
Die Deutschen wollten das ausnutzten, indem sie versuchten, die beiden Stämme völlig zu verfeinden, bewirkten jedoch 1892 eine Verständigung beider Stämme miteinander.
Gleichzeitig wurden die Herero durch Schutzverträge mit Deutschland immer abhängiger vom Kaiserreich.
Im Januar 1904 erhob sich in der Kolonie Deutsch- Südwestafrika, der heutigen Republik Namibia, das Volk der Herero. Wahrscheinlich hatten der fortschreitende Verlust ihres Landes an europäische Farmer und ihre Entrechtung sie zu diesem Aufstand getrieben.
In den ersten Tagen töteten sie auf Geheiß ihres Oberhäuptlings Samuel Maharero einige deutsche Siedler- bis auf wenige Ausnahmen nur Männer. Der Schlag kam völlig unerwartet. Der kaiserlichen Schutztruppe unter Gouverneur Leutwein gelang es nicht, die Herero niederzukämpfen, vielmehr musste sie mehrere Niederlagen einstecken.
Aufgebrachte Siedler warfen Leutwein in Briefen nach Berlin Nachgiebigkeit vor, daraufhin schickte die preußische Regierung ein Expeditionskorps unter Generalleutnant von Trotha.
Mittlerweile hatte sich das Volk der Herero, das selbst schon kriegsmüde war, samt seinen Rinderherden am Waterberg zusammengezogen. Die Schlacht, die dort am 11.August 1904 stattfand, konnten die deutschen zwar für sich verbuchen, doch brach das Gros der Herero, wie es von Trotha listig geplant hatte, an der schwächsten Stelle der Umzingelung in die Omaheke durch, einen westlichen Ausläufer der Kalahari.
Diese panikartige Flucht wurde den Hereros zum Verhängnis, von Trothas Strategie hatte funktioniert. Er setzte zu einer Verfolgungsjagd an, um sie noch einmal zu stellen oder mindestens noch tiefer in das wasserarme Gebiet zu treiben und ihnen die Rückkehr in ihr angestammtes Gebiet zu verwehren. Am 2. Oktober liess er demonstrativ bei Osombo- Windimbe Gefangen aufhängen und schickte andere mit einer Proklamation in die Wüste, die in der Sprache der Herero abgefasst war.
Hierbei handelt es sich um den Befehl, der in der Quelle M15 auf Seite 42 anfängt mit: „Ich, der grosse General der Deutschen Soldaten sende diesen Brief an das Volk der Herero. (...)“

Wenn es nach General von Trotha ging, sollten die Herero nicht nur im militärischen Sinne „vernichtet“ werden, Der Report, den er am 04. Oktober 1904 an den Chef des Generalstabs schickte und der von diesen auch gebilligt wurde, formuliert vielmehr ein weiterreichendes Ziel:
„Meine genauen Kenntnisse so viele zentralafrikanischer Stämme(...) hat mir überall die überzeugende Notwendigkeit vor Augen geführt, dass sich der Neger keinem Vertrag, sondern nur der rohen Gewalt beugt. (...) Deshalb halte ich es für wichtiger, dass die Nation in sich untergeht, und nicht noch unsere Soldaten infiziert und an Wasser und Nahrungsmitteln beeinträchtigt.“
Von Trothas Proklamation zeigte eine verheerende Wirkung. Obgleich es viele Anzeichen dafür gab, dass der Widerstand der Herero gebrochen war, drang die Truppe immer tiefer in die Omaheke vor. Indem sie Angebote zur Übergabe ignorierte und Verdurstende „von ihrem Leiden befreite“, trieb sie den Rest des Volkes gnadenlos vor sich her in den Tod.

