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Analyse "Fliegenpapier" von Robert Musil

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Analyse - „Das Fliegenpapier“ - Robert Musil



Der Textauszug „Das Fliegenpapier“ von Robert Musil aus dem Roman „Nachlass zu Lebzeiten“, welcher 1936 veröffentlicht wurde, thematisiert die Unausweichlichkeit des Todes, sobald in den Krieg gezogen wird.
In diesem Auszug geht es um das vorhersehbare und qualvolle Sterben im Krieg, am Beispiel von Fliegen, die ihr Leben an einem präparierten Fliegenpapier langsam, aber auch qualvoll, beenden.
Musil kritisiert die Naivität der Menschen, hoffnungsvoll, zuversichtlich und froh in den Krieg zu ziehen, dort dann jedoch zu sterben.
In dem Textauszug wird das Sterben der Fliegen sehr detalliert beschrieben, wodurch sich der Leser in die Fliegen hineinversetzen kann und deren Tod ein wenig mitfühlen kann. Zu Beginn wird zunächst der Ort, an dem die Fliegen sterben werden, genau beschrieben. Es handelt sich um ein Fliegenpapier der Marke „Tangle-foot“, welches „ungefähr sechsunddreißig Zentimeter lang und einundzwanzig Zentimeter breit“ (Z.1f.) ist, wodurch sich der Leser diesen Ort des Sterbens genau vorstellen kann. Auch wird beschrieben, dass das Papier mit einem „gelben, vergifteten Leim“ (Z.3) bestrichen ist, woran die Fliegen zunächst Kleben bleiben und daraufhin sterben. Im weiteren Verlauf werden die gefangenen Fliegen des Öfteren mit Soldaten und dem Militär im Krieg verglichen.
So „stehen“ die Fliegen „wie klapprige alte Militärs“ (Z.13f.) da, und „geben sich [gegenseitig] Haltung […] und sammeln Kraft und Überlegung“ (Z.13ff.), was ihnen helfen könnte, sich aus ihrer Lage zu befreien. Am Beispiel der Fliegen kleben diese am Papier und versuchen sich davon durch Flügelschläge zu befreien. Als Vergleich steht das Militär hier auf einem „scharfen Grat“ (Z.15) und überlegt, wie sich die Soldaten aus dieser Situation ebenfalls befreien können. Jedoch wird dem Leser in beiden Beispielen deutlich, dass es keinen (sicheren) Ausweg gibt und sich die Beschriebenen ihrem Schicksal, dem Tod, stellen und abwarten müssen.
So wird der Krieg mit einem Fliegenpapier gleichgesetzt, das nur zum Töten und zur Vernichtung bestimmt ist. Menschen ziehen in den Krieg, obwohl sie eigentlich wissen, dass dieser schaurig und schrecklich ist. Ist man jedoch einmal involviert, so gibt es keinen Ausweg mehr, genau wie bei den Fliegen, die einmal zu dem anziehenden Duft und ihren Kameraden hingeflogen und festgeklebt sind, dort ihren Rest des Lebens verbringen.
Ein weiteres Merkmal, warum sich vermuten lässt, dass auf den Krieg angespielt wird ist, dass von „unten […] verwirrende Dünste“ (Z.20) aufsteigen, die an Giftangriffe im Krieg erinnern.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht eines auktorialen Ich-Erzählers, der das Geschehen zeitdehnend schildert. Dadurch kann zunächst das Erlebte einer einzelnen Fliege vom Leser besser verstanden und wahrgenommen werden, zum anderen wird jedoch auch deutlich, wie lange die Zeit ist, bis die Fliege ihre Ruhe findet und nicht mehr versucht, von dem Papier zu entkommen.
Da ein außenstehender Ich-Erzähler berichtet („ich fühle, wie ratlos sie sind (Z.21)), ist zu vermuten, dass Musil ebenfalls kritisieren möchte, dass gegen den Krieg und die eigentliche Massenvernichtung nichts getan wird.
Am Beispiel der Fliegen steht ein Mensch, hier der Erzähler, wahrscheinlich neben dem Papier und schaut den Fliegen zu, wie sie langsam sterben. Anstatt ihnen zu helfen, wird nichts unternommen, dafür aber noch eine Geschichte erzählt.
Als Parallele dazu können die vielen anderen Menschen angesehen werden, die zwar genau wissen, was der Krieg anrichtet, trotzdem nichts dagegen tun und tatenlos zuschauen, wie möglicherweise ein Teil ihrer Familie zerstört und getötet wird.
Im weiteren Verlauf des Textes wird beschrieben, in welchen „ungünstigen Lage[n]“ (Z.42) die Fliegen ihren Tod finden. „Sie sitzen auf der Erde, […], mit ausgestreckten Armen“ (Z.45), oder „sie liegen auf dem Bauch“ (Z.47), oder „mit dem Kopf und Armen voraus, wie im Lauf gefallen“ (Z.48), was erneut mit gefallenen Soldaten im Krieg verglichen werden kann. Diese werden oft auf der Flucht von Granaten, Geschossen oder Kugeln getroffen und fallen im Lauf um und bleiben dort genau so liegen.
Damit wird erneut der oft plötzliche und dann unausweichliche Tod von Soldaten im Krieg verdeutlicht, die meistens keine Chance haben, aus diesem unversehrt hervorzugehen.
Abschließend lässt sich sagen, dass der Krieg laut Musil ein Instrument zum Töten von Menschen ist, und dass diese Menschen und auch ihre Familien nicht, wie üblich zu dieser Zeit zu Beginn des ersten Weltkrieges, die Menschen stolz waren, für ihr Vaterland kämpfen und sich opfern zu dürfen.
Der erste Weltkrieg war für die Menschen ein neues Erlebnis. Zuvor gab es eine solche Art des Krieges noch nicht, bei dem neuartige Waffen eingesetzt wurden, die regelrecht zur Zerstörung von ganze Menschengruppen gedacht waren. Trotzdem freuten sich Soldaten und waren stolz, für ihr Vaterland kämpfen zu dürfen.
Euphorie hat also nichts im Krieg verloren. Stattdessen sollte man Angst und das Bedürfnis verspüren, etwas gegen diesen Krieg zu unternehmen.
Inhalt
Eine Analyse des Fliegenpapiers von Robert Musil mit besonderem Blick auf den Vergleich der Fliegen mit dem Krieg und dem Militär. (814 Wörter)
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30.06.2019 von Miroo1
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