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Max Frisch - Homo Faber: Fabers Verhältnis zur Natur

Alles zu Max Frisch  - Homo Faber

Walter Fabers Verhältnis zur Natur


Walter Faber ist "Techniker und somit gewohnt,die Dinge so zu sehen, wie sie sind"(S.24 Z.11/12). So hat seiner Meinung nach die Natur nichts Poetisches, Mythologisches, sie ist vielmehr sachlich und objektiv zu betrachten. Schwarze Agaven sind somit für ihn nichts weiteres als"Pflanzen, die ein einziges Mal blühen und dann absterben"(S.24 Z.30).Er sträubt sich dagegen,in den schwarzen Agaven "verdammte Seelen"(S.24 Z.28) zu sehen, wie es andere Menschen tun. Obwohl er Techniker ist, sieht er eben auch Dinge mythologisch, jedoch negiert er diese Denkweise. Denn in dem Moment, in dem er sagt, schwarze Agaven haben nichts von "verdammten Seelen", gibt er zu, in ihnen " verdammte Seelen" zu sehen.
Jedoch rechtfertigt Walter Faber sich selbst, indem er sagt, er sehe nur eine Pflanze. Als Techniker ist er gewohnt, Dinge unter Kontrolle zu haben oder zu bringen, und aus diesem Grund verabscheut er alles, was er nicht kontrollieren kann. So zum Beispiel haßt Walter Faber es,unrasiert zu sein, da er sich wie "eine wuchernde Pflanze" fühlt, bei welcher er das Wachstum nicht kontrollieren kann(S.27 Z.19-21). Er ist dem Wachstum seines Bartes hilflos "ausgeliefert",und gerade diese Hilflosigkeit ist es, die er verabscheut. Da man die gesamte Natur gar nicht bzw. nur eingeschränkt kontrollieren kann (z.B. Naturkatastrophen), hält Walter Faber nichts von der Natur, ja er ekelt sich regelrecht vor den Tieren, z.B.vor den Käfern, die aus seiner Dusche gekrabbelt kommen. Aber ebenso verabscheut er das "Freßverhalten" der Tiere. Der Gedanke daran, daß Tiere andere Tiere (oder Kadaver anderer Tiere)fressen, macht ihn völlig krank, denn auch vor dieser Tatsache ekelt er sich. Walter Faber haßt das Klima der feuchten Tropen,denn: "Wenn man sich den Schweiß aus dem Gesicht wischt, so ist es,als stinke man selbst nach Fisch"(S.34 Z. 2/3). Dieses Gefühl, schmutzig zu sein, und vor allem die Empfindung, einem Tier zu gleichen, sind es, was er negiert. In Walter Fabers Natur herrscht der Mensch, jedoch kann das nicht bei allen natürlichen Phänomenen der Fall sein, wie z.B. dem Schweiß, dem Bartwuchs oder dem Alterungsprozeß. Seiner Meinung nach ist der Mensch: "Als Konstruktion mßglich,aber das Material ist verfehlt: Fleisch ist kein Material, sondern ein Fluch" (S. 171 Z.34/35). Auch den Alterungsprozeß kann er nicht kontrollieren, und somit verabscheut er auch ihn. Der Mensch nimmt für sich Anspruch, die Natur zu beherrschen,versagt aber angesichts des Alterungsprozeßes. Der Mensch kann die Geburtenrate beherrschen,und aus dem Grund bejaht Walter Faber den Schwangerschaftsabbruch. Er selbst jedoch benutzt nicht das Wort "Schwangerschaftsabbruch", sondern er bevorzugt einen euphemistischen [schönredenden] Ausdruck, nämlich die "Schwangerschaftsunterbrechung". Dieser Ausdruck suggeriert, daß man die Schwangerschaft nach der Unterbrechung wieder aufnehmen kann, was nicht der Wahrheit entspricht. Walter Faber ist der Meinung, daß "Schwangerschaftsunterbrechung" etwas Positives ist, denn "die natürliche Überproduktion (wenn wir Drauflosgebären wie die Tiere) wird zur Katastrophe; nicht Erhaltung der Art, sondern Vernichtung der Art" (S.105/106 Z.34/1-3). Durch den von ihm verwendeten pejorativen Ausdruck: "Drauflosgebären wie die Tiere", wird deutlich, daß er die Sexualität negiert, da der Mensch "nur durch Trieb dazu genötigt ist"(S.93 Z. 25/26) und er dieses Triebgefühl nicht kontrollieren kann. Er negiert nicht nur die Sexualität, sondern geht noch weiter, indem er alles Weibliche verabscheut. Dieses wird verdeutlicht durch seine Worte: "Feuer ist eine saubere Sache, Erde ist Schlamm nach einem einzigen Gewitter, Verwesung voller Keime, glitschig wie Vaseline, Tümpel im Morgenrot wie Tümpel von schmutzigem Blut, Monatsblut, Tümpel ivoller Molche, nichts als schwarze Köpfe mit zuckenden Schwänzchen wie ein Gewimmel von Spermatozoen, genau so - grauenhaft" (S.68 Z.25-33): Er verstärkt die Negation der Weiblichkeit, indem Walter Faber sagt:&uot;To sais que la mort est femme, et que la terre est femme!" (S.69 Z.26/27). Alles in allem kann man also sagen, daß Walter Faber alles negiert, was sich seiner Kontrolle entzieht, also das Altern, den Tod, die Naturkatastrophen, ja sogar die Zeit.

Inhalt
Ausführlicher Text mit Seitenangaben (Suhrkamp Taschenbuch 354) zu Walter Fabers Verhältnis zur Natur im Roman "Homo Faber" von Max Frisch. (619 Wörter)
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28.11.2003 von unbekannt
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