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Gedichtsvergleich „Der Spinnerin Nachtlied“ und „Sachliche Romanze“

Alles zu Clemens Brentano

Gedichtsvergleich von Mara Herschel



Mit Hilfe meiner Interpretation des Gedichtes „Der Spinnerin Nachtlied“ von Clemens Brentano (1802) werde ich dieses mit dem Gedicht von Erich Kästner „Sachliche Romanze“ (1928) vergleichen. Spannend ist, dass das Gedicht von Brentano als typisches Gedicht der Romantik gilt und das Gedicht von Kästner aus der Epoche der neuen Sachlichkeit stammt
Das Gedicht „Der Spinnerin Nachtlied“ von Clemens Brentano handelt von einer Spinnerin, die nachts bei Mondschein ihrer verflossenen Liebe nachtrauert. Beim ersten Lesen denkt man, dass die Spinnerin ihren Geliebten so dermaßen liebt, dass sie ohne ihn nicht mehr leben kann und nicht weiß, wie sie mit sich und ihrer Trauer umgehen soll und jetzt eine enorme Sehnsucht verspürt. Somit stehen die Gefühle des lyrischen- Ichs im Mittelpunkt, so wie es für die Romantik üblich ist.
Das Gedichts „Sachliche Romanze“ von Erich Kästner handelt von der Trennung eines Paares, welches acht Jahre eine Beziehung hatte und die Liebe abhandengekommen ist. Es ist sehr sachlich und distanziert verfasst. Meine Deutungshypothese ist, dass Erich Kästner deutlich machen möchte, dass eine Beziehung nicht für immer halten muss und auch nach acht Jahren in die Brüche gehen kann.
Dieser große Unterschied in der Ausschmückung der beiden Gedichte ist sehr auffällig. Brentano benutzt mehrere Motive und Symbole der Romantik: „Nachtigall“ (V.2,10,18) und „Mond“ (V.8,14,23). Mit diesen kann er die Gefühle und Emotionen der Spinnerin beschreiben. Generell stehen die Gefühle der Spinnerin, also ihr Verlangen, ihre Liebe und die Sehnsucht im Mittelpunkt. Gegensätzlich ist dies im Gedicht von Erich Kästner. In der neuen Sachlichkeit wird das Geschehen distanziert und ohne jegliche Ausschmückung beschrieben und es soll um das Alltägliche gehen, um Sorgen, die jeder hat und nicht mehr um Gefühle des jeden Einzelnen, wie es in der Romantik üblich ist.
Eine Gemeinsamkeit liegt in den Titel der beiden Gedichte: Der Titel des Gedichtes „Der Spinnerin Nachtlied“ kann die Lesenden ziemlich verunsichern. Das könnte auch die Absicht von Clemens Brentano gewesen sein. Bei dem Titel denkt man an ein Nachtlied, welches zum Einschlafen dienen soll und welches man bestenfalls den Kindern vorlesen kann. Doch das Gedicht dient nicht zum Einschlafen, sondern wird von der Spinnerin nachts gesungen, wenn sie wieder große Sehnsucht und Einsamkeit verspürt. Vielleicht zum Beruhigen, vielleicht zum Ablenken. So widersprüchlich ist auch der Titel von „Sachliche Romanze“ in sich selbst: Eine Romanze hat nichts Sachliches an sich. Eine Romanze steht für viele Emotionen und eher als Gegenteil der Wissenschaft und somit zur Sachlichkeit.
Die Sprecherinstanzen ähneln sich. In beiden Gedichten spricht ein lyrisches Ich. Allerdings liegt hier auch ein Unterschied vor, denn währen das lyrische Ich in Gedicht „Der Spinnerin Nachtlied“ die Spinnerin selbst ist, ist es im Gedicht „Sachliche Romanze“ ein außenstehender Erzähler.
In Clemens Gedicht tauchen mehrere sprachliche Mittel auf: „So lang der Mond wird scheinen“ (V. 8) und „So oft der Mond mag scheinen“ (V. 13) und „Der Mond scheint klar und rein“ (V. 23) sind alles Parallelismen. Sie bewirken eine konstante Stimmung in den Strophen der Gegenwart. Und zwar dass die Sprecherin immer eine Sehnsucht zur Vergangenheit spürt solange der Mond scheint. Somit erklärt sie symbolisch, dass sie für immer eine gewisse Sehnsucht zu ihrem Geliebten verspüren wird, da ein Mond immer scheint. Im vierten Vers befindet sich eine Alliteration: „Süßer Schall“. Somit