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Facharbeit: Heinrich Böll - Recherche und Beurteilung zur Aktualität von "Die verlorene Ehre der Katharina Blum"

Alles zu Heinrich Böll  - Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Analyse und Bewertung von "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" von Heinrich Böll als Klassenlektüre


Aufgabenstellung zu "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" von Heinrich Böll.
Recherchieren Sie die Wirkungsgeschichte des Romans und beurteilen Sie, ob seine Behandlung als Klassenlektüre heute noch empfehlenswert ist.

Wirkungsgeschichte
Um die Wirkungsgeschichte des Romans "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" von Heinrich Böll nachvollziehen zu können, werden zunächst einmal Bölls Intentionen untersucht, die ihn veranlasst haben das Stück zu schreiben.

Im Jahr 1972 verfasste Heinrich Böll im Spiegel einen Bericht über die Baader-Meinhof-Bande, dessen Titel jedoch vom Spiegel gegen seinen Willen verändert worden war. Die dadurch suggerierte Vertrautheit des Autors mit Meinhof(1) entsprach weder Bölls Absicht noch dem Inhalt des Textes, indem er die Vorgehensweise und Berichterstattung der Bild-Zeitung und insbesondere deren Artikel vom 23.12.1971 über Die Baader-Meinhof-Bande scharf kritisierte.

Dies führte wiederrum zu einer Reaktion der BILD- Zeitung, die auf Bölls Kritik hin schrieb "Dieser christliche Dichter habe zu einer Sprache gefunden, die ein Gemeinschaftswerk Karl-Eduard von Schnitzlers und Joseph Goebbels sein könnte.". Böll wurde darüber hinaus zum Salonanarchisten, zum ideologischen und intellektuellen Helfershelfer des Terrors abgestempelt.

Diese Vorkommnisse und seine allgemeinen kritischen Ansichten gegenüber dem Springer-Verlag und der Sensationsmache im Allgemeinen, haben Heinrich Böll dazu veranlasst seine Erlebnisse an der Geschichte der Katharina Blum zu publizieren. Somit galt die Kritik die in dem Roman vermittelt wird in erster Linie der Boulevardpresse, die seiner Meinung nach nicht belegte Tatsachen und Vermutungen als bereits bewiesene Tatsachen darstellt und Aussagen verfälscht um diese zu belegen, lediglich um die Sensationsgier der Leser zu stillen. Hierbei wird auch die Kritik an den proletarischen Lesern solcher Boulevardzeitungen deutlich, da sie den Sensationsjournalismus nicht hinterfragen und diesen mit hohen Verkaufszahlen unterstützen.

Die Leser seines Romans zeigten sich, wohl auch aufgrund der vorherigen Aussagen über Böll, empört über seine Ansichten. Sie warfen ihm vor, die Geschichte sei als Rechtfertigung von Gewalt anzusehen, weshalb sie Böll verurteilten. Das Echo der Kritik war dementsprechend überwiegend negativ. Heinz Beckmann warf Heinrich Böll vor, dass er sich zu sehr auf den Vorfall mit der BILD-Zeitung im Zusammenhand mit der Baader-Meinhof-Gruppe beschäftige und nicht, wie es seine Aufgabe als Schriftsteller sei, mit der Erzählung einer Geschichte. "Der vorstehende Text beruht zweifellos auf dem horrenden Mißverständnis, Heinrich Böll hätte eine Erzählung geschrieben. Böll jedoch in seinem Grimm war noch bei der Meinhof und was ihm da angetan wurde von der ZEITUNG.", so Beckmann in "Rheinischer Merkur". Dieser Ansicht ist auch Joachim Günther, der noch einmal betont "eine Erzählung darf [jedoch] nicht das Allgemeine in Gestalt eines von Millionen Fällen vermitteln, sonder muß im einzelnen Fall das Allgemeine sein. Davon kann bei dieser Erzählung nicht die Rede sein".

