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Montaigne: Philosophieren heißt sterben lernen - Bedeutung ?

Frage: Montaigne: Philosophieren heißt sterben lernen - Bedeutung ?
(3 Antworten)


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Hi
Habe ein paar Fragen bezüglich Montaigne.
Es geht um das Thema, „Philosophieren heißt sterben lernen“

Montaigne schreibt über die Wollust und Tod, das letzte Ziel. Dem stimme ich zu. Und um diese Wollust zu erreichen, müssen wir als erstes die Angst vor dem Tod verlieren. Dem stimme ich auch zu.

Er beschreitet einen Weg. Er Sinnt auf den Tod um die Angst vor dem Tod zu verlieren und so ist das erste Ziel keine Angst vor dem Tod.

Was mein Problem ist, es sind zwei Ziele. Zumindest sehe ich es so und das verwirrt mich, zwei Zielen zu folgen.

Welches Ziel ist das Hauptziel, wenn man an den Tod sinnt? Die Wollust oder keine Angst vor dem Tod?

Gruß
Petr
Frage von Petr77 | am 07.08.2019 - 11:20


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Antwort von cleosulz | 07.08.2019 - 21:18
Hallo Petr,
ich habe mich mit diesem Philosophen nicht beschäftigt.
Aber was mir spontan zu deiner Frage einfällt:
Was bedeutet Leben, wie leben wir, wie ist unser Leben vorgezeichnet?
Nach 1 kommt 2.
Kinder lernen laufen, in dem sie den ersten Schritt sicher machen und den zweiten hinterher. Beginnen wir nicht mit dem ersten Schritt, brauchen wir keinen zweiten. Und mit dem zweiten kann man nicht beginnen.
Schon mit dem Beginn des Lebens, wenn Samen und Ei verschmelzen ist klar, dass dieses werdende Leben enden wird. Die Frage ist nur, wann und wie. Aber es wird enden.
Wenn der Mensch lernt mit dieser Tatsache umzugehen, dann schwindet die Angst vor dem Leben. Man muss also zunächst die Angst vor dem Tod überwinden, um befreit leben zu können. Mache ich mir bewußt, dass ich (irgendwann, vielleicht im nächsten Augenblick) tot sein werde, dann kann ich sorgloser leben.
Hört sich doch gut an. Aber was ist "sorglos"? Ist sorglos angstfrei? Oder reicht es schon zu akzeptieren, dass ich sterben werde und noch nicht weiß wie und vor allem wann?
Ich weiß es nicht.
Ich denke jedoch, dass eine ständige Angst vor dem Tod und der Tatsache, dass ich als Mensch vergänglich bin (wäre ich eine Pflanze ebenso ^^) nicht förderlich ist für ein gutes Leben.
Also müsste doch mein vornehmliches Ziel sein, ein Leben ohne Angst vor dem Tod zu führen. Überhaupt ein möglichst angstfreies Leben. Das wäre schön, wenglich ein bisschen Angst lebensrettend sein kann.

Aber wenn die Angst vor der Endlichkeit des Lebens überwunden ist, lässt es sich leichter leben. Es heißt ja auch: Lebe jeden Tag, als wenn es dein letzter wäre.

Das heißt nicht in Saus und Braus sondern bewußt und verantwortlich, ohne Angst.

Wollust hat ja unterschiedliche Bedeutungen.
Ursprünglich bedeutete es ja: Freude bereiten.
Und wenn ich das so nehme, dann bedeutet es für mich:
Wenn ich die Angst vor dem Leben (das im Tod endet) überwunden habe, kann ich auch Freude empfinden.
Daher wäre mein erstes Ziel das Leben anzunehmen (und das Ende = den Tod auch) und dann diese Zeit so zu nutzen, dass dieses Leben mir auch Freude bereitet.
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Antwort von Petr77 | 07.08.2019 - 23:52
Erstmal danke für die Antwort. Es ist schön wie du es formuliert hast und es mit eine Pflanze verglichen hast und mit dem ersten Schritt. Wie Epikur der vom Ursprung geht. So sind wir, Pflanzen, Tiere... Der Mensch hat erst den Menschen zu Menschen gemacht.

Vor Jahren hatte ich angst bekommen. Ich konnte eine Woche nicht schlafen, da ich Angst bekam, dass ich sterbe, wenn ich einschlafe. Ich musste was machen, also kam ich auf Montaigne durch ein Zufall.
Ich erfuhr, besser erlebte es schon vor Montaigne die Wollust. Es bedeutet Freude, wie du es beschrieben hast. Wollust verbinde ich mit Kraft,Freiheit, Klarheit, Männlichkeit.

Ich lass Montaigne und begriff ihn. Er hat mich aus dem Loch gezogen. Und ich ging sein Weg der zu meinem war und folgte das Ziel was mir wichtig war. Keine Angst vor dem Tod, so wie ich mich erinnern kann. Nun bin ich mir nicht mehr sicher ob es das Hauptziel war.