wird der schöne Klang des Schalls von der Nachtigall hervorgehoben und da die Nachtigall ein Motiv für die erfüllte Liebe darstellt, wird der Klang der erfüllten Liebe deutlich. Im sechsten Vers wird die Tätigkeit der Sprecherin thematisiert: „und spinne so allein“. Das Spinnen kann ein Symbol für einen Kreis sein, aus dem sie nicht rauskommt. Vielleicht aus der Eintönigkeit ihres Lebens oder aus der großen Sehnsucht zur erfüllten Liebe. Währenddessen ist Kästners Gedicht mit keinen Stilmitteln ausgeschmückt, so wie es für die Epoche der neuen Sachlichkeit üblich ist.
Auch in dem Aufbau der beiden Gedichte gibt es einen Unterschied. Das Gedicht „Sachliche Romanze“ wirkt wie eine Geschichte, weil man die sachlichen und knappen Sätze einfach herunterlesen kann. Anders ist es im Gedicht „Der Spinnerin Nachtlied“: Ein bestimmter Aufbau wird in diesem Gedicht schnell deutlich. Die Strophen sind abwechselnd im Präsens und im Präteritum gehalten. Die erste Strophe thematisiert die gemeinsame Zeit des lyrisches- Ichs mit dem Geliebten, aber diese liegt in der Vergangenheit. Deshalb ist sie im Präteritum geschrieben. Die zweite Strophe ist im Präsens geschrieben und thematisiert die Einsamkeit des lyrischen- Ichs ohne den Geliebten bei Nacht in der Gegenwart. Diese Abwechslung von Tag und Nacht und Vergangenheit und Gegenwart zieht sich durch das ganze Gedicht. Somit kann man das Gedicht in zwei Teile aufteilen. Einmal mit der ersten, dritten und fünften Strophe in die glückliche Vergangenheit mit der großen Liebe des lyrischen- Ichs und dann die zweite, vierte und sechste Strophe in die traurige Gegenwart, bei der das lyrische- Ich in der Nacht einsam und traurig spinnt. Währenddessen ist das Gedicht von Kästner komplett im Präteritum verfasst und in der zweiten und dritten Strophe wird deutlich, dass das das Pärchen versucht die Beziehung noch zu retten und die Krise noch zu verheimlichen. Umso deutlicher wird es in der letzten Strophe, dass beide das Ende der Beziehung fühlten und dass die Liebe abhandengekommen ist. Somit wird ein Wandel zwischen der dritten und viertel Strophe deutlich: Das Eingestehen der Realität.
Die Form der beiden Gedichte ist ein wenig ähnlich. Beide Gedichte haben als Metrum den Jambus. Dennoch weist Brentanos Gedicht einen Umarmenden Reim auf und Kästners Gedicht einen Kreuzreim. Die sechs Strophen in „Der Spinnerin Nachtlied“ haben jeweils vier Verse so wie die ersten drei Strophen von „Sachliche Romanze“. Doch die letzte Strophe hat fünf Verse. Außerdem beinhalten die letzte Strophe als Reimschema zwar ein Kreuzreim, aber irgendwie ist dieser auch undefinierbar: ghggh. Dieser zusätzliche Vers bewirkt eine Unregelmäßigkeit und man stolpert beim Lesen über diesen Vers
Eine weitere Gemeinsamkeit ist die einfache Sprache der beiden Gedichte, nur das in „Der Spinnerin Nachtlied“ das Lesen durch viele Inversionen erschwert wird.
Das Gedicht „Der Spinnerin Nachtlied“ ist sehr verzwickt aufgebaut mit den verschiedenen Zeitformen und vor allem sehr mit den Emotionen der Spinnerin verschleiert und ausgeschmückt. Die beiden Gedichte könnten nicht unterschiedlicher sein, da das Gedicht „Sachliche Romanze“ sehr sachlich ohne jegliche Emotionen geschrieben ist. Es lässt sich schlussfolgern, dass die beiden Epochen sehr gegensätzlich sind und somit die Gedichte der beiden Epochen nicht miteinander vergleicht werden können, oder nicht auf einen Nenner kommen können
Inhalt
Gedichtsvergleich des Gedichtes „Der Spinnerin Nachtlied“ von Clemens Brentano (1802) und von Erich Kästner „Sachliche Romanze“ (1928) (1119 Wörter)
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26.03.2020 von Mara.h
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