Nicht nur das gesamte Stück, sondern auch die Sprache Bölls wird kritisiert. Reinhard Kill schrieb in der "Rheinischen Post": "Die Lektüre der Erzählung "Die verlorene Ehre der Katharina Blum -oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann" war für mich eine schmerzliche Enttäuschung. Weil hier ein Thema [...] fast fahrlässig verfehlt wurde. Und weil das auf eine literarisch so dürftige, verquollene, gespreizte, verkrampfte Weise geschieht.

Verhandlung und Urteil erspart uns Böll. Nicht dagegen einen in Methoden und Vokabular wohl unterschätzten Boulevard-Journalismus". Hiermit setzt R. Kill eine besonders scharfe Kritik, da er nicht nur Bölls Schreibweise bemängelt, sondern sogar die von ihm ins Visier genommene Boulevard-Zeitung verteidigt.
Selbst von Politikern, die hauptsächlich der CDU angehörten und ein gutes Verhältnis zu der Bild-Zeitung pflegten, wurde er aufgrund seines im Spiegel veröffentlichten Artikels beispielsweise von Löwenthal (1972) als "Sympathisant des Linksfaschismus" bezeichnet. Er behauptete ebenfalls, dass Heinrich Böll "nicht einen Deut besser als die geistigen Schrittmacher der Nazis" wäre, "die schon einmal so viel Unglück über unser Land gebracht haben".
Erst mit einem gewissen zeitlichen Abstand zur damaligen restriktiven politischen Situation versachlichte sich die Rezeption.

Auf der anderen Seite gab es aber auch Befürworter von Heinrich Bölls Roman "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", die die Anschuldigungen er "rechtfertige die Gewalt" zurückwiesen. Außerdem wurde er für seine Treue in seiner "bisherigen Funktion als Kritiker sozialer, politischer und institutioneller Repression" und die "verstehbare Offenlegung einer potentiell gefährlichen Wirklichkeit (Hans Fröhlich in den Stuttgarter Nachrichten) gelobt.

Nicht nur die teils positiven Kritiken, sondern auch die große Empörung über Heinrich Bölls Werk "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" zeigt deutlich, dass seine Kritik am Sensationsjournalismus und der Akzeptanz und Annahme der Leser berechtigt ist.

Das Buch ist daher ausschließlich für eine mögliche gesellschaftskritische Betrachtung der 1970er Jahre zu empfehlen, denn auch heute noch ist die Sensationsgier der Menschen ein großes Thema und die Lage des Sensationsjournalismus hat sich meiner Meinung nach ebenfalls nicht verbessert.
Der beste Beweis hierfür ist, dass die BILD-Zeitung, die Böll mit seinem Buch in erster Linie kritisiert, noch immer erscheint und sich sogar an einer hohen Verkaufszahl erfreuen kann. Obwohl er in einer Vorbemerkung darauf verweist, dass Personen und Handlung dieser Erzählung frei erfunden seien, so fügt er dennoch hinzu, dass wenn "sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken der Bild-Zeitung ergeben haben" sollten, "so sind diese Äußerungen weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich".

Dies zeigt deutlich, dass die Kritik an dem Sensationsjournalismus der Boulevardpresse immer noch ein gegenwärtiges Thema ist. Die Handlung ist dank der immer noch vorhandenen Aktualität des Themas gut auf die heutige Zeit und die heutige Gesellschaft übertragbar, wodurch sowohl das Interesse der Schüler geweckt wird, als auch aktuelles Material zu der Bearbeitung des Buches herangezogen werden kann. Dies bestätigt auch Fabienne Benoit, eine Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin, in ihrer Ausarbeitung vom 3. September 2002 mit den Worten "Bölls Roman "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" lädt ein, aktuelle Medienereignisse kritisch zu reflektieren.".
Daher komme ich zu dem Schluss, dass das Buch eine interessante, aktuelle und somit eine empfehlenswerte Lektüre für den Schulunterricht darstellt.
Inhalt
Der Text behandelt die Aufgabenstellung zu dem Buch „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ von Heinrich Böll.

Nachdem die Wirkungsgeschichte des Romans erörtert wird, erfolgt eine Beurteilung, ob die Behandlung des Buches als Klassenlektüre heute noch empfehlenswert ist. (963 Wörter)
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27.02.2013 von krissy09
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