Also so wie ich dich verstanden habe, ist das Hauptziel, keine Angst vor dem Tod, denn keine Angst vor dem Tod führt uns zu Wollust? Ich frage nur, weil ich den letzten abschnitt, nicht so ganz verstanden habe

Gruß Petr


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Antwort von cleosulz | 08.08.2019 - 08:38
Ich denke, dass man keine Angst vor dem Leben haben darf. Das Leben als solches bejahen und annehmen ist ein gutes Ziel für meine Seele.

Das erreichen wir nur, wenn uns der Gedanke an den Tod nicht schreckt.
Der Tod gehört zu uns wie das Atmen.
Atmen ist selbstverständlich.
Wie kann ich Freude empfinden, wenn ich gleichzeitig Angst habe, dass ich in 10 Minuten tot umfalle?
Nur wenn ich mich bedingungslos mit dem Gedanken auseinandersetze, dass ich früher oder später nicht mehr sein werde, kann ich mein jetziges Dasein genießen.
Ich persönlich habe Wünsche und Sehnsüchte, versuche diese zeitnah umzusetzen. Ein Verschieben auf später einmal .... Wenn die Kinder groß sind .... Wenn wir in Rente sind .... vermeide ich.
(Wenn es geht, nicht alles lässt sich so verwirklichen. Dann ist es aber mir auch nicht so wichtig.)

Das kommt aber auf die Lebenseinstellung ein. Meine hat sich geprägt durch "frühe Todesfälle". All diese Menschen glaubten an ihr langes Leben und ich dachte, dass sie mich lange begleiten. Ich habe gelernt (denke ich wenigstens), dass man damit rechnen sollte, im nächsten Moment " dran zu sein". Nur dann, kann man aktiv leben.
Ich habe einen Ordner im Schrank, in dem meine Verfügungen von Todeswegen stehen. Mein Testament, wie ich mir meine Beerdigung vorstelle usw. Selbst den Blumenschmuck habe ich herausgesucht.

Das ist geklärt, weil ich nicht weiß, wann mich der Tod ereilt.
Aber ich weiß "dass es passieren" wird.
Lebe ich daher anders? Freudiger?
Vielleicht. Den Tod sehe ich jetzt nicht als Freund. Aber er ist auch kein Schreckgespenst. Er gehört dazu und wird mich bei der Hand nehmen.
Und bis dahin versuche ich ein schönes, gutes Leben zu führen. Ganz im Rahmen der Möglichkeiten und der vielen Faktoren die es bestimmen. Meine Arbeit, Einkommen, Familie und vor allem Gesundheit. Ich habe einiges erlebt und nucht nur Schönes. Ich für mich ziehe fast täglich ein Fazit. Vor allem dahin, dass ich möglichst jeden Abend dem kleinen Tod ins Gesicht blicke und in Gedanken sagen kann:

Bin zufrieden, hast du gut genacht/ oder auch nicht - gute Nacht.
Morgen kommt ein neuer Tag.
Ich schlafe gut.

Das sollte unser Streben sein. =>

Die Akzeptanz des Endlichen und das Finden zur persönlichen Zufriedenheit.

Es wäre toll, wenn wir nur Freude empfinden. Aber so viel Überheblichkeit steht mir nicht zu. Es gibt auch Niederlagen, Rückschläge.
Aber was uns nicht tötet, macht uns nur stark.

Ich für mich wünsche mir persönlich Zufriedenheit. Und das beinhaltet alles.
Körperliche als auch seelische Zufriedenheit, Freude in allen Farbschattierungen.
Ich lebe nicht in einer rosa Welt, in der alles gut ist. Aber seit dem ich für mich den Tod zulasse, lebe ich gelassener.
Ich traure um Menschen, die mich nicht mehr begleiten. Ich hadre auch, dass sie so früh gingen. Aber ich trauerte gelassener (? kann man das?).
Es heißt: Der Weg ist das Ziel.
Es gibt einen Anfang und ein Ende.
Die menschliche Entstehung, die in der Geburt gipfelt und die Tatsache, dass jeder Mensch sterben wird. Das müssen wir verinnerlichen. Dann können wir den Weg viel bewusster gehen.
Nicht rennen und nicht nach rechts und links schauen, wohl wissend, dass wir den Zug doch nicht erreichen. Lieber sich umschauen, die Umwelt registrieren/sich des Lebens freuen und dabei feststellen, dass sich da oder dort eine Mitfahrgelegenheit bietet. Und wenn nicht, dann ist es halt so. Aber die Freude/das Bewusstsein/Zufriedenheit/wegen mir auch Wollust .... die empfinden wir.
Genauso wie die Niederlage, Ärger und Frust und Trauer, wenn etwas nicht gelingt.

Es geht daher auch um das Empfinden und das Zulassen von Empfindungen.
Um das Bewusstsein dafür.

Kurz endlich:
Den Tod akzeptieren. Lernen ihn als Teil unseres Lebens zu sehen.
Empfindungen zuzulassen. Freude auch wirklich als solche zu empfinden und als Geschenk anzunehmen.
Wenn uns das gelingt, leben wir zufrieden.
Danach zu streben, ist nicht falsch.
________________________
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