Dazu eine mündliche Überlieferung von Alex Kaputu:
„Wenn sie an einen Sandbrunnen kamen, und es gab Wasser, dann tranken die Krieger. Die Frauen tranken nicht, damit die Krieger mehr Kraft zum Kämpfen bekämen. Und wenn sie Hunger hatten, sagten die Männer zu den Frauen: ‚Das Kind kann ruhig sterben, ich muss aus deiner Brust Milch trinken, um kämpfen zu können.‘ Das ist, was meine Mutter selbst gesehen hat. Viele von ihnen, wenn sie zu einer grossen Pfanne kamen, in der vielleicht Wasser stand, tranken nur und fielen dann tot um.. Wenn sie vielleicht an einen Brunnen kamen, und der hatte kein Wasser mehr, und es lag ein Toter dort, dann schnitten sie ihrem Freund den Magen auf um an das Wasser zu kommen. Sie konnten nicht anders.“
Doch es gab auch Widerstand gegen diese Methode der Kriegsführung. Nach einer erfolgreichen Intervention beim Kaiser liess Fürst von Bülow General in einem Schreiben vom 11.Dezember 1904 anweisen, „Konzentrationslager für die einstweilige Unterbringung und Unterhaltung der Reste des Hererovolkes“ einzurichten. Das war eine Innovation, die schon England im Burenkrieg von 1900 benutzt hatte. Für viele Herero, die nicht im „Sandfeld“, wie die deutschen die Wüste fast scherzhaft nannten, verdurstet oder hingerichtet worden waren, begann in diesen lagern das eigentliche Martyrium. Sie starben reihenweise an physischer und psychischer Entkräftung, sowie an Krankheiten, die sie sich unter den miserablen hygienischen Bedingungen zuzogen. Doch trotzdem setzte von Trotha seinen Feldzug gegen die Hereros in der wüste unerbittlich fort. Als die Besatzungstruppen im September 1905 noch einmal das nördliche Kolonialgebiet durchstreiften, wurden 260 Herero getötet und 800 in die Lager abgeführt.
1907 wurde General von Trotha durch Gouverneur Friedrich von Lindequist ersetzt. Dieser liess im Frühjahr 1908 die letzten Konzentrationslager öffnen und legte mit einer neuen „Eingeborenenverordnung“ die Zukunft der Herero fest.
Die Rindernomaden sollten in eine anonyme Masse von „freien Lohnarbeitern“ verwandelt werden. Um ihnen alles zu nehmen, was sie an die einstige Grösse ihres Volkes erinnern konnte, wurde ihnen jeglicher Besitz von Land und Grossvieh untersagt. Jeder Afrikaner musste ständig eine Messingmarke mit einer Nummer, auf einer Reise zusätzlich einen Pass mit sich führen. Da immer wieder einzelne Afrikaner ohne diese Marken aufgegriffen wurden, wurde sogar über ein Brandzeichen diskutiert.
Wohnen durfte der Herero nur noch in den dafür eingerichteten Lokationen auf den Farmen und in der Nähe grösserer Ortschaften. Anhäufungen von mehr als zehn Familien waren verboten, Siedlungen, die sich der polizeilichen Kontrolle zu entziehen versuchten, wurden nicht geduldet. Die Überlebenden des Völkermordes wurden systematisch ihrer Rechte beraubt.
Warum die deutschen sich damals auch zur Kolonialmacht erhoben haben, ist unklar, was aber klar wird am Beispiel Deutsch- Südwestafrikas mit den Hereroaufständen, mit welcher Arroganz und Grausamkeit sie dies durchgezogen haben.
Ohne Gewissen wurden den eingeborenen härtere Strafen auferlegt als den Weißen, obwohl sie die gleichen taten begangen hatten. Erfolgte eine Prügelstrafe, so erfolgte sie mit Instrumenten, die aus einem Folterkeller hätten stammen können.
Die Tatsache, dass aus Deutschland der Befehl kam, Konzentrationslager zu errichten, anstatt alle Hereros zu vernichten, sieht für mich auch eher scheinheilig, als wirklich gut gemeint, beendet es doch nicht lange nicht das inakzeptable Verhalten der Deutschen gegenüber den Eingeborenen.
Sarkastisch betrachtet, lassen die Zahlen von M9 auf Seite 41 natürlich nicht die Vermutung aufkommen, dass man sich damals auch noch an dem letzten Eigentum der Hereros vergriffen hat.
Ansonsten kommt noch hinzu, dass die Rechtfertigungen der Deutschen in Südwestafrika, warum sie das alles täten, warum sie ein ganze Volk ausrotten müssen, und so weiter, mit so einem reinen Gewissen ausgesprochen wurden, und auch einfach so hingenommen wurden, dass so etwas doch einfach nur von absoluter Selbstüberschätzung und Arroganz zeugt, wie kein normaler Mensch eigentlich vertreten darf und auch nicht hätte dürfen.
Um meine Argumente zu unterstreichen, habe ich hier die Quellen M6 bis M9 selbstständig ausgewertet.
Fazit: Die Handlungen der deutschen damals stoßen bei mir, und höchstwahrscheinlich nicht nur bei mir, auf heftigste Kritik, die ich hier nicht gefaßt ausdrücken kann.

Quellen:
-Internet
-Buch: „Deutschland im Imperialismus“ von W.F. Gerdingstedt
- die mir zur Verfügung gestellten Arbeitsmaterialien
Inhalt
Die Aufgabenstellung war, den Hereroaufstend von 1904 in der damaligen deutschen Kolonie Südwest- Afrika näher zu untersuchen. Als Beispiele sind auch Einzelschicksale angegeben, was, wie ich finde, den Stoff interessanter macht. (1287 Wörter)
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26.11.2002 von unbekannt
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