Interpretation Mittagspause von Wolf Wondratschek | Wolf Wondratschek - Mittagspause
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Interpretation Mittagspause von Wolf Wondratschek

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InterpretationMittagspause von Wolf Wondratschek



Einleitung
Die Kurzgeschichte „Mittagspause“ von Wolf Wondratschek aus dem Buch „Früher begann der Tag mit einer Schusswunde, erschien beim Hanser Verlag München 1969. Sie handelt von einer jungen Frau und ihren Gedanken in der Mittagspause.

Inhaltsangabe
In der Kurzgeschichte geht es um eine junge Frau die ihre Mittagspause täglich in einem Straßencafé verbringt. Sie ist hübsch und zeigt dies auch. Ihre Gedanken werden beschrieben. Die Mittagspause ist für sie ein Spiel, sie sitzt im überfüllten Café und wird von den Männern angesehen. Sie sitzt in der Menge und ist doch allein. Sie wünscht sich eine Katastrophe herbei.

Inhaltsanalyse
Die Überschrift „Mittagspause“ ist nur teilweise treffend. Die Kurzgeschichte spielt sich zwar in der Mittagspause ab und man stellt einen Bezug zur Arbeitswelt auf, aber die eigentliche Geschichte dreht sich mehr um die junge Frau und ihre Gedanken denen sie in dieser Pause freien Lauf lässt.
Die junge Frau ist hübsch, sie sitzt im Straßencafé und möchte angesehen werden. Sie versteckt sich aber hinter Sonnenbrille und Modezeitschrift, Sie zündet sich eine Zigarette an um „cool“ auszusehen. Durch die Sonnenbrille kann sie die anderen Leute beobachte und bleibt selbst anonym. Die Sonnenbrille ist wie ein Schutz für sie.
Durch „Sie hasst Lippenstift“ (Z. 11) wird klar dass sie Dinge tun muss, die ihr selbst nicht gefallen. Es scheint so als spiele sie ihr ganzes Leben lang eine Rolle, auch bei ihren Eltern und Freunden kann sie sich nicht öffnen und nicht sie selbst sein.
„Sie hat Freunde. Trotzdem sagt sie nicht, das ist mein bester Freund“ (Z. 6) Sie kann keine Gefühle für andere Menschen zeigen, keine Liebe zeigen. Sie kann sich anderen Menschen gegenüber nicht öffnen und ist nicht in der Lage etwas Persönliches von sich Preis zu geben.
Die Sätze im Text sind oft zusammenhanglos und abgehackt, genau wie ihre Gedanken. In der Mittagspause hat sie Zeit zum nachdenken, sie setzt sich in Position schlägt die Beine übereinander, will schön aussehen.
Sie lebt in Tagträumen, in ihren Träumen wird sie von Männern angesprochen, verliebt sich. Wird sie jedoch tatsächlich angesprochen, ist es ihr unangenehm, sie weißt die Männer ab. „Gestern wurde sie angesprochen, Gestern war sie froh dass in der Mittagspause alles sehr schnell geht“ (Z. 22-23). Hier wird deutlich das, dass die junge Frau wohl eine gespaltene Persönlichkeit besitzt. Einerseits wünscht sie sich Dinge herbei, treten diese jedoch wirklich ein, lässt sie die Situation nicht zu, sondern versucht auszuweichen und wünscht sich das die Pause schnell vorbei ist um sich in die gewohnte Arbeit zu retten.
Ich glaube dass die Mittagspause ein Symbol für das Leben der Frau ist. Den Eltern gefällt das Leben ihrer Tochter nicht, sie haben angst „Vater sagt, er meine es nur gut. Mutter sagt sogar, sie habe eigentlich Angst.“ (Z. 25-26) Sie sorgen sich um die Lebensführung ihres Kindes.
„Sie hat mittlerweile gelernt, sich zu entscheiden. Sie ist ein Mädchen wie andere Mädchen.“ (Z.27-28) Damit ist wohl gemeint das sie gelernt hat sich anzupassen, nicht aufzufallen. Aber Entscheidungen treffen, die ihr Leben verändern könnten kann sie nicht.
Jeder Tag ist gleich, ihr Leben wird von Monotonie beherrscht, das einzige was sie sich wünscht ist diesen Kreislauf zu durchbrechen. „Es ist schön, dass in jeder Mittagspause eine Katastrophe passieren könnte.“ (Z. 35) Sie wünscht sich eine Katastrophe herbei, irgendetwas oder irgendjemanden der sie aus ihrem langweiligen Leben befreit. Sie wünscht sich das, ihr die Entscheidungen abgenommen werden.
Ein Teil von ihr wünscht sich nichts sehnlicher als etwas Besonderes zu erleben, und dem anderen Teil fehlt der Mut dies zu verwirklichen.
„Die Mittagspause ist anstrengender als Briefe schreiben“ (Z. 29-30) Dadurch will Wondratschek ausdrücken, dass sie auf der Arbeit gesagt bekommt was sie tun soll, sie muss dort die Dinge erledigen die ihr aufgetragen werden. Sie weiß was sie zu tun hat, sie muss keine Entscheidungen treffen. In der Pause jedoch ist sie auf sich gestellt, sie sitzt im überfüllten Café unter all den Menschen und ist doch ganz allein. Sie muss selbst entscheiden was sie tut. Um sich dies zu vereinfachen, geht sie jeden Tag ins Straßencafé, dort fühlt sich besser als in einer fremden Umgebung. Sie sitzt dort, spielt ihre Rolle und führt in Gedanken ein ganz anderes aufregendes Leben. Sie denkt an Katastrophen.

Formanalyse
Die Kurzgeschichte hat einen offenen Anfang und ein offenes Ende, sie weist viele geschickt eingesetzte rhetorische Mittel auf. Sie ist in vielen kurzen, abgehackten Sätzen mit einem eher unkomplizierten Satzbau geschrieben. (Parataktischer Satzbau) Durch die Kürze wird beim Leser ein Gefühl der Hektik ausgelöst, was auch die Gedanken der Frau im Straßencafe widerspiegeln. In der Mitte der Geschichte werden die Sätze etwas länger, die Gedanken werden dort mehr ausgeführt. Dadurch dass die Sätze untereinander austauschbar wären und wirken, als seien sie in völlig willkürlicher Anordnung macht der Autor deutlich, dass im Leben dieser Frau jeder Tag dem anderen gleicht, kein einziger irgendeine Besonderheit bietet und sie so auch austauschbar sind.
Die Geschichte beinhaltet viele Sätze, die zeigen das die Tagträume im Leben der Frau eine große Rolle spielen. Sie werden sich jedoch wahrscheinlich nie erfüllen.
Der Autor verwendet auch einige Antithesen „Sie weiß genau was sie will“ ( Z.9) – „Sie hat gelernt sich nicht zu entscheiden“ (Z. 26) , die die innere Zerrissenheit der Frau zwischen dem Wunsch nach Veränderung, und der Angst ihren vertrauten Alltag zu verlassen zeigen.
Im Text wird auch mit Parallelismen wie, „Sie könnte sich sehr verspäten“ –„Sie könnte sich sehr verlieben“ (Z. 34f) gearbeitet. Die beiden Sätze handeln von Ereignissen, die das abwechslungslose Leben der Frau verändern würden, eine von ihr so genannte „Katastrophe“ auslösen würden.
„Katastrophe“ ist das Schlüsselwort im Text. So steht „Katastrophe“ hier für eine Veränderung des Alltags, eine Abweichung vom Gewohnten und zeigt gleichermaßen die Angst der Frau vor diesen Geschehnissen.
Der Text spielt in verschiedenen Zeitebenen: Am Anfang wird von dem Geschehen im Augenblick erzählt, dann wird zurück in den gestrigen Tag gesprungen während dann die Handlung wieder am momentanen Tag spielt.
In der Geschichte geschieht auch ein Handlungsortwechsel in das elterliche Haus und wieder zurück. Dadurch dass die Frau nicht beim Namen genannt wird, wird eine gewisse Anonymität bewahrt, die deutlich macht, dass die Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften in abgemilderter weise (in weniger extremerweise) auf viele Menschen übertragbar sind. So unterstützen die eingesetzten rhetorischen mittel den Inhalt und lassen besonders den Charakter der Frau deutlich werden.

Schluss
Bei dieser Kurzgeschichte von Wolf Wondratschek versteht man erst beim zweiten oder dritten lesen, worum es in der Geschichte wirklich geht. Um ein trauriges, einsames Mädchen, das mit seinem Leben unzufrieden ist. Es will daraus ausbrechen, wird es aber mit ihrer jetzigen Verfassung wohl nie schaffen. Vielleicht geschieht wirklich eines Tages eine „Katastrophe“ die sie wach rüttelt und sie endlich das Leben leben lässt wovon sie träumt.
Die Geschichte regt den Leser zum nachdenken an.
Inhalt
Interpretation: Einleitung, Inhaltsangabe, Inhaltsanalyse, Formanalyse, Schluss

Wörteranzahl: 1127 (1129 Wörter)
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12.03.2008 von unbekannt
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